Was der Abbau der Schulden mit den Schildbürgern gemeinsam hat
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 13. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
wenn der Chef des weltgrößten Anleihen-Fondsverwalters Pimco (Pacific Investment Management Company), Mohamed El-Erian, vor einem Staatsschulden-Schock warnt, ist dies sicherlich ein Sachverhalt, den man sich durchaus einmal in einer ruhigen Minute sehr bewusst werden sollte. Immerhin verwaltet Pimco ein Anlagevermögen in Höhe von einer Billionen US-Dollar (deutsche Billionen wohlgemerkt). Die Financial Times Deutschland schreibt in der Online-Ausgabe vom 11.03.10:
„Zittern um Dubai, Bangen mit Griechenland - das ist alles noch gar nichts, orakelt Mohamed El-Erian. Die wahren Folgen der desolaten Finanzen vieler Industrieländer würden noch gar nicht erfasst. Drücken sich die Regierungen um harte Einschnitte, drohten Inflation und Zahlungsausfälle.“
Ganz konkret warnt El-Erian davor, dass die Bedeutung des Schocks für die öffentlichen Finanzen der Staaten noch nicht ausreichend verstanden und wahrgenommen wurde.
„Die wachsende Verschuldung von Ländern werde derzeit "vorrangig - und übermäßig - durch das enge Prisma von Griechenland" betrachtet, so El-Erian. Dabei müssten viele Regierungen schwierige Entscheidungen zu höheren Steuern und geringeren Ausgaben treffen.“
Wenn dies nicht rechtzeitig geschehe, "wird sich das Universum wahrscheinlicher Ergebnisse ausweiten auf das Weg-Inflationieren von übermäßigen Schulden und, im Extremfall, auf Zahlungsausfälle und Konfiszierung".
Wenn das mal keine klaren Wort seitens Herrn El-Erians sind, dem wohl keiner den Status eines "wirren Verschwörungstheoretikers" vorwerfen würde. Der Herr warnt sogar vor staatlicher Konfiszierung...
Passend dazu kam am 11.03.2010 die Meldung „über den Äther“, dass Deutschland offiziell nun 1,7 Milliarden Euro Schulden hat.
Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Schulden von Bund, Ländern und Kommunen im Jahr 2009 um 7,1% oder 112,7 Milliarden Euro gestiegen. Eine höhere absolute Neuverschuldung gab es in der Bundesrepublik Deutschland nur 1995, als mit 170 Milliarden die Kosten für die Wiedervereinigung verrechnet wurden.
Wie sollen also die klammen Kassen gefüllt werden?
Bisher gibt sich die Bundesregierung dazu bedeckt. Der Grund? Es stehen nun einmal Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen an und da will man die eigenen Wähler doch nicht mit den tatsächlichen Realitäten oder gar baldigen Sparorgien verjagen.
Timo Pache von der FTD schreibt dazu:
„Der 10. Mai wird spannend. Nicht allein, weil dann das Ergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen feststeht. Ab jenem Montag im Mai wird ein Mann aus der Deckung kommen, der sich und seinem Ministerium bislang strenge Zurückhaltung auferlegt hat: Wolfgang Schäuble (CDU), der Bundesfinanzminister. Ab jenem 10. Mai darf er keine politischen Rücksichten mehr nehmen - bis Ende Juni muss Schäuble nämlich erklären, wie, wo und wie viel in Deutschland gespart werden muss. Es wird eine bittere Rechnung werden.
(...) Natürlich kursieren bereits Ideen und Vorschläge, was alles auf den Prüfstand gehört. Konservative in der Union etwa verweisen auf das erst vor drei Jahren eingeführte Elterngeld. Es hat Milliarden gekostet, mehr Kinder werden dennoch nicht geboren. "Ein Unsinn" sei das, schimpfen nicht wenige in Union und FDP, dennoch gilt eine Kürzung hier als unwahrscheinlich - der Schaden für Kanzlerin Angela Merkel wäre zu groß.
(...) Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist aber, dass Union und FDP eine 180-Grad-Wende hinlegen und Steuern oder Abgaben erhöhen. So könnte die Koalition den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung kräftig anheben. Dann müsste der Bund nicht mehr Jahr für Jahr zweistellige Milliardenbeträge nach Nürnberg überweisen und hätte seine Budgetprobleme gelindert.
Allerdings müsste Schäuble dann immer noch kräftig sparen, um die Steuern senken zu können. Nach der schwersten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren steht das Land vor der größten Haushaltssanierung seit 60 Jahren.“
Es ist klar, dass es am Ende, in welcher Form auch immer, natürlich den Otto-Normal-Bürger treffen wird. Das Traurige daran ist nur, dass es Deutschland trotz aller Sparanstrengungen niemals schaffen wird die Neuverschuldung auf Null runterzufahren oder gar die Altschulden zu tilgen.
Auch die Schildbürger haben es nicht geschafft „genug“ Sonnenlicht für ihr Rathaus ohne Fenster einzufangen um damit dieses von innen zu beleuchten.
Warum ich diesen Vergleich ziehe?
Wie ich schon mehrfach bei Investoren Wissen erwähnte, entsteht in diesem Geldsystem jeder einzelne Euro durch einen Kredit. Wenn nun alle Staaten, Länder, Kommunen und Privatpersonen anfangen würden, ihre Schulden zurückzuzahlen gäbe es schlicht kein Geld mehr. Dieser kleine „Konstruktionsfehler“ im System, welcher von den „Mainstream“-Ökonomen leider gerne ignoriert wird, führt mit Hilfe des ZinsesZins-Effekts dazu, dass immer mehr neue Schulden entstehen MÜSSEN, damit uns schlichtweg nicht das Geld ausgeht.
Denn in einem Fiat-Money-Geldsystem ist es nun einmal so, dass große Vermögen aufgrund des Zinseffekts immer mehr Geld aus der Realwirtschaft absaugen. Das Geld versickert förmlich... Und die „ Lösung“ dieses Problems liegt darin, noch mehr Schulden aufzunehmen und dem System frisches Geld zuzufügen.
Seien Sie achtsam und beobachten Sie die Politiker und ihre vermeintlichen Versuche, die Staatsschulden zu konsolidieren, ganz genau. Genauso wie Herr El-Erian bin ich der Meinung, dass uns bald eine größere, stark kaufkraftreduzierende Inflationsphase und Konfiszierungen von Vermögen (dazu gehören auch neue Steuerbelastungen) drohen dürften. Es ist wohl viel mehr nur noch eine Frage der Zeit, nicht des ob oder ob nicht.
Beste Grüße
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Horst Herbert Roscher (13.04. 2010 16:46 Uhr):
Das ist doch schön wenn wir nur 1,7 Mrd. € Schulden haben. Ich dachte immer es wären 1,7 Bil., aber bei den vielen Nullen im Bundestag kann man schon mal durcheinander kommen. Gruß H.H.Roscher
Antworten - Kommentar von Dieter Wahls (13.04. 2010 18:09 Uhr):
GutennTag Herr Hahn, mit wachsender Begeisterung lese ich Ihre Berichte und Informationen und natürlich auch andere dazu. Ich möchte eigentlichen keinen Kommentar abgeben, da ich mit Ihnen komplett auf einer Linie liege. Ich denke, es wäre nunmehr Zeit einmal darüber zu sprechen wie wir uns denn nun konkret vor künftigen Ungemach wie Inflation, Konfiszierung, Steuerlast etc. schützen bzw. vorbereiten können. Mitlerweile leben wir ja in einer globalen Welt und es gibt doch sicherlicher konkretere Gestaltungsmöglichkeiten als nur z.B. "Flucht in Sachwerte". Mit freundlichem Gruß Dieter Wahls
Antworten - Kommentar von Alexander Hahn (13.04. 2010 22:02 Uhr):
KORREKTUR ZUM ARTIKEL: Natürlich nicht 1,7 Mrd Schulden. Das wäre ja traumhaft. Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Wir sprechen hier natürlich von 1,7 Bill. Beste Grüße Alexander Hahn
Antworten - Kommentar von Klaus Draeger Diploming Bauwesen (14.04. 2010 13:22 Uhr):
Grüß Gott Herr Hahn, ich habe Ihren Beitrag einem großen Kreis von Freunden, Kollegen und auch an die Politik weitergeleitet und bin auf das Echo neugierig. Zugleich habe ich damit für Sie Reklame gemacht. Meine Gedanken, die Ihrer Leser und die Sorge vieler Bürger dreht sich darum: Wie kann ich das ein Leben lang hart erarbeitete kleine Vermögen/Besitz erhalten und absichern. Haben Sie darauf eine Antwort?. Freundlich grüßt Sie Klaus Draeger Meine Weiterleitung: Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, werte Freundin, werter Freund, es geht mich, dich, uns alle etwas an. Nehmen Sie sich bitte wenige Minuten Zeit und lesen und verdauen Sie den nachstehenden Beitrag und diskutieren Sie mit Ihren Freunden - Kollegen - Bekannten. Schließen wir nicht die Augen und meinen, das geht uns nichts an. Irgendwie wird das schon gutgehen mit den wachsenden Schulden der Länder und dem Theater der Politiker. Wie sollen also die klammen Kassen gefüllt werden? Bisher gibt sich die Bundesregierung dazu bedeckt. Der Grund? Es stehen nun einmal Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen an und da will man die eigenen Wähler doch nicht mit den tatsächlichen Realitäten oder gar baldigen Sparorgien verjagen. Der 10. Mai wird spannend. Das Steuer zahlende Volk ist aufgefordert, hellhörig und achtsam zu sein. Beobachten wir - das Volk - die Politiker und ihre vermeintlichen Versuche, die Staatsschulden zu konsolidieren, ganz genau. Freundlich grüßt Sie INGENIEURBÜRO K. DRAEGER Dipl.-Ing. (FH) Klaus Draeger, ein kleines Rädchen im großen Getriebe. Achtung! Diese E-Mail kann vertrauliche und oder rechtlich geschützte Informationen enthalten. Der Inhalt ist ausschließlich für den bezeichneten Adressaten bestimmt. Sollten Sie nicht der gewünschte Ansprechpartner oder sein Vertreter sein, setzen Sie sich bitte mit dem Absender der E-Mail in Verbindung. Jede Form der Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts fehlgeleiteter Sendungen ist unzulässig.
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