Was ist eigentlich….die österreichische Schule?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 2. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Letzten Donnerstag schrieb ich hier im Trader´s Daily unter anderem:
"Wir bodenständige Mitglieder der Traders Daily-Gemeinde (die Theorie und Praxis kombinieren und in beiden Welten leben) wissen es besser."
Zur Praxis schreibe ich an dieser Stelle „jede Menge"...in der Absicht, Ihnen beim Thema Finanzen Nutzwert zu liefern, den Sie konkret anwenden können. Ich lebe in der Hoffnung, dass mir dies zumindest von Zeit zu Zeit gelingt.
Zur Theorie: Da scheint hoffentlich durch, dass ich volkswirtschaftlich keineswegs mit der herrschenden Ansicht übereinstimme.
Was wird denn aktuell mit dieser herrschenden Ansicht alles durchgeführt?
- Kauf von Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld,
- Abwertung der eigenen Währung als Ziel,
- Inkaufnahme von Inflation (sogar der IWF-Chefvolkswirt hat gerade öffentlich geäußert, statt 2% Inflation könnten es doch auch mal 4% sein, sei doch kein Beinbruch.)
Da schüttelt es mich.
(Allerdings nur bildlich gesprochen.)
Stattdessen halte ich für richtig:
- Strikte Zurückhaltung der Zentralbank in Bezug auf Finanzierung des Haushaltsdefizits.
- Stabilität der eigenen Währung als Ziel.
- Förderung einer gesunden Sparquote. Wenn der Staat in schlechten Zeiten Schulden machen muss, dann am besten via Anleihen, die bei den eigenen Bürgern platziert werden. So bleiben die Zinszahlungen wenigstens im Land. (In Japan wird das so gehandhabt, in den USA fast gar nicht.)
- Geldmenge sollte nur so stark steigen, wie die Menge an Gütern und Dienstleistungen.
*** Mit solchen Ansichten brauche ich mich bei Volkswirten der „herrschenden Schule" gar nicht vorzustellen.
Es gibt allerdings eine Nische in der Volkswirtschaftslehre, welche dies wie ich sieht. Nein, anders herum ist es richtig: Ich sehe das wie diese Gruppe.
Dabeihandelt es sich um die sogenannte „österreichische Schule". Die ist natürlich keineswegs „sexy". Statt einer Politik des leichten Geldes, Zinssenkungen, Kauf von Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld...
...sagt diese österreichische Schule im Grunde: Von nichts kommt nichts (rheinisch: Von nix kütt nix). Wer gesundes Wirtschaftswachstum will, der braucht Ersparnisse. Daraus werden dann Investitionen finanziert, dadurch wächst die Produktion, dann auch die Einkommen etc. Reichtum muss erarbeitet werden.
Entsprechend „sexy" hingegen die „herrschende Meinung", die schnellen Reichtum und eine Politik des leichten Geldes verspricht. Und sich dabei teilweise auf John Maynard Keynes beruft.
Meine Position habe ich nun klargemacht.
Und nun noch ein Link zu einem „schönen Musikvideo", nämlich ein „Rap" (sonst ganz sicher nicht meine Musik!) von Keynes gegen Hayek. Mein Dank geht an Trader´s Daily-Leser Oliver W. für den Hinweis darauf.
Friedrich August von Hayek war ein prominenter Vertreter der „langweiligen" österreichischen Schule. Er wurde 1899 und damit zu Zeiten des Kaisers Franz-Josef (er ruhe in Frieden) in Wien geboren, starb 1992 in Freiburg im Breisgau (was übrigens auch einmal zu Österreich gehörte).
Wenn Sie Englisch verstehen und an der Thematik interessiert sind, dann freuen Sie sich vielleicht genauso wie ich über dieses Video. Hier der Link:
http://www.youtube.com/watch?v=d0nERTFo-Sk
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
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