Was bedeutet der neue Rettungsschirm für den Euro?
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. Oktober 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Lange wurde um eine neue Lösung für die schwelende Schuldenkrise in Griechenland gerungen. Eine Krise, die den ganzen Währungsraum bedrohte. Nun wurde zum dritten Mal in zwei Jahren eine „Lösung" für Griechenland präsentiert. Wird diese Lösung die letzte sein? Und was bedeutet Sie für den Euro?
Ist das die endgültige Lösung?
Griechenland einen Teil seiner Schulden zu erlassen, war notwendig. Dass der Schuldenschnitt ausreichend sein wird, um Griechenlands Finanzprobleme zu lösen, darf aber bezweifelt werden. Denn der Schuldenschnitt betrifft nur Teil der Schulden. Effektiv wird sich an Griechenlands Situation nichts ändern. Das Land ist jetzt nur ein bisschen weniger pleite als vorher - aber immer noch pleite.
Ohne den Geldtopf der EU wird auch nach dem Schuldenschnitt in Griechenland gar nichts laufen. Zu viele Altschulden sind noch offen, müssen mit Zinsen bedient und irgendwann getilgt werden. Zu hoch ist trotz oder gerade wegen aller Sparmaßnahmen das laufende Haushaltsdefizit. Da die rigiden Sparmaßnahmen der Regierung die Wirtschaft abwürgten, ist das Defizit sogar gestiegen. Bei gesunkenem Steueraufkommen musste mehr Geld für die soziale Absicherung ausgegeben werden.
Nach wie vor fehlt es auch an einem Wachstumsmodell für Griechenland. Es wurde schlicht keine Vision entwickelt, wie Griechenland sich durch Wachstum sanieren könnte. Das Land ist nach wie vor in einer Abwärtsspirale gefangen, aus dem die EU keinen Ausweg anbietet.
Das Thema Griechenland wird uns also weiter beschäftigen. Wir erinnern uns: die letzte, angeblich ultimative, Problemlösung wurde uns vor gerade einmal drei Monaten präsentiert. Die Halbwertzeit von EU-Lösungen ist kurz.
Wie wird der Euro reagieren?
Kurzfristig reagierte der Euro gegenüber den meisten Währungen positiv. Das war nicht anders zu erwarten, konnten wir doch dieses Verhalten auch bei der Präsentation der vorhergehenden „Krisenlösungen" beobachten. Doch schon bald wird sich Ernüchterung breit machen. So war es auch im Mai 2010, November 2010 und Juli 2011 - also bei Rettungspaket 1 für Griechenland, Rettungspaket 1 für Irland und Rettungspaket 2 für Griechenland.
Stets stiegen die Kurse schnell - doch die Gewinne wurden anschließend in wenigen Wochen wieder abgegeben.
Am besten wird sich der Euro noch gegen den US-Dollar behaupten können. Denn die USA haben ganz eigene Finanzprobleme, die die Stabilität des Dollars untergraben. Dieses Gleichgewicht des Schreckens stabilisiert den EURUSD seit 18 Monaten.
Stabilität bietet aber auch schlicht die Tatsache, dass es Anlegern mittlerweile an Alternativen mangelt. Die vier Hauptreservewährungen US-Dollar, Euro, Yen und Pfund können alle nicht mehr als stabil und sicher gelten. Härtere Währungsräume wie der Schweizer Franken, die Kronenwährungen der nordischen Länder oder der kanadische Dollar sind schlicht zu klein, als dass sie ein adäquater Ersatz für die Sicherheit suchenden Billionenvermögen der weltweiten Anlegergemeinde sein könnten.