Warum Sie sich vor dem Shorten von Aktien in Acht nehmen sollten
Karim Rahemtulla (US-Korrespondent) in Investoren Wissen zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
eigentlich wollte ich Ihnen gestern den letzten Teil der "Wie entsteht ein Preis an der Börse?"-Serie bringen, doch kam es hier leider zu ein paar technischen Problemen (siehe auch das P.S.), weshalb gestern auch kein Newsletter versendet wurde.
Ich werde das Thema "Wie entsteht ein Preis an der Börse?" morgen abschließen und entschuldige mich für die Verzögerung. Heute überlasse ich aber, wie jeden Dienstag und Donnerstag üblich, meinen amerikanischen Kollegen hier bei Investoren Wissen das Feld und habe anschließend noch ein paar Medientipps für Sie, die eigentlich schon gestern hätten erscheinen sollen.
Alexander Hahn
P.S.:Noch ein Hinweis in eigener Sache:
Mein Netbook wurde leider trotz gültiger kommerzieller Schutzsoftware kürzlich von einem Computervirus stark im Datenbereich beschädigt. Hierbei gelang es mir bisher nicht, alle Daten zu retten und einige sehr wichtige Dateien sind wohl unwiderruflich verloren. Sollte sich jemand von Ihnen sehr gut in solchen Dingen auskennen, würde ich mich über Tipps jeglicher Art bzw. eine kurze Zuschrift per E-Mail (einfach auf diese E-Mail antworten mit kurzer Bitte um Weiterleitung an mich) sehr freuen. Ich selbst kenne zwar die Grundprinzipien der Datenwiederherstellung, aber damit kam ich hier leider nicht in allen Bereichen sehr weit.
Warum Sie sich vor dem Shorten von Aktien in Acht nehmen sollten
von Karim Rahemtulla
Als Gruppe neigen Investoren häufig dazu optimistisch zu sein.
Das ist zumindest das, was uns von je her eingetrichtert wird. Es ist in manchen Kreisen beinahe schon unamerikanisch, auf fallende Aktienkurse zu wetten. Das ist jedoch eine irrtümliche Annahme, aber eine, die sehr einfach zu verkaufen ist.
Das ist auch der Grund, warum viele Investmentberatungsdienste nur auf steigende Kurse wetten.
Die Wahrheit ist jedoch, dass innerhalb des letzten Jahrzehnts die Renditen von auf Cash basierenden Investments die Renditen des Aktienmarktes übertroffen haben. Das alleine sollte Ihnen klar machen, dass Aktien fallen können und werden.
Sie haben wahrscheinlich auch schon ein paar Investments hinter sich, welche Sie besser nicht eingegangen wären. Wie können Sie also die Kursabschläge einer Aktie zu Ihrem Gewinn machen?
Werden Sie ein "Shorty"
Die naheliegenste Antwort wäre, die Aktien leer zu verkaufen. Eine Strategie, welche für viele eine Hassliebe ist, aber die effizient funktioniert, wenn Sie diese richtig nutzen.
Und hier liegt auch das Problem.
Das Shorten ist eine schwierige Angelegenheit. Es ist komplex. Und riskant. Und wenn Sie falsch liegen, riskieren Sie theoretisch unlimitierte Verluste.
Hier ist eine Kurzanleitung, wie der Leerverkauf funktioniert:
- Sie leihen sich von Ihrem Broker die Aktien eines Unternehmens
- Sie verkaufen diese Aktien am Markt und hoffen, dass der Kurs der Aktie fällt
- Ihr Ziel ist es dabei, die Aktien zu einem günstigeren Preis zurück zu kaufen und Ihrem Broker zurück zu geben. Wenn das passiert, kassieren Sie die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Rückkaufpreis der Aktie.
Wie ich schon erwähnte, sind Leerverkäufer oft unpopulär weil sie hoffen, dass der Markt und/oder die Aktien fallen. Aber unabhängig davon, was Leute darüber denken, gibt es noch eine viel dunklere Seite.
Leerverkauf... Der Elefant im Börsenladen
Erinnern Sie sich an den Teil, in dem ich erwähnte, dass das Shorten kompliziert ist? Ist es...
- Da die Aktien ersetzt werden müssen, müssen Sie zunächst erst einmal leerverkaufsfähig sein. Das bedeutet, dass Ihr Broker sich zunächst einmal Aktien besorgen muss, welche er dann für den Leerverkauf verleiht. Und das klappt nicht immer, außer Sie handeln Aktien von größeren Unternehmen.
- Zweitens müssen Sie in der Lage sein die Aktien zurück zu kaufen. Und das können Sie nur, wenn diese auch tatsächlich gehandelt werden. Wenn Sie Pech haben, und die Aktie, welche Sie shorten eine positive Unternehmensmeldung veröffentlicht bevor der Markt eröffnet, ist Ihr Risiko nahezu unbegrenzt, wenn die Aktien steigen.
Nehmen Sie Dendreon (Nasdaq: DNDN) als Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Aktie am 28. April 20009 zum Preis von $7.50 leerverkauft, um einen Tag später mit Entsetzen feststellen zu müssen, dass die Aktie zum Kurs von $27.00 eröffnet.
Oder nehmen wir an, Sie hätten Citigroup am 9.März 2009 leerverkauft, als die Aktie bei $1.00 notierte und es so aussah, als ob es das Unternehmen bald nicht mehr geben würde. Nun, am 11. März 2009 eröffnete Citigroup bei $1.67, was einem 67 prozentigen Verlust über Nacht auf Ihr Investment entspricht. Kein sehr angenehmes Gefühl.
Und damit war es nicht getan. Am 19. März schoss die Aktie auf $3.89. Sie hätten sich mit Sicherheit damit schwer getan, die Aktien zu einem höheren Preis zurück zu kaufen.
Das nennt man einen Short Squeeze. Konfrontiert mit unlimitierten Verlusten durch steigende Aktienkurse drängen alle Leerverkäufer darauf, ihre Positionen gleichzeitig glatt zu stellen. Dieser Anstieg ist Kaufnachfrage, gepaart mit fehlenden Verkäufern, was zu einer plötzlichen Kurssteigerung und Verlusten bei Leerverkäufern führt.
Verzichten Sie nicht aufs Shorten, jedoch denken Sie deshalb sorgsam darüber nach, bevor Sie eine Aktie shorten. Es ist eine Strategie, welche im Pechfall böse nach hinten losgehen kann. Es ist definitiv nichts für Anfänger - und selbst manch ein Profis ist im Extremfall vor Verlusten nicht gefeit.
Erfolgreiches Investieren
Karim Rahemtulla