Was Jim Rogers zur chinesischen Währung sagt
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 26. Juli 2005 16:00 Uhr
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Es ist Tagesgespräch ... China wertete vor wenigen Tagen seine Währung auf und löste sie von der starren Dollar Bindung. Wohl kaum einer kann das besser kommentieren, als Börsenlegende Jim Rogers ...
Falls Sie es nicht wussten: Jim Rogers verdiente für seine Anleger in 10 Jahren den 40fachen Einsatz und setzte sich dann zur Ruhe. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass er das in den 70er Jahren schaffte, wo Aktien überhaupt nicht liefen.
Ich traf Jim zum ersten mal auf einem privaten Dinner in New Orleans Mitte der 90er Jahre. Wir saßen den ganzen Abend nebeneinander und unterhielten uns über Investmentideen – allerdings konnten meine nicht mit seinen konkurrieren. Als Autor der Bestseller "Investment Biker" und "Adventure Capitalist", hat Jim sich mehr mit Investments beschäftigt als jeder andere auf der Welt.
Wir telefonierten Anfang des Monats mit Jim in Shangai, wo er Appartments ansieht. Sein neuestes Buch "Rohstoffe – der attraktivste Markt der Welt" ist derzeit top aktuell. Unser Kollege Jay Livingston fragte Jim zum Beispiel über Dinge wie Rohstoffe und die Aufwertung des chinesischen Yuan. Wir veröffentlichen heute einen Teil seiner Ansichten zu China ...
Investment U: Sprechen wir über China. Sie sind gerade in Shanghai. Wollen Sie von New York wegziehen?
Jim Rogers: Das ist einer der Gründe. Wir überlegen uns, in eine chinesische Stadt zu ziehen. Und Shanghai steht hier derzeit ganz oben auf der Liste. Unser Kind wächst zweisprachig auf. Wir haben ein 25 Monate altes Mädchen. Wir haben für sie ein chinesisches Kindermädchen engagiert, das mit dem Baby nur in der chinesischen Hochsprache Mandarin sprechen soll.
So wächst sie wirklich zweisprachig auf, mit gerade einmal 25 Monaten. Und wir machen alles um es zu fördern. Es bringt nichts, wenn man in diesem Alter zweisprachig aufwächst und nicht dran bleibt. Man vergisst sonst alles wieder was man gelernt hat bis man 25 oder sogar nur 12 Jahre alt ist.
Es sind einige aufregende Dinge los in China und in den chinesischen Regionen. Und selbst wenn es nicht richtig sein sollte, dass ich dem Kind Chinesisch beibringe, und selbst wenn China nicht das nächste Mega-Land auf der Welt wird – es gibt auf jeden Fall rund 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt, die chinesisch sprechen. Deshalb ist es auf keinen Fall völlig umsonst. Es ist nicht so, wie wenn ich ihr dänisch oder so etwas ähnliches beibringen würde. Denn es gibt nur 7 Millionen Menschen, die dänisch sprechen.
IU: In Ihrem Buch schreiben Sie darüber, dass Chinas Währung, der Yuan bzw. Renminbi, gegenüber den anderen Währungen flexibel sein sollte und nicht, dass sie wie bisher an den Dollar gekoppelt sein sollte. Wann sollten die Chinesen den Yuan freigeben und was könnte dann passieren?
Jim Rogers: Die Chinesen sind dabei die Währungsrelation immer mehr zu lockern. Zum Beispiel dürfen chinesische Investoren auch im Ausland investieren. Chinesen bekommen jetzt ganz einfach einen Reisepaß ... Und sie können glaube ich, auf eine Reise bis zu 6000 $ mitnehmen. Das ist der Anfang eines riesigen chinesischen Tourismusbooms.
Sie machen sehr kleine Schritte auf dem Weg hin zur völlig flexiblen Währung. Das wird dann 2007 nach den Handelsabkommen so sein – wie Sie wissen, sind die Chinesen der WTO beigetreten. Und 2008 finden im Land die olympischen Spiele statt. Deshalb werden sie sicher nicht nur herumsitzen und mit ihren starren Währungsrelationen Däumchen drehen.
Die Folgen der flexiblen Währungsrelationen? Wer kann das schon genau sagen? Ich bin sicher, es gibt unerwartete Folgen. Es gibt sie immer, wenn ein Ereignis seinen Schatten soweit voraus wirft.
IU: Würden Sie jetzt auf den möglichen Anstieg des Yuan spekulieren? Einige rechnen damit, dass er abschießt wenn er freigegeben wird.
Jim Rogers: Ich weiß, dass hunderte von Milliarden Dollar nach China geflossen sind um vom Anstieg der Währung zu profitieren. Zuerst einmal, immer wenn so etwas geschieht, würde es mich nicht überraschen, wenn der Renminbi sogar für eine Weile lang fallen würde. Denn die ganzen Leute, die mit hunderten von Milliarden in China spekulieren, müssen ja irgendwie wieder rauskommen.
