Was geht da ab? Niger und Uran
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 1. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
*** Am Freitag hatte ich über den Putsch in Niger berichtet. Und mögliche Auswirkungen desselben auf den Uranpreis.
Und hier kann ich einen Text von mir von einer umfangreichen Afrika-Reise abgewandelt verwenden - los geht es:
Gegen Uran habe ich eine „gefühlte Abneigung" - ganz einfach deshalb, weil ich kein Freund der Atomenergie bin. Ich befürworte stattdessen den starken Ausbau der „Erneuerbaren Energie", zumal im an Rohstoffen armen Deutschland.
Dennoch dachte ich bei Uran zunächst, nun gut, der Abbau ist ja noch problemlos, das Uranoxid wird dann irgendwo anders angereichert und zur Energieerzeugung verwendet, mit den bekannten Problemen (Endlagerung).
Allerdings ist auch der Abbau von Uranoxid schon problematisch! Mir wurde erst in Afrika bewusst, dass es sich um ein toxisches Schwermetall und somit Gift handelt. Was ich auch nicht wusste: Um Uran abzubauen, sind gewaltige Mengen an Strom und Wasser notwendig.
Für eine Tonne Uran wird zumindest in Malawi die Energie von 9,7 Tonnen Öl benötigt.
Soviel zum Thema „saubere Energie" Atomstrom.
*** Und jetzt nehmen Sie ein Land wie Malawi, in dem es KEINE Gesetzgebung zum Umgang und Transport mit Uranoxid gibt.
In Mitteleuropa wird ja gerne gegen „die Bürokraten da oben" gewettert, insbesondere die in Brüssel („Bananenkrümmungs-Verordnungen"...). Stimmt ja oft genug. Andererseits:
In Malawi wären die Leute (und ich!) froh, solche Bürokraten zu haben. Denn dort ist vieles überhaupt nicht reguliert.
In so einem Fall werden die Explorer und Minengesellschaften von sich aus - natürlich - so wenig wie möglich in Schutz vor Kontamination, Trinkwasserschutz sowie schonenden Eingriff in die Natur und Aufbereitung aufgegebener Minen investieren.
Jeder Dollar oder Euro, der gespart werden kann, erhöht schließlich den Gewinn. Und in den Vorstandsetagen dieser Explorer und Minengesellschaften sitzen leider keine Mitglieder der Trader´s Daily-Gemeinde. In so einem Fall müssten die Unternehmen eigentlich vom Staat zu Auflagen gezwungen werden.
Ist ja bei uns in Europa auch nicht anders: Denn beim Umweltschutz funktioniert der freie Markt einfach nicht - die externen Kosten (Schäden an der Umwelt) müssen ganz einfach dem jeweiligen Unternehmen zugerechnet werden bzw. es muss Auflagen geben. Denn sonst kann das betreffende Unternehmen die Kosten (Umweltschäden) problemlos auf die Allgemeinheit überwälzen.
In Malawi heißt es in Bezug auf solche Regulierung leider weitgehend: Fehlanzeige.
Und so geht es schon los bei den Explorern. Wenn diese auf einem bestimmten Stück Land in Malawi explorieren möchten, werden die Bewohner mehr oder weniger freundlich zum Wegziehen bewegt. Ein Malawianer berichtete mir glaubhaft Folgendes: Große Grundstücke wurden von einem Explorer den Bauern für 70 US-Dollar und „Maismehl für zwei Jahre" (daraus wird Maisbrei, das Hauptgericht der Bauern, hergestellt) abgekauft.
Wie würde Hilmar Kopper sagen? „Peanuts" für den betreffenden Explorer!
Auflagen? Minimal bzw. Fehlanzeige!
Und wenn sich ein örtlicher Häuptling (gibt es noch in Malawi) beschwert, dann wird er in eine „große Stadt" ausgeflogen, verbringt dort ein paar schöne Tage auf Kosten der Explorer und kehrt überzeugt zurück. Ebenfalls beliebt bei einigen Explorern: Die Finanzierung eines Krankenhauses für die Gemeinde. Macht sich immer gut.
Hat folgenden Hintergrund: Diese Krankenhäuser behandeln auch die Minenarbeiter. Und wenn diese wegen Staublunge oder Kontamination oder Lungenkrebs wegen Strahlung sterben, lässt sich als alternative Todesursache gerne „HIV" nehmen. Bekannte Vorgehensweise aus Niger.
Ich kann nur hoffen, dass es in Malawi bald eine diesbezüglich verbesserte Gesetzgebung gibt. Denn z.B. exploriert ein Explorer in der Nähe von einem großen Fluss, welcher auch Felder bewässert (wenn auch nicht die von unserem Projekt, obwohl ich da mal genau den Flussverlauf und die Zuflüsse überprüfen müsste) sowie danach in den Malawi-See mündet. Wenn dieser Fluss kontaminiert würde - ich will gar nicht daran denken!
Vielleicht auch ein Aspekt, den Sie im Hinterkopf haben sollten, wenn Sie auf die Aktien von Uran-Explorern setzen.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
(Meine persönliche Schlussfolgerung aus meinen Erlebnissen in Afrika: Ich meide Uran-Explorer Aktien kategorisch, will da nichts mit zu tun haben. Bin Greenpeace-Fördermitglied. Und freue mich über technischen Fortschritt = Erhöhung des Wirkungsgrades bei Photovoltaik und Solarthermie.)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Marty Werner (02.03. 2010 22:18 Uhr):
Toller Beitrag von Ihnen Herr Vaupel, gratuliere! Ich werde es Ihnen gleichtun, Uran-Explorer-Aktien tunlichst meiden. Freundliche Grüsse Werner Marty Schweiz
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