Was ist die Convenience Yield?
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 25. Oktober 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Bisweilen wird der „physische Besitz von Rohstoffen“ höher bewertet als ein „Finanzkontrakt auf Rohstoffe“; natürlich kann es sich auch umgekehrt verhalten. Diese Bewertungen ergeben sich aus der von Produzenten und Konsumenten individuell erlebten Convenience Yield .
So wird der physische Besitz von Rohstoffen, fortlaufend in Abhängigkeit der Knappheiten, Lagerfähigkeit oder Verderblichkeit und der Reproduktionszeit neu bewertet.
Aufgrund der gegebenen Risiken, versuchen Produzenten und Konsumenten ihre Risiken abzusichern.
Als Beispiel mag ein knapper Rohstoff dienen. Die Convenience entsteht durch die Einlagerung. Der physische Besitz des Rohstoffs wird höher bewertet. Dies führt dazu, dass die Konsumenten den Rohstoff unmittelbar zu Spotpreisen kaufen. Das heisst also die Spotpreise liegen über den Futurespreisen. Hier entsteht eine Backwardation.
Das andere Beispiel umfasst einen verderblichen Rohstoff. Die Convenience entsteht, wenn kein Lager gehalten werden muss. Der Finanzkontrakt auf Rohstoff wird höher bewertet. Das führt dazu, dass Konsumenten den Rohstoff als Terminkontrakt zu Futurespreisen kaufen. Das heisst, die Spotpreise liegen unter den Futurespreisen. Hier entsteht also ein Contango – Situation.
Auch dies sind alles Theorien. Doch sie sind durchaus auch begründbar. Sehen wir uns den Weizenmarkt an. An der CBOT steht der Dezember 2006 Kontrakt bei 5,28 US Dollar pro Scheffel. Der kontrakt für März 2007 bei 5,37 US Dollar. Der aktuelle Spotpreis liegt bei 5,17 US Dollar pro Scheffel. Dies ist eine Contango – Situation. Betrachtet man nun allerdings die Preise für die Kontrakte nach März, so erkennt man eine neuerliche Backwardation.
Aufgrund dieser Situation ist folglich anzunehmen, dass die Preise für Weizen im Futures Markt wieder ansteigen könnten, denn eine Backwardation – Situation ruft natürlich wieder Konsumenten auf den Plan, die nicht nur zu Spotpreisen kaufen, sondern auch die billigeren Futures – Kontrakte aufkaufen. Dieses Szenario kann sich dann allerdings wieder in eine Contango – Situation bewegen.
Sie sehen, liebe Leser, es ist ein ewiger Circulus Vitiosus. Obwohl es gar nicht schwer ist sich eine der Optionen ( Long , short in den Futures oder Roll – Over ) auszusuchen. Dennoch die Terminmärkte erfordern wesentliche Aufmerksamkeit und grosses Einfühlungsvermögen.
Die hier vorgestellten Punkte sind nur einige wenige, aus dem grossen Universum der Futures – Kontrakte und Rohstoffe. Aus Platzmangel ist es mir leider auch nicht möglich alle Erkenntnisse, welche Prof. Zimmermann und Dr. Markert vorstellten an dieser Stelle wiedergeben. Aber ich werde im Weiteren immer wieder einmal Stellung zu ihren Positionen beziehen.
So verbleibe ich mit Wünschen für eine Gute Nacht ……bis morgen.
Andreas Lambrou