Was drückt den Baltic Dry Index (BDI)?

Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Baltic Dry Index
vom


vermutlich werden Sie in den nächsten Tagen in den Printmedien einige Artikel über den Baltischen Frachtratenindex (Baltic Dry Index, BDI) lesen. Die wöchentliche US-Börsenzeitung Barron's, die Schwesterpublikation des Wall Street Journal (WSJ), hat das Thema in ihrer letzten Wochenausgabe aufgegriffen. Da ich ebenfalls mehrfach danach gefragt wurde, warum der BDI so schwach ist, möchte ich den heutigen Daily dazu nutzen, auf die Kursbildung dieses oftmals als Konjunkturbarometer genutzten Indikators näher einzugehen.


Der Baltic Dry Index ist ein Produkt der in London ansässigen Baltex, einer Handelsplattform mit mehr als 250-jähriger Tradition. Hier werden Finanzprodukte auf Frachtrouten - unter anderem für Schüttgüter - gehandelt. Schüttgüter sind Seefrachten, die wie Getreide, Erz und Kohle in Bulk Vessels transportiert werden, also in speziellen Frachtern, die für loses Transportgut gebaut wurden. Der Index wird von Reedern und Schiffsbrokern als Preisorientierung für ihre tägliche Frachtkostenkalkulation genutzt.

Dass ich von Lesern in den letzten Woche immer wieder angesprochen wurde, hängt damit zusammen, dass diesen Frachtraten eine gewisse Indikatorfunktion für die weltweite Konjunkturentwicklung zugeordnet wird. Das erklärt sich folgendermaßen:

Werden Erze, Kohle und Getreide in stärkerem Maße transportiert, dann lässt sich daraus eine konjunkturelle Belebung ableiten. Aus diesem Grunde dient der BDI Analysten schon seit Langem als Prognosehilfsmittel. Der folgende Chart zeigt, dass es in den letzten Jahren einen hohen Gleichlauf (positive Korrelation) zwischen dem US-Aktienmarkt (grün, S&P500) und dem BDI (blau) gab. Seit einem Jahr aber laufen beide Indizes auseinander. Der Aktienmarkt erklimmt ein neues Zwischenhoch bei 1.348,30 Punkten (S&P500) , während der BDI wie ein Stein auf sein Kursniveau vom Januar 2009 fällt, dem Baisse-Tief der Lehman-Finanzkrise.

Besorgte Börsianer fragen nach den Gründen

Driftet die USA in eine Rezession ab? Wird sich der BDI erholen oder den Aktienmarkt in die Tiefe reißen?     

 

Besorgt fragen sich jetzt Marktbeobachter, ob der BDI als Konjunkturindikator negative Signale aussendet, die von Börsianern ernst genommen werden müssten.

Driftet die USA in eine Rezession ab? Wird sich der BDI erholen?  

Die Analysten von Barron's geben Entwarnung und begründen den Preisverfall der Frachtraten mit einem Überangebot an Frachtkapazitäten, also einem Überangebot an Laderaum. Die Reedereien konkurrieren um die Frachten und unterbieten sich gegenseitig im Preis. Diese Überkapazitäten entstanden bereits vor der Finanzkrise, als die Chinesen ihre Erzlager aufbauten und die Rohstoffpreise - vor allem Erdöl - stark im Preis stiegen. Neue energiesparende Frachter mussten her und die alten Kapazitäten werden nur langsam aus dem Markt genommen.

Die Experten von Barron's sowie des Wall Street Journal's schätzen aber, dass die Überkapazitäten bereits bis Ende des Jahres abgebaut werden. Und dann könnten die Frachtraten wieder steigen. Bis dahin freuen sich die Einkaufsmanager über günstige Transportkosten für ihre Kohle- und Erzeinkäufe, was sich wiederum positiv auf die Gewinnsituation der Schwerindustrie auswirken sollte.

 

Viel Erfolg am Markt

Jürgen Nowacki

Coach Trading & Sales

 

Zum zweiten Teil von: Besorgte Börsianer fragen nach den Gründen

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Kommentar von Reimer

Sehr geehrter Herr Nowacki, Korrektur: Schüttgüter sind keine Seefrachten sondern Ladungen. Fracht ist das Geld, welches die Reeder für den Transport dieser Ladungen bekommen. Viele Grüße W. Reimer

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Antwort von juergen nowacki:

in Berlin würde man sagen: man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu :-) vielen Dank für Klarstellung

Kommentar von christmann

Hallo, Dieser \"aktuelle\" Beitrag ist nun über ein Jahr alt. Halten Sie das Thema BDI immer noch im hier dargestellten Sonne für aktuell?

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