Was ist eigentlich ein "Dark Pool"?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 2. September 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
bevor ich zum Inhalt der heutigen Ausgabe komme, möchte ich einen Fehler meinerseits berichtigen, der sich in der Ausgabe vom Montag (also vorgestern) leider eingeschlichen hat. In dem Teil, in dem ich über P&F-Preisziele spreche, muss es natürlich durchgehend "vertikales Preisziel" heißen und nicht "horizontal"...
Alexander Hahn
P.S:
Wenn Sie einmal wissen möchten, mit welchen "hochwichtigen" Ideen sich eine ganze Reihe von EU-Politikern in diesen krisengeplagten Zeiten befasst, dann empfehle ich dringend diesen Link... Bei solchen Dingen sind beschönigende Formulierungen m.E. inzwischen fehl am Platz, daher verzichte ich aus juristischen Gründen an dieser Stelle auf einen adäquaten Kommentar.
Ich danke Herrn Manfred Leimer für die Zusendung der heutigen (großmütterlichen) Weisheit, in der m.E. viel Wahrheit liegt, da bisher keine Papierwährung dauerhaft überlebte. Eine Tatsache, die heutzutage nur zu gerne vergessen und von den Fiat-Money-Apologeten verdrängt wird...
Irgendwann Bub, wird auch dieses Papiergeld nix mehr wert sein.
Liebe Leser,
woran denken eigentlich Sie, wenn Sie den Begriff „Dark Pools" hören? An feucht-fröhliches, illegales Mitternachtsschwimmen im Freibad? Oder gar an Horrorfilme a la "Das Biest aus der Tiefe"? Eventuell ist einigen von Ihnen ja der Ausdruck genauso neu, wie es vor wenigen Monaten auch der Begriff „High Frequency Trading" war? Wenn ja, dann ist es definitiv an der Zeit, heute einmal einen etwas genaueren Blick auf die sog. „Dark Pools of Liquidity" zu werfen.
Was ist ein "Dark Pool"?
„Dark Pools" sind im Grunde genommen nichts anderes als außerbörsliche Handelsplattformen großer Investmentbanken, Broker und sogar einiger Börsen. Um zu verstehen, warum die „Dark Pools" überhaupt ins Leben gerufen wurden, sollten wir uns zuerst einmal mit deren Funktionen vertraut machen.
„Dark Pools" erlauben es den Käufern und Verkäufern bei den jeweiligen Transaktionen anonym zu bleiben. So können große Institutionen eine große Anzahl an Aktien bewegen, ohne dass dies für Außenstehende (damit ist auch die Börsenaufsicht gemeint) ersichtlich wäre.
Weiterhin werden mittels sog. „Crossing Networks" verschiedene, aber gleichartige Kundenaufträge zusammengeführt, um so das Weiterleiten an externe Börsen zu verhindern und stattdessen innerhalb des „Dark Pools" die Order zu bedienen. Die Anbieter solcher „Dark Pools" sparen dadurch einen Großteil der eigentlichen Kauf/ Verkaufs- sowie Börsenhandelsgebühren ein. Da die Betreiber der Pools diese Kostenvorteile auch an ihre Endkunden weitergeben, zählen zu diesen vor allem institutionelle Investoren, Hedge-Fonds und andere Investmentbanken.
Sind "Dark Pools" problematisch?
„Bis hierhin gibt es doch eigentlich nichts an Dark Pools auszusetzen", wird sich der eine oder andere von Ihnen vielleicht gerade denken. Aber warum beschuldigte dann die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro, im Juni 2009 die Dark Pools, dass diese verschiedene Spekulationen und das Misstrauen förderten? Und warum ist der „Top-Trading"-Direktor der SEC besorgt über die mangelnde Regulierung dieser Pools?
Wer in den letzten Monate aufmerksam die Handelsumsätze an den US-Märkten beobachtet hat, wird festgestellt haben, dass diese teils äußert schwach für solch volatile Marktphasen waren. Nun kann es dafür zwei Begründungen geben.
