Was haben Fußballer und Insider gemeinsam?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. Juni 2008, 10:00 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
sicher kennen auch Sie das Gefühl - da wurde ein wichtiger Kampf gewonnen und irgendwie kann man sich trotzdem nicht uneingeschränkt darüber freuen. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Ich meine in erster Linie natürlich das mehr schlechte als rechte und dennoch gewonnene Vorrunden-Endspiel unserer deutschen Nationalmannschaft von gestern Abend.
Sicher: Unser Mannschaftskapitän Michael Ballack hat ein echtes Hammertor gemacht - ein Freistoß wie mit dem Lineal gezogen, unhaltbar ins recht obere Eck. Aber der ganze andere Rest war schlicht und ergreifend zum Wegschauen. Sogar Trainer Jogi Löw fühlte sich bei so einem Spiel auf der Tribüne wohler - Kaugummi kauend in der Sicherheit der Promireihen inklusive Boris Becker und Frau Merkel.
Der Vergleich zur Börse folgt auf dem Fuße. Das Spiel der Deutschen war so, als ob im deutschen Leitindex die Kurse von drei Werten munter nach oben klettern, während die anderen fallen beziehungsweise sich nicht von der Stelle rühren. Das Gesamtergebnis des Börsentages wäre negativ. Und so waren auch unsere EM-Jungs" gestern bis auf drei, vier dynamische Ausnahmen wie Lahm, Podolski und Metzelder so richtig schwach.
Nationalspieler schwach - Insider stark
Ganz anders ist da das aktuelle Bild bei den Insidergeschäften. Hier ist derzeit tatsächlich alles eitel Sonnenschein. In den zurückliegenden zwei Wochen standen in Deutschland 44 Insiderkäufen nur 8 Verkäufe gegenüber - ein positives Signal, nicht nur für die jeweiligen Unternehmen, sondern auch für die ganze Börse. Denn wie ich Ihnen bereits des Öfteren erläutert habe, stellt dieses deutliche Mehrheitsverhältnis von Insiderkäufen zu den -verkäufen ein positives Trendsignal für die Aktienmärkte dar.
Doch wie bei so vielen Gesetzmäßigkeiten gibt es auch hier eine Ausnahme, die zudem auch sehr gut zu unserem negativ behafteten" Viertelfinaleinzug passt. Denn auch wenn die Insiderverkäufe im Gesamtbild nicht besorgniserregend für den Börsentrend sind, so sind sie es doch für das entsprechende Unternehmen.
Ein Beispiel: Zwei beachtliche Transaktionen der Insiderverkäufe der letzten beiden Wochen entfallen auf die Primion AG. Hier veräußerte der Aufsichtsrat Leo Benz Aktien seines Unternehmens im Gegenwert von rund 1,1 Mio. Euro. Das macht rund 4 Prozent des Börsenwertes des baden-württembergischen Software- und Hardware-Spezialisten aus.
Wer annimmt, dass hier schlechte Zahlen oder verhaltene Prognosen für 2008 der Hintergrund sind, ist auf dem Holzweg. Das Unternehmen schüttet zwar für das zurückliegende Geschäftsjahr 2007 keine Dividende an seine Aktionäre aus, doch die Auftragsbücher sind gut gefüllt und auch der langfristige Ausblick von Vorstand Heinz Roth kann als sehr zuversichtlich eingestuft werden. Er sieht für die Primion AG in den kommenden fünf Jahren ein nicht unbeachtliches Wachstum von um die 8 Prozent p.a. Zudem gab er grünes Licht für weitere Aktienrückkäufe seiner Gesellschaft, die den Aktienkurs zusätzlich stützen dürften.
Es ist also eigentlich, um auf den Spielvergleich zurückzukommen, genau anders herum, als bei unserer Nationalmannschaft. Da sind zwei Insiderverkäufe eines Aufsichtsrat, welche die Aktie belasten. Doch fundamental steht das Unternehmen auf recht soliden und aussichtsreichen Füßen. Fragt man sich abschließend jedoch, was eigentlich besser ist: Wenn man mit einem wirklich guten Tor, trotz schlechter Mannschaftsgesamtleistung eine Runde weiter kommt, oder wenn man die ganze Zeit superdynamisch und strategisch richtig spielt und dann doch verliert (wie die Österreicher).
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach