Was bei der Obama-Wahl häufig übersehen wird
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 6. November 2008, 19:00 Uhr
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Ich will nur dieses Mal auf die US-Präsidentenwahl eingehen. Denn Sie haben inzwischen 100fach darüber gelesen und gehört. Ich möchte Sie aber auf einen Punkt hinweisen, den viele Leute, mit denen ich gesprochen habe, falsch einschätzen. Sie sehen Obama aus europäischer Sicht. Wie schon Bill Clinton vor ihm, ist Obama im Ausland aber wesentlich beliebter als in den USA.
Lassen Sie sich von dem klaren Sieg bei den Wahlmännerstimmen nicht täuschen. Obama hat zwar mit 349 zu 163 Wahlmännerstimmen den Republikaner McCain unerwartet deutlich geschlagen. Aber das verzerrt das wirkliche Bild im Land: Die absolute Mehrheit der Stimmen lag nur bei 52% für Obama zu 46% für McCain. Sprich: Wenn wir 100 Amerikaner in einen Raum sperren, dann sind nur 52 davon für Obama. Nicht gerade eine große Mehrheit.
Das ist ein völlig anderes Bild als im Ausland, wo Obama fast wie ein Heiliger gefeiert wird und wo Umfragen in Europa ergaben, dass bis zu 80% der befragten Europäer Obama wählen würden (mich eingeschlossen, aber mich fragt ja keiner...).
Obama hat zwar die Mehrheit im Kongress und Senat hinter sich, aber die absoluten Wahlzahlen zeigen, dass seine Unterstützung nicht so gewaltig ist, wie im Ausland fälschlicherweise angenommen wird. Es wird für ihn schon in 2009 und 2010 sehr schwer werden, radikale Veränderungen durchzuführen.
Denn in 2 Jahren finden schon die nächsten Wahlen für den Senat und den Kongress statt. Auf regionaler Ebene, wo die Wahlbeteiligung in den USA traditionell noch niedriger ist, wird Obama aber kaum in der Lage sein, die Nichtwähler in einer ähnlichen Größenordnung zu mobilisieren wie jetzt. Deshalb werden die demokratischen Senatoren und Kongressabgeordneten, die in 2 Jahren zur Wahl stehen, den Teufel tun, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen.
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