- Der Ausverkauf im März 2009 sowie der rasante Anstieg der Börsen seitdem wurde von niedrigen Umsätzen begleitet. Anscheinend waren die großen institutionellen Händler sowie die Privatanleger insgesamt kaum investiert. Oder aber:
- Ein immer größer werdender Teil der Handelsvolumina wird nicht mehr über den offenen Markt, d.h. über die Börsen direkt abgewickelt, sondern über die „Dark Pools".
Diesen Verdacht äußerte auch indirekt James Brigagliano von der Börsenaufsicht: "I'd like to give you specific statistics on the trading volume [of dark pools], but there's very little reliable public information on dark-pool trading activity."
„Ich würde Ihnen gerne spezifische Statistiken über das Handelsvolumen der Dark Pools geben, aber es gibt so gut wie keine verlässlichen, öffentlichen Informationen über deren Handelsaktivitäten"
Weiterhin befürchtet Brigagliano, dass die außerbörslichen Umsätze über die "Dark Pools" der Börse die notwendige Liquidität entziehen könnten. Auch ein Ansteigen der kurzfristigen Marktvolatilität ist für den SEC-Mann mehr als wahrscheinlich.
Schätzungen von Rosenblatt Securities zufolge werden bereits heute knapp 8,2% des gesamten US-Börsenhandelvolumens über die "Dark Pools" abgewickelt. Laut Rosenblatt wurden alleine im Juni 2009 788 Millionen Anteile über die Pools gehandelt.
Wen wundert es da noch, dass ausgerechnet die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs (GS) mit ihrer Handelsplattform „Sigma X" den größten Dark Pool (gemessen am Ordervolumen) betreibt.
Mit Sicherheit wickelt GS einen Großteil seines „High Frequency Tradings" über den eigenen Pool „Sigma X" ab. Mein Kollege Martin Hutchison schrieb dazu letzte Woche an dieser Stelle:
Während es illegal ist, Insiderwissen über die finanzielle Situation einer Firma zu nutzen, um davon zu profitieren, haben diese Leute eine neue Form des Insider-Tradings für sich entdeckt, nämlich basierend auf dem Orderfluss des Markts. Auf diese Weise machen Goldman Sachs und die andere großen Finanzhäuser so viel Gewinne beim Traden.
Man kann nur hoffen, dass die SEC neue Regulierungsvorschriften für den außerbörslichen Handel verabschiedet, denn die ursprüngliche Funktionsweise der Börse gerät immer mehr ins Hintertreffen. Mit "High-Frequency Trading"-Methoden überlässt man den Computern die Märkte. "Dark Pools" laden ein, sich Regulierungen zu entziehen, und stehlen mit großer Wahrscheinlichkeit der Börse Stück für Stück immer mehr Liquidität. Was ist eigentlich aus dem Grundgedanken der Börse (z.B. als Beschaffungsplatz für neues Firmenkapital) geworden? Immer weniger der gute Analyst oder Trader sondern der eigentlich fachfremde Physiker oder Mathematiker wird heutzutage bei Firmen wie Goldman Sachs eingestellt. Was wohl Trader-Ikonen wie Jesse Livermore zu solchen Entwicklungen sagen würden?
Einen Lichtblick bietet wenigstens die „Deutsche Börse AG". Im Gegensatz zu den anderen großen Börsenbetreibern in Europa plant sie wegen ihres „Neutralitätsanspruchs" kein "Dark Pool"-Angebot.
Die Frage ist wie lange... Es dürfte interessant bleiben zu verfolgen, welche neuen Regeln für "Dark Pools" ggf. auf den Weg gebracht werden.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Damian Polotzek (04.09. 2009 11:45 Uhr):
Lieber Herr Hahn! Es ist unglaublich was da so abläuft, es ist aber gut wenn man das weißt da läuft man nicht mehr so ahnungslos durch die Welt. Danke
Antworten