Was für ein feiner Unterschied!
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 29. März 2010, 12:00 Uhr
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Wenn ich in North Carolina meine Ferien verbringe, dann gibt es zwei sehr gute Gründe, nach Asheville zu fahren. Die Stadt selbst ist natürlich keiner der Gründe. Ich habe gehört, dass Leute sie als „Künstler"-Stadt bezeichneten und als „bewohnt von alten Leuten und Hippies." Und ich bin mir sicher, dass das ein vorschnelles Urteil ist, zu dem Leute mit eingeschränktem Horizont kommen.
Aber Asheville ist der Ort, in dem mein Cousin George lebt. George ist ein ortsansässiger Künstler, der es tatsächlich ohne Mühe schafft, auch wie einer auszusehen. Ein graues Barett, eine gestreifte Rugby-Shorts und eine Lesebrille an einem Band. Sein Haar ist weiter hinten weiß geworden und sein Gesicht ist ganz faltig vom Lachen und Lächeln, doch seine blauen Augen und sein Gesicht sind jung und voller Optimismus.
Georges Atelier ist ein kleines Cottage an der Gabelung einer Landstraße. Der Stadtbus macht davor eine Kehrtwende - eine scheinbar unmögliche Leistung.
George ist einer der wahrsten Unternehmer, denen ich je begegnet bin. Er liebt seine Kunst. Über Jahre hat er Keramiken hergestellt. Er wurde darin so gut, dass ein Teil von seinem Zeug im Smithsonian ist und dass das Fremdenverkehrsamt von North Carolina seine Bilder in den Werbeanzeigen verwendet. Doch heute hat er es mit Installationen. Gewaltige, bunte Dinger, die er aus Hold oder Polycarbonatplatten herstellt. Aufträge bekommt er von Krankenhäusern, von der Feuerwehr, der örtlichen oder regionalen Verwaltung und von den Besitzern großer Häuser, die in dieser Gegend fast überall auf den Hügeln zu finden sind.
George geht davon aus, dass er seine Ideen und Modelle in ungefähr 40 Wettbewerben vorstellt, ehe er einen Auftrag erhält - Es ist ein steiniger Weg, so sein Leben zu verdienen - ich gehe davon aus, dass er wirklich lieben muss, was er tut.
Und der zweite Grund, Asheville zu besuchen, ist natürlich das Biltmore Anwesen. Es ist der Ort an dem man begreift, was der Unterschied zwischen wohlhabend sein und „ganz in Ordnung dastehen , wenn man alles in allem bedenkt" ist.
Die Europäer werden niemals müde darauf hinzuweisen, dass es in Europa noch wesentlich größere und luxuriöser ausgestattete Anwesen, Paläste und Schlösser gibt. Solche, die wesentlich älter sind und die von echten Prinzen und Königen und Baronen und anderem Landadel gebaut wurden, der behauptete, „L'État c'est mois" und deswegen eine Spitzenpositionen besetzten wenn es darum ging, die Steuern ihrer Untergebenen für besseres Wohnen auszugeben.
George Washington Vanderbilt hat jedoch sein eigenes Geld ausgegeben.
Was für ein feiner Unterschied!
Und einer, der an Europäern verloren ist, die sich selbst zu ihren vielen Herrscherhäusern gratulieren, die heute unter der Verwaltung des Staates stehen. (Diese Erbschafts- und Grundsteuern müssen ja schließlich für etwas gut sein.)
Doch es sind nicht die 250 Zimmer in Biltmore oder die Fassade von fast 100 Metern oder die gemeißelten Wasserspeier oder die Antiquitäten. (Auch wenn einem auffällt, dass das eigene Reinvermögen kaum ausreichen würde, ein einziges Gästezimmer auszustatten.)
Und es ist doch so, wenn man erst einen Wandbehang von Kardinal Richelieu gesehen hat, oder in Dutzend Holzschnitte von Dürer, oder ein Schachspiel aus dem Besitz Bonapartes, dann hat man eigentlich alle gesehen.
Für mich ist es die Tatsache, dass ein 27jähriger Junggeselle der reichen Müßiggänger die Weitsicht hatte, mit einem großartigen Konzept für dieses funktionierende, sich selbst erhaltene Anwesen - und die Aufmerksamkeit für die Details, die man in der Ausführung bis hin zu den drei Millionen Pflanzen erkennt, die überall auf den ursprünglich mehr als 100.000 Morgen Anwesen angepflanzt waren. Und wo die europäischen Paläste etwas von Museen haben, hat Biltmore bis heute ein „heimisches" Gefühl behalten, trotz der Massen von Menschen, die durch „Amerikas größtes Haus" geschleust werden.
Es ist natürlich nicht mein Haus. Auch wenn ich dachte, ich hätte einen Teil unserer Möbel wiederentdeckt. In den Zimmern der Dienstmädchen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Uwe Karsten (29.03. 2010 15:03 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass der Beitrag "Was für ein feiner Unterschied" von J. Christoph Amberger schon einmal im Traders Daily am 30.10.2009 erschienen ist. Ich finde es nicht schön, wenn mit solchen "ollen Kamellen" um sich geworfen wird. Mit freundlichen Grüßen Uwe Karsten
Antworten - Kommentar von Alex Kronert (29.03. 2010 19:33 Uhr):
Duerer, antike Wandbehaenge und Schachspiele als uniforme Massenproduktion, eines wie das andere ? Wohl kaum, hier zeigt sich allenfalls der fehlende Sinn fuer das Detail. Herr Amberger scheint einen Anti-Europa-Komplex zu haben, kaum wird er als Neu-Amerikaner einer amerikanischen Monstrositaet gewahr so gibt es einen Seitenhieb auf Europa, dem Vorbild Biltmore'scher (Kopier)Baukunst. Von einem US-Amerikaner wuerde so etwas nie kommen, hier ueberwiegt die Bewunderung von europaeischem Kulturerbe. Dies ist der feine Unterschied ......... (P.S. Eine kleine Pflege franzoesischer Sprachkultur ist angebracht, orthographisch falsche Zitate fallen wohl nicht in Amerika aber immer noch in Europa auf.........)
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