Was ich am Wochenende erlebt habe ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 27. September 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Ich hoffe, Sie hatten ein gutes Wochenende!
Da die neue Woche relativ ruhig beginnen dürfte (siehe "Heute anstehende Termine"), fühle ich mich frei, Ihnen heute einfach mal von meinem Wochenende zu berichten. (Auch auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen). Ich werde versuchen, dabei zumindest einen Bezug zum Thema "Wirtschaft" herzustellen!
Also: Am Samstag zog ich mit einigen Freunden los. Zunächst ging es auf einen Mittelaltermarkt in einem Städtchen in der Umgebung, danach waren wir zu einer "Brennereibesichtigung" eingeladen. Zwischen Marillenschnaps und Kirschwasser kamen wir mit anderen Teilnehmenden ins Gespräch. Thema "Hartz IV". Ein anwesender Handwerksmeister berichtete von seinem Vater, der gerade mit Ende 50 seinen Arbeitsplatz als Angestellter verloren hatte. Nach über 35 Jahren im gleichen Betrieb. Er würde verzweifelt versuchen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, aber in dem Alter könne er das knicken.
Ein anderer mischte sich ein: Von der "Stütze" lasse es sich doch gut leben, man könne doch nebenbei noch was "schwarz schaffen". So würde er das handhaben, er sei Handwerker. Und "seit Jahren" arbeitslos, und es würde ihm sehr gut gehen.
Der Handwerksmeister hakte nach ... welches Handwerk etc. Dabei stellte sich heraus, dass er dem Arbeitslosen einen Job verschaffen konnte, in einer Nachbarstadt.
Die Reaktion des Arbeitslosen war für mich völlig unverständlich: Anstatt erfreut darauf einzugehen, meinte er sinngemäß: "Ach, wegziehen will ich aber nicht. Hm, falls doch: Dann müssten Sie mir aber vorab eine Wohnung in diesem Ort verschaffen. Und die darf auf keinen Fall mehr als XX kosten! Und eins sage ich Ihnen gleich: Unter netto XX pro Stunde schaffe ich auf keinen Fall, damit das klar ist."
Es dürfte klar sein, welchem der beiden Arbeitslosen unsere Sympathie galt ...
*** Am Sonntag ging ich alleine (nicht ganz, denn die Nachwirkungen der Brennereibesichtigung begleiteten mich) auf den örtlichen Friedhof, denn dort gab es im Rahmen des bundesweiten "Tag des Friedhofs" ein Konzert in der Friedhofskapelle. Das war schaurig-schön morbide (was mich immer irgendwie anzieht). Und es schadet nie, wenn ich mir von Zeit zu Zeit klar mache, dass ich mich nicht zu sehr über tricksende Emittenten, nordamerikanische Kollegen, arrogante Vorstände und pushende Börsenbriefe aufregen sollte. Es gibt Wichtigeres im Leben!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Michael Vaupel