Was ist dran an der Jahresendrally?
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 01. Dezember 2005 16:00 Uhr
ENL5454
Sicher kennen Sie die alte Börsenweisheit "Sell in may and go away". Danach sollen Anleger im Mai ihre Aktien verkaufen und in Urlaub fahren.
Der Hintergrund für diesen Tipp leuchtet ein: In den Sommermonaten zwischen Juni und August fahren viele Fondsmanager und Analysten in Urlaub, auch die Manager in den Unternehmen machen Ferien. Der Nachrichtenfluss aus den Firmen ist dünn. Die Kurse dümpeln vor sich hin oder fallen sogar. Deshalb der pauschale Rat: Im Mai verkaufen und erst mal Ferien machen.
Können Sie an der Börse zwischen Dezember und Januar immer verdienen?
Auch für Dezember gibt es Ratschläge altgedienter Börsianer. Nämlich den Hinweis auf die Jahresendrally. Sie als Anleger sollen deshalb etwa ab November Aktien kaufen. Denn die Kurse würden historisch betrachtet bis Jahresende oft steigen.
Ein wichtiges Thema. Denn wenn es stimmt, dass die Kurse regelmäßig und zuverlässig in den letzten Wochen vor Jahresende steigen, könnten Sie als Anleger damit ja dick verdienen.
Also was ist dran an der Jahresendrally? Ich habe mir für Sie einmal die die Daten des Deutschen Aktienmarktes der vergangenen 45 Jahre angesehen.
Die Zahlen konkret: Seit 1960 stand der DAX am 1. Januar in 25 Jahren höher, als am 1. Dezember, 1 mal war der Punktestand unverändert, in 19 Jahren gab es einen Kursrückgang.
Mir ist beim Durchforsten der Zahlen aufgefallen, dass die Kursrückgänge verhältnismäßig niedrig waren. So gab es das höchste Minus mit 8,1 % im Jahr 2002/2003. Deutlich besser sieht es bei einem Kursanstieg zum Jahresende aus: Gleich 5 mal konnte der DAX zwischen Dezember und Januar mehr als 10 % zulegen.
1,6 % Plus im Durchschnitt
Wie Sie wahrscheinlich vermuten – den höchsten Gewinn gab es 1999/2000 mit Plus 13,8 % in nur einem Monat. Insgesamt lag der durchschnittliche Kursgewinn zwischen Dezember und Januar in den 45 Jahren bei 1,6 %. Im Durchschnitt gesehen, hätten Sie also gut verdient.
Als Gründe für das vergleichsweise gute Abschneiden zum Jahresschluss wird oft die hohe Liquidität der Anlegern am Jahresende gennant. Viele bekommen Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen. Sparverträge laufen aus. Sie können das Geld dann entweder für Weihnachtsgeschenke ausgeben, oder wieder neu anlegen. Viele kaufen dann eben Aktien.
Übrigens – wie es in den USA mit der Weihnachtsrally läuft, hat mein Kollege Mark Skousen für Sie weiter unten auseinanderklamüsert.
Tipp:
1) Ob es in diesem Jahr eine Dezemberrally und anschließenden Boom Anfang 2006 gibt, kann niemand sicher vorhersagen. Auf jeden Fall stimmt das Umfeld: Die Gewinne der deutschen Unternehmen steigen kräftig, die Bewertung des DAX hält sich noch in Grenzen. Das erwartete 2006er KGV des deutschen Leitindex liegt derzeit bei etwa 13, die erwartete Dividendenrendite für 2005 liegt bei überdurchschnittlich hohen 2,5 %.
2) Ich habe mir auch einmal den Jahrtausendboom 1999/2000 angesehen. Der Boom ist jetzt 6 Jahre her. Es ist unglaublich, wie die Aktien damals abgingen. Alleine in den 5 Wochen zwischen Ende Januar 2000 und Anfang März 2000 legte der DAX 18 % zu.
Den höchsten Anstieg gab es am 7. Januar mit Plus 4,7 %. Die reine Kaufpanik. Eine typische Psychofalle. Um so höher das Kursniveau um so mehr Leute steigen ein. Sie wollen eben nichts verpassen, laufen den Kursen hinterher und zahlen fast jeden Preis für die Aktien. Das gilt vor allem für Anleger, die noch nicht investiert waren, oder überhaupt noch nie etwas mit Börse zu tun hatten.
Das sollten Sie vermeiden: Springen Sie nicht mehr auf einen fahrenden Zug auf, wenn die fundamentalen Daten nicht mehr stimmen.