Was den Aktienmarkt wirklich drückt
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 27. Oktober 2008, 19:00 Uhr
ENL5462
Bevor ich in den kommenden Ausgaben weiter auf Ihre Antworten und Kommentare zum Irak eingehe, möchte ich in diesem Profit Radar erst - mal wieder - mit einem Missverständnis aufräumen, was derzeit durch die allgemeine Presse geistert. Es ist Formulierungen wie „Derzeit preist der Markt eine Rezession ein." oder „Rezessionsängste ziehen die Börsen nach unten.". Deshalb werden auch immer wieder KGV-Bewertungen und Gewinnschätzungen zitiert.
Alles kompletter Unsinn. Das muss man mal so klar sagen. Das zeigt mal wieder, wie viele Leute nicht verstehen, was derzeit am Aktienmarkt wirklich passiert. Derzeit dreht sich am Aktienmarkt alles nur um zwei alles dominierende Sachen: „Deleveraging" - was eine schnittige Umschreibung für nichts anders als „Abbau von kreditfinanzierten Positionen" ist - und Risikoanpassungen in den Portfolios der Banken und Versicherungen.
Hier will ich auf das „Deleveraging" eingehen, denn das ist der wirkliche Grund für die erdrutschartigen Kurseinbrüche von 3% und mehr an einzelnen Handelstagen. Also: Wie Sie wissen, haben vor allem Hedge Fonds (aber nicht nur) lange Zeit mit Kredit im Aktienmarkt und im Rohstoffsektor spekuliert.
Wenn von einem Leverage Faktor 5 gesprochen wird, dann bedeutet dies, dass der Hedge Fonds für 1 USD Eigenkapital für 5 USD Kredit aufgenommen hat, um dann mit der Gesamtsumme in einem Marktsegment zu spekulieren. Bei den meisten Kreditspekulanten lag das Leverage zwischen 5-10, aber es gab auch einige Hedge Fonds, die ein Leverage von 30 (!) hatten.
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