Was hoch steigt ...
Von Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Mai 2006 07:30 Uhr
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Bremo Bluff ist ein kleiner Ort in Virginia, USA, in dem nicht viel passiert. Es ist wenig mehr als eine Kurve in der Straße; Bremo Bluff liefert wenig Ablenkung, weshalb die Einwohner viel Zeit zum Nachdenken haben. Deshalb dachte einer seiner Einwohner mit viel Zeit, der Militärhistoriker Bevin Alexander, darüber nach, wie der Zweite Weltkrieg anders hätte ausgehen können.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten die Franzosen auf dem Papier die stärkste Armee Europas. Aber ihre Taktik war 20 Jahre veraltet. In der Kriegführung hatte eine neue Ära begonnen, und nur eine Handvoll Militärs, meistens in der Wehrmacht, hatte das realisiert. Wären die Franzosen nicht solche Sturköpfe gewesen, so könnte man sagen, dann hätte sich der Zweite Weltkrieg niemals so entwickelt, wie er es getan hat. Die Deutschen hätten dann angegriffen, aber sie wären auf effektiven Widerstand gestoßen, und das Gleichgewicht der Macht in Europa wäre erhalten geblieben.
Aber Fehler sind unausweichlich, und sie scheinen genau dann zu passieren, wenn sie gebraucht werden – um das Gleichgewicht der Natur zu stören, und um es wieder herzustellen. Genau wie die Investoren der großen Spekulationsblase von 1995 bis 2000 hätten auch die kämpfenden Nationen des Zweiten Weltkriegs ihre Fehler vermeiden können.
Aber die Ereignisse liefen vor zwei Generationen so ab, wie sie abgelaufen sind. Die Deutschen griffen da an, wo es nicht erwartet wurde…und auf eine Art, die die Franzosen niemals zuvor gesehen hatten. Panzergeneräle wie Heinz Guderian und Erwin Rommel brachen durch die französische Frontlinie und stießen dann weiter vor. Sie unterstützten nicht ihre Infanterie, wie es die Franzosen erwartet hatten, sondern operierten unabhängig. Sie bewegten sich so schnell und zeigten sich an Plätzen, so weit entfernt von denen, wo man mit ihnen rechnete, dass die Gruppe von Rommel als „Gespensterdivision“ bekannt wurde. Nicht nur, dass die französischen und britischen Truppen unfähig dazu waren, effektiv zu antworten – sie hatten auch keine Idee, wie sie überhaupt hätten reagieren sollen. Sie wussten nicht, wo der Feind war, was er machte, noch nicht einmal, warum er das tat.
Innerhalb weniger Wochen kollabierte die französische Armee. Die französischen Soldaten warfen ihre Waffen weg und flohen. Die französische Regierung verfiel in Panik, sah die Situation als hoffnungslos an und kapitulierte. Die Briten, zusammen mit wenigen französischen Soldaten, flüchteten von Dünkirchen aus über den Kanal nach Großbritannien.
Im Februar des folgenden Jahres war die Luftschlacht um Großbritannien bereits geschlagen worden – mit einem nicht schlüssigen Ergebnis. Churchill hatte seine Nation – im letzten Moment – zusammengerufen und knapp den deutschen Angriff abgeschlagen. Rommel war in Nordafrika, wo er das Kommando über das Deutsche Afrika Korps übernahm und eine Serie von atemberaubenden Siegen erzielte. Die Wehrmacht bereitete sich auf eine Invasion von Jugoslawien und Griechenland vor.
1941 hätte man sich die gesamte Weltkarte als Spielbrett vorstellen können – mit den aufgestellten nationalen Truppen, die sich bewegten oder kämpften, genauso wie das Glück der Spieler wechselte.
Das Leben ist ein Wettkampf. Die Leute stehen alleine oder in Gruppen im Wettbewerb – im Sport, in der Politik, der Mode, beim Sex, im Business und in der Wirtschaft. In den 1940ern hatte der Wettbewerb unter den Nationen einen Höhepunkt erreicht. Deutschland tat dies. Russland tat jenes. Griechenland tat dies und das. Großbritannien tat irgendetwas anderes. Für ein paar Jahre lang wurde fast jeder in Europa ins Spiel gebracht. Eine Person konnte zu einem Arbeits-Bataillon eingezogen, zum Kampf an die Front geschickt oder in einen Viehwagen gepfercht und in ein Vernichtungslager transportiert werden. Politik war ein Spiel der Macht, gespielt mit sterblichem Einsatz.
In nur wenigen Monaten hatte Hitler ein Imperium errichtet, das Europa dominierte. Die Deutschen hatten die Hälfte Frankreichs besetzt. Von der Mitte Frankreichs angefangen kontrollierten die Deutschen Europa bis zur Mitte Polens im Osten, und von Norwegen im Norden bis hin zum südlichsten Griechenland, der Insel Kreta im Mittelmeer (hinzu kamen auch große Gebiete in Afrika).
Aber Imperien, die schnell steigen – wie Bullenmärkte -, tendieren dazu, auch schnell zu kollabieren.
Napoleons Imperium hatte nur 16 Jahre gedauert. Das Tausendjährige Reich wurde innerhalb von nur 4 Jahren zerstört, nachdem Hitler die Sowjetunion angegriffen hatte.
Die Natur liebt Symmetrie und Balance. Wenn man zum Beispiel ein Brot durchschneidet, dann sieht es auf beiden Seiten gleich aus. Und der Meeresspiegel ist in San Francisco genau der gleiche wie in Odessa, obwohl beide auf gegenüberliegenden Seiten der Welt liegen.
Charts von Verrücktheiten eines Marktes tendieren dazu, symmetrisch zu sein. Starke Aufwärtsbewegungen auf der linken Seite finden ihr Spiegelbild in starken Abwärtsbewegungen auf der rechten Seite. Auf lange, sanfte Anstiege auf der linken Seite folgen gewöhnlich lange, sanfte Rückgänge auf der rechten.
Diese Tendenz hin zu Balance und Symmetrie spiegelt sich auch in der politischen Welt wider. Das Römische Reich, das für seinen Aufbau Jahrhunderte brauchte, brauchte auch Jahrhunderte für seinen Untergang. Und das Dritte Reich, das Thema von Bevin Alexanders Buch „How Hitler Could Have Won World War II“ ist, wurde in nur ein paar Jahren errichtet – und es wurde auch in ein paar Jahren zerstört.