Was machen eigentlich die DAX-Insider?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 18. November 2009, 14:30 Uhr
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die Top-Manager der deutschen Top-30-Unternehmen kehren allmählich auf das Börsenparkett zurück. Zwar steigen die Insidertransaktionen nur gemächlich und auch die Volumina sind überschaubar, doch nach Wochen ernüchternder Trägheit der deutschen Konzerninsider, ist diese Belebung an sich schon beachtlich. Ich habe Ihnen nachfolgend die wichtigsten Insiderdeals aus dem DAX der vergangenen drei Wochen in einer Tabelle zusammengestellt. Käufe und Verkäufe halten sich dabei ziemlich die Waage.
| Datum | Unternehmen | Name Insider | Stellung | Art | Anzahl | Volumen |
| 10.11. | Deutsche Bank | Martina Klee | Aufsichtsrat | Verkauf | 250 | 12.605 |
| 09.11. | Deutsche Bank | Stuart Lewis | Sonstige Führungsperson | Verkauf | 6.750 | 334.935 |
| 05.11. | Siemens | Berthold Leibinger Familienvermögen Verwaltungsges. GbR | Juristische Person | Kauf | 1.500 | 90.960 |
| 30.10. | Commerzbank | Sulmana Vermögensverwaltung GmbH | Juristische Person | Kauf | 3.000 | 21.034 |
Schauen wir nun mal im Detail auf die einzelnen Transaktionen. Die beiden Verkäufe bei der Deutschen Bank sind beileibe nicht die ersten in diesem Jahr. Seit Februar konnte die Bundesaufsichtsbehörde für den Wertpapierhandel ganze 19 Verkaufsmeldungen von Aufsichtsräten und Führungspersonen der Deutschen Bank registrieren. Die Konzerninsider von Deutschlands größtem Geldhaus veräußerten innerhalb von nur neun Monaten insgesamt 591.791 eigene Aktien im Gegenwert von rund 26,37 Mio. Euro. Da sind die aktuellen Transaktionen zwar nur der Tropfen auf dem heißen Stein, doch es zeigt, dass sich die Tendenz fortsetzt.
Bei Siemens ist Leibinger Trumpf
Bei Siemens ist derzeit ein ganz anderer Name auf der Käuferseite vertreten. Die Berthold Leibinger Familienvermögen Verwaltungsgesellschaft GbR erwarb ein Paket mit 1.500 Siemens-Aktien im Gegenwert von knapp 91.000 Euro. Keine Riesensumme, aber ein Riesenname, der hier dahinter steckt. Berthold Leibinger ist unzweifelhaft eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands.
Von 1978 bis 2005 war er Vorsitzender der Geschäftsführung des Laserspezialisten Trumpf. Heute genau vor vier Jahren übergab Berthold Leibinger den Vorsitz der Geschäftsführung von Trumpf an seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller, die heute auch als Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens tätig ist. Er selbst wechselte als Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Unternehmensgruppe Trumpf. Doch damit nicht genug.
Über sein eigenes Unternehmen hinaus ist Berthold Leibinger in vielfacher Weise regional, national und international engagiert. So ist er unter anderem Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der BASF (vorher Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrates), Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Stuttgart, Ehrenpräsident der IHK Region Stuttgart, Mitglied im Hauptvorstand des VDMA, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e. V. und, und, und...
Hervorgetreten ist Berthold Leibinger jedoch vor allem durch sein gemeinnütziges Engagement. Die 1992 als gemeinnützige Stiftung gegründete Berthold Leibinger Stiftung führt ihre Erträge kulturellen, wissenschaftlichen, kirchlichen und wohltätigen Zwecken zu. Sie schreibt seit dem Jahr 2000 den Berthold Leibinger Innovationspreis für angewandte Lasertechnologie aus. Seit dem Jahr 2006 vergibt die Stiftung zusätzlich den Berthold Leibinger Zukunftspreis für Lasertechnologie.
2009 hat das Handelsblatt Berthold Leibinger in seine "Hall of Fame" aufgenommen. Mit der "Hall of Fame" würdigt die Wirtschafts- und Finanzzeitung eigenen Angaben zufolge Pioniere der Wirtschaft, die sich durch ihr Wirken um das Wohl des Standortes Deutschland verdient gemacht haben. Was für ein symbolträchtiger Insiderkauf ist das also für Siemens.
Commerzbank: Ehrgeizige Insider und ehrgeizige Ziele
Doch auch bei der Commerzbank hat in Insider zugeschlagen. Die beteiligte Sulmana Vermögensverwaltung, die sich erst Ende September von einem Paket mit 3.000 Commerzbank-Aktien getrennt hatte, kauft nun über Xetra-Handel zu 7,01 Euro je Aktie in mehreren Tranchen 3.000 Papiere zurück. Geht die Commerzbank nun also wieder rosigeren Zeiten entgegen?
Die Zahlen zum dritten Quartal fielen gemischt aus: Zwar schrieb die Commerzbank erstmals seit Mitte 2008 operativ wieder schwarze Zahlen, die teuere Integration der Dresdner Bank und Abschreibungen auf die Tochter Eurohypo drückten den Konzern jedoch tief in die roten Zahlen: Nettoverlust 1,05 Mrd. Euro. Zudem summieren sich die erwarteten Kreditausfälle auf 4 Mrd. Euro.
Doch die Commerzbank hat den Ehrgeiz nicht verloren und formuliert seine Ziele deutlich: Vor wenigen Monaten kündigte der neu geschaffene Bankenriese an, im Investmentbanking die Nummer 1 zu werden und damit die Deutsche Bank vom Thron zu stoßen. Nun will der größte Mittelstandsfinanzierer dem großen Konkurrenten auch den Platz an der Sonne in Sachen Vermögensverwaltung abspenstig machen.
Commerzbank-Manger Thorsten Reitmeyer soll gegenüber der "Welt" folgendes geäußert haben: "Wir wollen die Nummer eins im deutschen Wealth Management werden. Fanden sich Commerzbank und Dresdner Bank vorher auf Plätzen zwischen drei und fünf, haben wir zusammen nun die Größe, um den Marktführer anzugreifen. Mit 41 Standorten, speziell für Wealth-Management-Kunden, sind wir bestens aufgestellt." In dieser Sparte werde die Commerzbank, die für das Gesamtjahr mit einem Verlust in Milliardenhöhe rechnet, auch 2009 schwarze Zahlen schreiben.
Es ist also auch abseits des Börsenparketts einiges los bei den deutschen DAX-Konzernen. So macht das Insider-Beobachten Freude.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach