Was macht der Ölpreis?
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 30. Juli 2004 18:00 Uhr
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"Ein Ölpreis von 50 Dollar je Barrel scheint jetzt realistischer als je zuvor", so Kevin Kerr, Herausgeber von "Outstanding Investments". Kerr, ein Ölbulle, begründet seinen Ausblick mit der wachsenden Spannung zwischen dem wackelnden Ölangebot und der zunehmenden Nachfrage.
Der Ölpreis ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen, nachdem Yukos – der größte russische Ölproduzent – mitgeteilt hatte, dass das russische Justizministerium der sibirischen Ölfördertochter von Yukos einen Produktionsstopp verordnet hatte (die russische Regierung will ein paar Milliarden Dollar Steuern von Yukos).
Nach dieser Meldung war der Ölpreis auf ein neues 21-Jahres-Hoch gestiegen. Und auch die Preise für Benzin und Erdgas stiegen zusammen mit dem Erdölpreis.
Seitdem ist der Ölpreis über der Marke von 40 Dollar geblieben. Die Sorge über eine zurückgehende Nachfrage war wohl der Hauptgrund für die steigenden Preise. Derzeit pumpt Yukos nämlich noch 1,6 Millionen Barrel pro Tag aus der Erde, aber diese Produktion könnte bald wegfallen. "Yukos könnte die Öllieferungen nach China einstellen", berichten Bloomberg News, "weil die Gesellschaft keinen Zugang zu ihren Bankkonten mehr hat ... sie hat bis Ende nächster Woche alle Eisenbahnlieferungen bezahlt, die ein Viertel der Produktion der Gesellschaft transportieren."
Hier ist etwas zum Nachdenken: Russland hat in der ersten Jahreshälfte 8,5 % der chinesischen Ölimporte geliefert. Deshalb würde eine plötzliche größere Unterbrechung bei einem so großen Anbieter wie Yukos dazu führen, dass der große asiatische Kunde woanders auf Einkaufstour gehen müsste. Und dann würde der Ölpreis wegen der erhöhten Nachfrage woanders natürlich weiter steigen.
Währenddessen gehen die amerikanischen Ölvorräte zurück. Für die Woche, die am 23. Juli endete, wurde bei den US-Vorräten ein Rückgang von 3,1 Millionen Barrel auf 298,7 Millionen Barrel verzeichnet (Quelle: American Petroleum Institute). Und das obwohl die Importe um 1,4 Millionen Barrel je Tag gestiegen sind. Die Importe betrugen in dieser Woche durchschnittliche 11,3 Millionen Barrel je Tag – das war die erste Woche überhaupt, in der jeden Tag mehr als 11 Millionen Barrel importiert wurden.
Bloomberg News berichten: "Der durchschnittliche Rohölpreis, den die US-Raffinerien im Jahr 1981 bezahlen mussten, lag bei 35,24 Dollar. Das entspricht in Dollar von 2004 fast 73 Dollar."
Aber das könnte nicht noch einmal passieren, oder?