Was Che nicht gelungen ist, haben wir geschafft!
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Oktober 2008, 16:00 Uhr
Der große Bruder der Verstaatlichung heißt Enteignung. Die Grenzen sind oftmals sehr schwimmend und vor allem die Geschichte zeigt und lehrt uns dies. Als Enteignung bezeichnet man juristisch den Entzug des Eigentums an einer unbeweglichen oder beweglichen Sache durch den Staat. Auf Grund der Gesetze und gegen Entschädigung. In der Umgangssprache wird auch die Konfiskation, also der entschädigungslose Entzug, oft als Enteignung bezeichnet.
Vergesellschaftung hört sich doch besser an
Die Enteignung von Produktionsmitteln bzw. Unternehmen wird meist als Verstaatlichung bezeichnet (laut Artikel 15 des Grundgesetzes als Vergesellschaftung), die Enteignung von Grund und Boden in großem Stil als Bodenreform oder Landreform. Land als Synonym für Grundbesitz. Hier wie auch bei individuellen Enteignungen aus verkehrstechnischen, militärischen und anderen in den Staatsaufgaben liegenden Gründen wird ein übergeordneter, dem Allgemeinwohl dienender Zweck als Begründung angeführt.
Flächendeckende Konfiskationen ("Enteignungen") gibt es beispielsweise nach Eroberungskriegen, wenn die Sieger den Verlierern (fast) alles wegnehmen, oder nach starken innenpolitischen Veränderungen oder Revolutionen.
Da Eigentum in marktwirtschaftlich verfassten Demokratien zu den Grundrechten gehört, sind Enteignungen dort nur in bestimmten rechtlich geregelten Ausnahmefällen möglich. In Zentralverwaltungswirtschaften ist dagegen meist der Staat der Haupteigentümer und Verwalter der Produktionsmittel, so dass deren Enteignung allgemeines Gesetz geworden ist.
So nun aber zu Staatsbank-Chef Ernesto Che Guevara
Auch hier mal wieder ein bisschen Bildung. Ich hab in meinem Bekannten- und auch Geschäftspartnerkreis mal ein wenig herumgefragt zu der Person Ernesto Che Guevara und seiner Funktion. Die häufigste Antwort war: Das ist doch dieser Kubanische Dschungelkämpfer mit der Mütze und dem Stern. Na ja, nicht ganz falsch, Ernesto war natürlich weit mehr.
Che war auf Kuba Staatsbankchef und Industrieminister
Ernesto Che Guevara war zunächst einmal gar kein Kubaner, sondern Argentinier. Zudem war er ausgebildeter Arzt, revolutionärer Marxist, Politiker, Militärtheoretiker und natürlich Guerillaführer.
Auch vielen total unbekannt sind die Funktionen Ches in Wirtschaft und Politik. 1961 wurde Che kubanischer Staatsbankchef und Industrieminister.
Erstes Ziel der nachrevolutionären Wirtschaftspolitik in Kuba war bekanntlich die weitestgehende Verstaatlichung der kubanischen Wirtschaft und damit auch die Enteignung in der Mehrheit US-amerikanischer Konzerne.
Che - Präsident der kubanischen Nationalbank
Also was hat Che nun gemacht in Kuba. Che hatte von Wirtschaftspolitik und Bankwesen genauso viel Ahnung, wie eine Kuh vom Stabhochsprung oder Vorstände von Banken wie der IKB, der Hypo Real Estate oder den Lehman Brüdern. Dadurch hat er im Prinzip einfach alles Verstaatlicht und eine Steuerungspolitische Misswirtschaft ohne gleichen gemacht, was zu einem Total Kollaps der Kubanischen Wirtschaft geführt hat.
Als Industrieminister setzte er einerseits die reine Lehre der Planwirtschaft um und strebte daher eine vollständige Verstaatlichung der kubanischen Wirtschaft an. Doch lehnte er dagegen auf der betrieblichen Ebene vermehrte materielle Anreize, Freiräume für private Kleinunternehmen und eine Lohndifferenzierung nach Leistung aus ethischen Gründen ab. Diese Forderungen finden Sie auch in vielen aktuellen Talk-Sendungen heute wieder.
Was Che nicht gelungen ist, haben wir geschafft - wenn auch anders
Also im Prinzip hätte Che als Chef von Lemann Brothers oder Sachsen LB auch nicht viel mehr falsch machen können. Ebenso wäre Che wohl von manchen heutigen Expertenmeinungen zu "mehr Staat" wohl sehr begeistert. Che wollte das ungerecht Verteilte Weltvermögen umverteilen oder besser gesagt verteilen. Sein Ziel hat er nie erreicht. Die Finanzwelt hat es nun geschafft eine Verteilung vorzunehmen. Nämlich einen regionalen Supergau - in Amerika durch verfehlte Wirtschaftspolitik und exzessiven Privaten Konsum über die Verhältnisse - auf den Rest der Welt zu Übertragen.
Viele Dank liebe Amerikaner und liebe Banker und Politiker, dass Ihr dazu beigetragen habt. Anders als in Ches Vorstellungen werden die armen deswegen zwar nicht reicher, aber die eigentlich gesunden und stabilen Staaten deutlich ärmer.
Ach ja in einem hätte Che sicherlich anders gehandelt. Die Verantwortlichen wären unter seiner Verantwortung als Präsident der Nationalbank mit Sicherheit erschossen worden.
Ihr
Markus Miller
...das Steuern ist wichtiger als die Steuern!