Aber mir ist es egal ob die Währung am Anfang steigt oder fällt. Ich kaufe mir selbst einen größeren Posten. Denn längerfristig wird der Renminbi eine große und wichtige Währung.
Es gibt hunderte Milliarden Dollar, die auf den Renminbi spekulieren. So etwas macht mir immer Sorgen. Deshalb weiß ich, dass es einige Überraschungen geben wird. Ich wünschte nur, ich wäre klug genug, um die Folgen und den Zeitpunkt genau vorher zu sehen.
IU: Ist eine harte Landung der Konjunktur in China irgendwann tatsächlich unvermeidbar, wie Sie es in Ihrem Buch behaupten?
Jim Rogers: Ich weiß nicht, ob ich es ganz genau so gesagt habe ... Aber bei Immobilien gab es die größte Spekulation. Und dort rechne ich mit einer harten Landung bei den Preisen. Das wird natürlich Auswirkungen haben. Es wird auch noch andere Leute geben, die darunter leiden werden. Das denke ich auf jeden Fall.
Ich glaube, einige Bereiche der chinesischen Volkswirtschaft werden nie mitbekommen, dass es bei Immobilien in Shanghai eine harte Landung gibt, oder dass eine Hand voll Immobilienspekulanten in Peking pleite gegangen sind. Die Leute, die Kohle fördern oder Kraftwerke bauen, werden nicht mitbekommen, dass es in anderen Teilen der chinesischen Volkswirtschaft eine harte Landung gibt.
Ich rechne damit, dass es sicher mit Immobilien oder etwas anderem losgehen wird und dann größere Kreise ziehen wird ... Aber einige Teile der Wirtschaft werden es nie mitbekommen.
IU: Rechnen Sie mit einer Konsolidierung bei Rohstoffen, falls es in China eine harte Landung der Wirtschaft gibt?
Jim Rogers: Ja. Irgend etwas wird die Konsolidierung bei den Rohstoffen verursachen. Wir hatten in allen Bullenmärkten in der Vergangenheit eine Konsolidierung – egal in welcher Asset-Klasse. In jeder Akteinhausse gab es immer wieder Konsolidierungsphasen.
Ich wäre wirklich gerne klug genug, um Ihnen genau zu sagen, was es auslösen wird und wann. Aber ich kann es nicht. Es ist ziemlich sicher für mich, dass dann, wenn wir plötzlich im Wall Street Journal von einem Aufstand in China lesen, die Rohstoffpreise korrigieren werden. Aber dass wäre dann eine Chance um Rohstoffe zu kaufen.
Wie Sie wissen gab es in den 80er und 90er Jahren einige starke Korrekturen am Aktienmarkt. 1987 fielen Aktien in einigen Monaten um 35-40 %. Aber die Leute, die wussten, dass das eine normale Erscheinung in einem Bullenmarkt ist, kauften noch mehr Aktien. Sie bekamen keine Panik und verkauften nicht.
Ähnlich konnten Sie 1994 oder bei jeder anderen Korrektur während des langen Bullenmarktes viel Geld machen. Also, wenn Sie diese Schlagzeilen im Wall Street Journal lesen, dann rate ich Ihnen dringend, so viel Rohstoffe zu kaufen, wie Sie können. Vermutlich steigen Sie dann auch groß in China ein. Aber kaufen Sie auch so viel Rohstoffe, wie Sie können.
IU: Also wenn China abkühlt oder wenn es einen Crash gibt, würde dass eine riesige Kaufgelegenheit für Investments in China und für Rohstoffe sein?
Jim Rogers: Bei Rohstoffen ja ... vor allem bei den Rohstoffen, aber auch im Fall China.
Aber wie es genau kommt, kann ich nicht sagen ... Wenn plötzlich die Vogelgrippe in Europa grassiert, dann rechne ich damit, dass die Volkswirtschaften der Welt einen Rückschlag erleiden und sich die Menschen beunruhigen. Rohstoffe werden dann für eine Weile abkühlen. Wenn Fannie Mae pleite geht, erschreckt das die Menschen. Wenn China mit Taiwan einen Krieg beginnt erschreckt das ebenso die Menschen.
Irgendetwas wird die Konsolidierung verursachen. Aber dann müssen Sie kaufen, nicht verkaufen.
Nächste Woche lesen Sie mehr über Jim's Erwartungen ... speziell, wo er die größten Gewinnchancen in den nächsten Jahren sieht.
Übrigens – das Buch "Rohstoffe – der attraktivste Markt der Welt", von Jim Rogers, erscheint in Deutschland im FinanzBuch Verlag in München, Tel. 089-651-285-0.