Was braucht Japan?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 14. März 2011, 20:00 Uhr
ENL5454
Sehr viele, fast schon zu viele Informationen mussten wir alle in den letzten Tagen verdauen. Erdbeben, Tsunami und dann auch noch atomarer GAU - was alles wird Japan noch ertragen müssen? Nun, ich weiß es nicht, aber ich könnte mir ein Szenario vorstellen, dass, trotz allem, trotz verheerender Verwüstung, trotz so vieler beklagenswerter Opfer, am Ende wieder Mut machen kann.
Stunde Null -Szenario
Erdbeben und Tsunami brachten Verwüstung und Vernichtung, doch das heißt nicht, dass Japan nun in eine Rezession gleiten muss. Die verwüsteten Gebiete tragen zum BIP des Landes schätzungsweise bis zu 6% bei (Schätzung der Commerzbank). Betrachte ich nur diese Ausgangslage, würde ich davon ausgehen, dass sich Japans Wirtschaft nach 1-2 Quartalen des Einbruchs wieder zu erholen beginnt. Und schließlich deutlich erholen kann, denn der Aufbau der zerstörten Infrastruktur schafft Nachfrage, Arbeitsplätze..na ja, eben Wachstum.
Voraussetzung dafür ist aber auch, dass die Regierung den Wiederaufbau mit einem Konjukturprogramm unterstützt. Dieses dürfte die Kosten für das Wiederaufbauprogramm nach dem Erdbeben in Kobe 1995 in Höhe von damals etwa 20 Billionen JPY allerdings übersteigen. Nun hat die japanische Regierung natürlich nicht mal eben so 20 Billionen JPY übrig.
Das macht so manchem Ökonomen Sorgen, denn Japan ist natürlich schon sehr hoch verschuldet (glücklicherweise allerdings nicht im Ausland). Allerdings gäbe es natürlich schon Möglichkeiten: die Bank of Japan (die folgerichtig dem Markt rund 15 Billionen JPY an Liquidität zur Verfügung gestellt hat - was übrigens eine wichtige Maßnahme ist, damit das Finanzsystem nicht austrocknet) könnte ja vielleicht, ähnlich wie die FED oder auch die EZB einfach ein paar mehr Anleihen von der heimischen Regierung abkaufen. (In diesem Falle wüsste man wenigstens, dass das Geld an den richtigen Ort fließt...) und damit im gar nicht mal so ungünstigen Fall auch noch den Yen schwächen, was der exportorientierten japanischen Wirtschaft nur gelegen kommen dürfte. Zugleich sitzt Japan ja aber auch noch auf einem Riesenberg an ausländischen Assets, wie zum Beispiel US-Staatsanleihen. Japan ist nach China der zweitgrößte Gläubiger der USA. Sollte sich Japan entschließen zumindest einen Teil der US-Assets (oder auch anderer Assets) abzustoßen (was ich gar nicht mal so schlecht finde), dann könnte dies zwar im Umkehrschluss wiederum den Yen ein wenig aufwerten, aber...ganz ehrlich...es gibt Schlimmeres!
Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass Japan einen Weg finden wird, den Wiederaufbau zu finanzieren. Und das ist das von mir heute so genannte Stunde Null-Szenario (so genannt, weil es von der Stunde Null aus immer nur wieder nach oben gehen kann), denn dann kann sich Japans Wirtschaft deutlich erholen und vielleicht wird Japan so auch ein paar Altlasten los....
Das ist es, was Japan braucht: ein Stunde Null-Szenario, aber das kann nur eintreten, wenn andere Probleme gelöst worden sind...
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