Was machen die reichen? - Auswirkungen und Ausblick für Vermögende!
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 26. August 2008, 16:00 Uhr
Die wirtschaftliche Verlangsamung in den USA zeigte ihre Auswirkungen auch in anderen entwickelten Volkswirtschaften. Dies kam in Form verlangsamter BIP-Zuwachsraten und schwacher Aktienmärkte in Teilen Europas und Asiens zum Ausdruck. Dazu beigetragen hatten drei Hauptfaktoren: eine Abkühlung am Immobilienmarkt, eine straffere Kreditversorgung sowie eine höhere Volatilität und Kursrückgänge an den Aktienmärkten. Diese Folge von Ereignissen hinterließ Spuren bei Konsumenten und Institutionen, indem sie deren Fähigkeit zur Liquiditätserhaltung und zum Betrieb ihrer Geschäfte behinderte.
Niedergang des Immobilienmarktes, Verluste an den Aktienmärkten
Im Einklang mit dem Niedergang des Immobilienmarktes verzeichneten auch die Indizes der REIT (Immobilien-Anlagefonds) weltweit deutliche Verluste. Dies stand im deutlichen Gegensatz zu den im Jahr 2006 erzielten soliden Gewinnen. Die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte zeigte die Divergenz zwischen entwickelten und Schwellenländern eindrücklich auf. So verzeichneten die MSCI-Weltindizes für Europa und die USA in der zweiten Jahreshälfte Rückgänge um 0,1% resp. 3,2%, nachdem sie im ersten Halbjahr noch um 10,4% resp. 6,3% zugelegt hatten. Dies wurde von den MSCI-Weltindizes für die Schwellenländer übertroffen. Zu Beginn des Jahres hatte Lateinamerika maßgeblich dazu beigetragen, während die BRIC-Staaten in der zweiten Jahreshälfte das Zepter führten. Die Verluste an den Aktienmärkten in den entwickelten Ländern hinterließen im zweiten Halbjahr 2007 auch an den Kreditmärkten ihre Spuren. Die wirtschaftliche Abschwächung in den USA forderte über eine massive Abwertung des US-Dollars gegenüber den meisten Währungen weltweit ihren Tribut. So fiel der US-Dollar gegenüber Euro, kanadischem Dollar und brasilianischem Real um 10,5%, 15,8% resp. 17%.
Konsum und Arbeitsmarkt
Seit dem Jahresende 2007 haben sich die wirtschaftlichen Indikatoren in den USA weiter verschlechtert. Hervorzuheben sind hier besonders die verlangsamten Konsumentenausgaben, die weitere Abkühlung an den Immobilienmärkten und ein schwächerer Arbeitsmarkt. Eine durch die wirtschaftliche Verlangsamung der USA ausgelöste Häufung von negativen Entwicklungen an den internationalen Kredit- und Aktienmärkten prägte die Startmonate des Jahres 2008. Schon früh lasteten Befürchtungen bezüglich größerer Wachstumsrisiken in den USA und der weitreichenden Auswirkungen der strafferen Kreditmärkte weltweit schwer auf den globalen Aktienmärkten. Mitte Januar hatten die Verluste an den Aktienmärkten in beinahe allen Regionen die Marke von 10% (Dow Jones Weltindizes, Stand 18.4.2008, Daten von SunGard Power) überschritten. Danach vermochten sich die entwickelten Märkte jedoch wieder etwas zu festigen. Damit verringerten sie die durchschnittlichen Verluste seit Jahresbeginn auf rund 4%. Die Märkte der Schwellenländer haben dagegen die erlittenen Verluste völlig aufgeholt und verzeichneten per Mitte April im Mittel gar Nettozuwachsraten (Dow Jones Weltindizes, Stand 18.4.2008, Daten von SunGard Power).
Übergang zu sichereren und vertrauteren Anlagen
Das divergierende makroökonomische Umfeld Anfang und Ende 2007 leistete seinen Beitrag zur Festlegung der strategischen Vermögensallokation der HNWI. In den ersten Monaten des Jahres 2007 ließ sich erkennen, dass die HNWI - gestützt auf den Optimismus des Jahres 2006 - bereit waren, stark auf risikoträchtige Anlagekategorien zu setzen. Je weiter das Jahr jedoch voranschritt und je deutlicher die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die wirtschaftliche Unsicherheit erkennbar wurden, desto stärker begannen sie sich zurückzuziehen und ihre Vermögenswerte in sicherere und weniger volatile Anlagekategorien zu verlagern.
