Warum viele Anleger diese Rallye nicht verstehen
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 15. November 2010, 19:00 Uhr
ENL5454
Ich bin in letzter Zeit viel mit der Deutschen Bahn gefahren. Es war mal wieder eine Zeit voller Licht und Schatten. Wie wir alle, habe ich mich mal wieder einige Male über Verspätungen und verpasste Anschlusszüge schwarz geärgert. Aber dann habe ich eine Information gelesen, die meine Meinung zur Bahn doch geändert hat.
Wussten Sie, dass die Deutsche Bahn an einem einzigen Tag so viele Fahrgäste befördert wie die Deutsche Lufthansa in einem ganzen Jahr? Das ist fraglos eine logistische Meisterleistung. Wenn man sich diese Dimensionen vor Augen hält, dann relativieren sich die Verspätungen der Bahn deutlich.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin alles andere als ein Fan der Deutschen Bahn. Der Service ist schlechter als in manchen Emerging Markets. Aber trotzdem muss man bei all unserem Ärger auch anerkennen, was die Bahn täglich so leistet. Vor allem, wenn man die Beförderung mit anderen Ländern vergleicht.
Doch zurück zum Markt. Mich haben einige Kommentare von Ihnen bezüglich einer möglichen massiven Rallye an den Aktienmärkten (und damit natürlich im DAX) erreicht. Die Thesen waren zwar unterschiedlich formuliert, aber im Kern alle ähnlich: Eine derartige Rallye sei vor dem Hintergrund der Probleme der Finanzbranche und der Realwirtschaft doch überhaupt nicht tragbar und realistisch.
Ein guter Einwand. Aber: Ich habe nie behauptet, dass diese Rallye fundamental untermauert oder „gerechtfertigt" sei. Das ist der Gedankenfehler, dem viele Anleger unterliegen. Dies wird zuallererst eine Liquiditätsrallye sein. Die FED hofft dann, dass die Wirtschaft nachzieht und damit sozusagen die steigenden Aktienkurse im Nachhinein rechtfertigt