Warum Sie noch nicht auf steigende Zinsen setzen sollten
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 23. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Ein Nachtrag zu gestern.
Da hatte ich auf die Zuschrift eines Lesers geantwortet:
„Das richtige Instrument, um von steigenden Zinsen profitieren zu können, ist also ein PUT bzw. Short-Zertifikat auf Staatsanleihen."
Ich möchte an dieser Stelle noch mal betonen, dass ich keineswegs einen solchen Schein empfehle. Denn nun auf steigende Zinsen zu setzen...das ist meiner Ansicht nach noch zu früh.
Beziehungsweise, und hier bringe ich einen immer passenden Einschub: „Es kommt darauf an."
Und zwar darauf, um welchen Markt es geht.
In Bezug auf die USA und auch Großbritannien rate ich vor Short-Zertifikaten auf Staatsanleihen dringend ab.
Denn in diesen Staaten ist es so: Dort kaufen die jeweiligen Notenbanken am Markt Staatsanleihen auf.
Dies hat den durchaus gewünschten Nebeneffekt, dass die Kurse der jeweiligen Staatsanleihen zumindest stabil bleiben bzw. sogar steigen. Und ein Short-Zertifikat auf Staatsanleihen profitiert bekanntlich nur von fallenden Kursen dieser Staatsanleihen.
Und diese Käufe der Notenbanken sind durchaus massiv. Beispiel Großbritannien:
Da hat das Finanzministerium in diesem Jahr bis jetzt Staatsanleihen im Volumen von 60,1 Mrd. Pfund emittiert (Quelle: HSBC Trinkaus). Und was hat die britische Notenbank (Bank of England = BoE) getan? Alleine seit Mitte März hat sie für 35 Milliarden Pfund Staatsanleihen gekauft. Und zwar am freien Markt.
(Das muss man sich mal vorstellen: Der Staat macht Schulden, und die Notenbank kauft die Staatsanleihen einfach mit Geld „aus dem Nichts" auf - also wenn das nicht inflationstreibend und zum Schaden der eigenen Währung ist...)
Mit anderen Worten: Das ist eine gewaltige Nachfrage, die hier sozusagen „künstlich" nach Staatsanleihen aufgebaut worden ist. Die wird auf absehbare Zeit deutliche Kursrückgänge bei Staatsanleihen verhindern.
Also: Vorsicht vor Short-Zertifikate auf Staatsanleihen! Zumindest wenn es um die USA und Großbritannien geht.
(Solange die Notenbanken weiterhin US-Staatsanleihen am freien Markt aufkaufen - was ich übrigens total daneben finde.)
*** Noch ein Hinweis: Morgen bin ich bei (oder heißt es „auf"?) der Euwax in Stuttgart - meinen nächsten Trader´s Daily-Beitrag gibt es deshalb dann am Montag.
Bis dahin!
Ihr
Michael Vaupel