Was machen eigentlich irakische Aktien?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 12. Mai 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Letztens leitete mir mein geschätzter Kollege Tom Firley vom Investor´s Daily (praktisch Pflichtlektüre) die Email eines Lesers von ihm weiter...ob ich dazu „was sagen" könnte. Hier die Email des Lesers:
„Nun hat das Auswärtige Amt eine Internetseite für den Irak gestartet und ich lese darin Interessantes über die irakische Börse. Ich verfüge über eine gewisse Summe des Neuen Irakischen Dinars und frage mich, ob ich nicht einen Teil dort anlegen sollte (wie auch immer das möglich ist, darüber müsste ich mich wohl über die Botschaft orientieren.) Darf ich Sie um Ihre Meinung zum Irak, der irakischen Börse und der Währung dieses Landes bitten?"
Meine Antwort:
Irakische Börse, irakische Währung - davon habe ich nun überhaupt keine Ahnung. Ich wollte dies Tom auch direkt antworten...doch meine Neugier war geweckt. Warum nicht mal ein wenig diesbezüglich recherchieren?
Gedacht, getan. Also zunächst mal die erwähnte Internetseite, welche vom Auswärtigen Amtes gefördert wird, angeschaut (www.wp-irak.de).
Die Seite stellt die wirtschaftliche Situation des Irak durchaus positiv dar. Ich zitiere: „Der irakische Börsenindex schloss das Jahr 2008 laut ISX mit 58.360 Zählern, einem satten Plus von 68 Prozent gegenüber dem Stand zum Jahresbeginn. Zwar sind die Gewinne längst nicht so beträchtlich wie früher unter Saddam Hussein, aber es geht spürbar bergauf. Auch die positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, das im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozentpunkte zulegen konnte, verheißt Gutes. Man blickt hoffnungsvoll ins neue Jahr."
68% Plus im letzten Jahr, das klingt doch schon mal gar nicht schlecht, klar. Da ich jemand bin, der auch schon in China Geld angelegt (und verloren) hat und an Märkten wie Vietnam und Kasachstan interessiert ist, schaue ich mir auch so einen „exotischen" Markt zunächst einmal interessiert und ohne Scheuklappen an.
Doch eins ist wichtig: Liquidität des Marktes! Ich finde: Es muss gewährleistet sein, dass man auch jederzeit wieder rauskommt, wenn man das möchte. Was ich dazu herausgefunden habe:
Naja und in Bezug auf Liquidität gefällt mir die irakische Börse nicht. Überhaupt nicht! Die gesamte irakische Börse bringt es auf einen Tagesumsatz von umgerechnet noch nicht einmal einer Million Euro pro Handelstag. Das ist sehr wenig für eine Aktienbörse.
A propos Handelstag: Der ist gerade mal zwei Stunden lang, und es gibt auch nur 3 Handelstage die Woche. Kursänderungen werden noch handschriftlich auf einer Tafel eingetragen - das wird als „positiv" dargestellt: So sei man bei Stromausfällen nicht betroffen.
Naja. Also so sehr ich den Irakern gönne, dass ihre Unternehmen in Bagdad an der Börse gehandelt werden und die Kurse steigen: Für uns als ausländische Investoren ist das meiner Ansicht nach nichts. Der Markt dort ist einfach zu wenig liquide, und so etwas ist für mich ein „Knock-Out-Kriterium". Und dann kommt auch noch das Währungsrisiko hinzu.
(Doch wenn ein Leser neue irakische Dinar besitzt und diese als „Spielgeld" betrachtet - auch als Ausländer lassen sich irakische Aktien kaufen, auf der etwas frickeligen Internetseite der irakischen Börse wird darüber informiert. Wie gesagt, das ist keinesfalls eine Empfehlung von mir! Hier die Internetseite: http://www.isx-iq.net/)
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel