Was gibt es denn zu feiern?
Henrik Voigt (Gastbeitrag) in Investors Daily zum Thema Börse
vom 8. Februar 2012, 18:00 Uhr
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Zurzeit fragt man sich wirklich, was die Börsen denn feiern. In Europa befinden sich Griechenland, Portugal und seit neuestem Belgien in einer Rezession. Spanien, Italien und Großbritannien stehen kurz davor - nicht eben kleine Volkswirtschaften. Viele Analysten gehen momentan davon aus, dass diese Rezessionen nur kurz und mild verlaufen. Aber wie soll das denn gehen? Die durch den Fiskalpakt verordneten Sparpakete wirken als großer Wachstumshemmer. Und andere Volkswirtschaften fallen als Wachstumslokomotive weitgehend aus. Deutschland exportiert mehr als es importiert. China hat eigene Wachstumsprobleme. Und die USA werden nach der x-ten Haushaltssperre in diesem Jahr selbst sparen und damit Ausgaben kürzen müssen. Viele der jüngsten amerikanischen Wirtschaftsräten und Unternehmensergebnisse waren zudem eine Enttäuschung.
Es ist natürlich logisch, dass vor wichtigen Wahlen - immerhin 40 weltweit in diesem Jahr - gute Stimmung in den Massenmedien verbreitet wird. Politiker wollen wiedergewählt werden und sich als große Heilsbringer darstellen. Allerdings wurde nicht eines der Probleme aus dem vergangenen Jahr gelöst.
Dass die Börsen in dieser Situation jetzt an größeren charttechnischen Ausbrüchen nach oben basteln, macht die Situation nicht einfacher. Kurzfristig könnte neues Kapital technisch orientierter Anleger in die Märkte gezogen werden. Im weiteren jahresverlauf dürfte die teilweise extrem euphorische Stimmung dann jeder Aufwärtsbewegung den Todesstoß versetzen. Oder zumindest für eine sehr drastische Korrektur sorgen.
Die Ausgangslage ist damit ähnlich wie vor einem Jahr: Ein charttechisch viel versprechendes Bild wird durch eine viel zu optimistische Anlegerschaft gefährdet, die sich viel zu schnell wieder in der Hoffnung auf einen neuen Bullenmarkt positioniert hat. Im Zweifel sind jedoch die Stimmungsdaten für das mittelfristige Potenzial wichtiger. Das dürfte spätestens das vergangene Jahr gelehrt haben. Diese Indikatoren sind auf Sicht von 1 bis 3 Monaten ein sehr guter Kontraindikation, wenn auch aufgrund ihres zeitlichen Vorlaufes zum unmittelbaren Positionstiming weniger geeignet. Zur Vorsicht mit in den Himmel schießenden Kurszielen mahnen sie dennoch. Derartige Extremstände erreichen die Märkte normalerweise nur in der Nähe langfristiger Hochpunkte.
Auch die Übertreibung nach oben wird korrigiert werden
Zusätzlich beginnt Anfang Februar eine bärische Saisonalität, die bis in den März reicht. Zeit für eine kalte Dusche. Heftige Korrekturen (teilweise auch Crashs) scheinen allmählich ganz normal zu werden. Wir bleiben deshalb sicherheitshalber weiter in Cash und Seitwärtsstrukturen investiert und bauen diese zu einem günstigen Zeitpunkt weiter aus. Die Longseite spielen wir lediglich mit kurzfristig angelegten Trades, die sich eng absichern lassen und bei denen zügig Gewinne mitgenommen werden können. Nur, um die jüngsten Ausbrüche nicht ungenutzt zu lassen. Damit werden sich die nächsten Wochen gut meistern lassen. Egal, was da kommt.
Wie es an den Märkten weitergeht, das zeige ich Ihnen im DAX Profits.
Herzliche Grüße und viel Erfolg, Ihr
Henrik Voigt
Chefredakteur Dax Profits
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von kai becker (08.02. 2012 21:23 Uhr):
Mag ja sein, daß Sie in allem recht behalten. Andererseits: Hielten Sie nicht unlängst die absurden Szenarien eines Harry Dent für "plausibel"? Eines Mannes, der in einem AKTIONÄR -Interview sich nicht entblödete, zu sagen, "alles sollte sein wie es früher einmal war ... und wir (Amerikaner) leichten Herzens in Europa shoppen gehen konnten ..." Das ist das Tückische mit Crash-Propheten: Über kurz oder lang behalten sie natürlich recht. Aber hilfreich ists nicht. MfG
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