Der World Wealth Report kommt zur Erkenntnis, dass der Anteil der Anlagekategorien Bargeld/Depositen und festverzinsliche Werte per Ende 2007 44% des Finanzvermögens der HNWI betrug und damit gegenüber 2006 um 9 Prozentpunkte angestiegen ist. Der Anteil der festverzinslichen Werte verzeichnete dabei eine Zunahme um 6 Prozentpunkte von 21% im Jahr 2006 auf 27% im vergangenen Jahr.
Weltweit reduzierten die HNWI auch weiterhin ihre Vermögenswerte in Nordamerika und interessierten sich verstärkt für Anlagen in ihrem heimischen Umfeld. Damit gaben sie angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheit dem Vertrauten den Vorzug.
Grüne Anlagen steigern ihre Attraktivität
Aufgrund des gestiegenen Interesses für Umweltfragen weltweit haben grüne Anlagen in den letzten Jahren rund um den Erdball an Popularität gewonnen. Sie bieten den Anlegern lukrative Renditen und die Möglichkeit, sich selbst aktiv sozial verantwortlich zu engagieren. Eine große Zahl von Anlagevehikeln, über die grüne Initiativen unterstützt werden sollten, führte in den grünen Sektoren im Jahr 2007 zu einem soliden Wachstum. Zu diesen Anlagevehikeln zählen Anlagefonds, ETF und andere gepoolte Produkte oder alternative Anlagen. So stiegen beispielsweise die Gesamtanlagen im Bereich der sauberen Technologie gegenüber 2005 um 41% auf 117 Milliarden US-Dollar. Ein ausgeprägtes Wachstum war insbesondere im Bereich Wind- und Sonnenenergie festzustellen.
Die HNWI und Ultra-HNWI im Nahen Osten und in Europa zeigten 2007 die umweltfreundlichste Einstellung, indem rund 17% bzw. 21% von ihnen in grüne Anlagen investierten. Im Vergleich dazu setzten in Nordamerika nur rund 5% der HNWI resp. 7% der Ultra-HNWI einen Teil ihres Portfolios für grüne Investments ein. Nordamerika war auch die einzige Region, in der die gesellschaftliche Verantwortung als Hauptmotiv für grüne Anlagen bezeichnet wurde. Unter den übrigen HNWI weltweit verwiesen rund die Hälfte auf die erwarteten Renditen als Hauptgrund für derartige Investments.
Angesichts der Tatsache, dass es um die Nachhaltigkeit in der Zukunft geht, sagt der World Wealth Report einen weiteren Anstieg grüner Investitionen voraus.
Ausblick
Trotz erhöhter Unsicherheit hinsichtlich des kurzfristigen weltweiten Ausblicks dürften die nach wir vor starken Fundamentalfaktoren in den Schwellenländern zu einem weiterhin hohen Wachstumstempo beitragen. Der Ausgleich zwischen der Stärke in den Schwellenländern und der Erholung in den entwickelten Ländern wird wahrscheinlich während des ganzen Jahres 2008 anhalten. Kurzfristig könnte der Ausblick angesichts von potentiellen Risikoaspekten Schwankungen ausgesetzt sein.
Im Großen und Ganzen hat die Weltwirtschaft zwei maßgebliche Hindernisse zu überwinden: Wachstumshemmnisse in den entwickelten Volkswirtschaften und hohe Inflationsrisiken in den Schwellenländern. Die Wachstumsaussichten für den Bereich der weltweiten HNWI hängen stark davon ab, wie gut die damit zusammenhängenden Herausforderungen bewältigt werden. Auf der Grundlage der Performance im Jahr 2007 und der jüngsten Entwicklungen an den Weltmärkten geht der Report davon aus, dass sich das Gesamtfinanzvermögen der HNWI bis zum Jahr 2012 auf 59,1 Billionen US-Dollar erhöhen wird, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7,7% entsprechen würde.
Fazit
Aus meiner Sicht sind die Auswertungen und Erkenntnisse des World Wealth Reports von Cap Gemini und Meryll Lynch mittlerweile zur absoluten Pflichtlektüre für jeden Vermögensberater, oder auch vermögenden Privatanleger geworden.
Den kompletten Report (englisch, 2MB, PDF) finden Sie unter folgendem Link: World Wealth Report 2008
Ihr
Markus Miller