Warum Sie nicht ganz aussteigen sollten
Profit Radar
vom 31. Januar 2007 19:00 Uhr
ENL5454
Ganz aussteigen, ist also nicht ratsam. Stattdessen sollten Sie Ihr Depot so umschichten, dass Sie bei einer Rallye dabei sind, aber gleichzeitig Risiko herausnehmen. Das geht zum Beispiel, indem Sie bestehende Call-Positionen verkaufen und stattdessen Aktien kaufen, die bei einer Rallye gute Outperformance-Chancen haben. Wenn dann die Rallye kommt, sind Sie trotzdem dabei, aber wenn es stattdessen zu einer Korrektur kommt, dann haben Sie die Verlustrisiken massiv reduziert.
Eine beliebte Strategie ist es auch, sich in ein Long-ausgerichtetes Depot (Sie setzen primär also auf steigende Kurse) eine Put-Position zu legen. Kommt dann die Korrektur, so werden (bei einer richtigen Umsetzung) die Gewinne aus dem Put die Verluste der Long-Positionen amortisieren. Wenn es stattdessen zu einer Rallye kommt, so verlieren Sie zwar das Kapital des Puts, aber diese Verluste werden durch die Gewinne aus den Long-Positionen überkompensiert.
Diese Strategie hat nur einen großen Nachteil. Und genau in diesem Nachteil befinden wir uns gerade. Aber der Reihe nach: Diese so genannte Hedge-Strategie bedeutet, dass Sie nur eine kleine Put-Position aufbauen. Sie wollen damit ja kein Geld verdienen, sondern Ihr Depot lediglich gegen mögliche Verluste schützen.
Geld verdienen Sie mit dieser Strategie, wenn die Rallye kommt. Folgerichtig darf die Put-Position eben nicht zu groß sein, sonst fressen bei einer Rallye die Verluste aus den Puts die ganzen Gewinne auf. Das ist ja nicht Sinn der Sache.
Folgerichtig müssen die Puts hohe Hebel haben, damit Sie selbst mit einer kleinen Position bei fallenden Kursen genug Gewinne erzielen, um die ganzen Verluste aus den Long-Positionen auszugleichen. Solche Hebel erhalten Sie aber nur, indem Sie auf risikoreiche Derivate setzen, die eine begrenzte Laufzeit (meist 6-12 Monate) haben. Und hier tut sich nun ein Problem auf: Was passiert, wenn die Börse nun monatelang seitwärts läuft? Der große Nachteil einer Hedge-Strategie ist eine Seitwärtsphase.
Denn wir wissen alle: Seitwärtsphasen sind nervenaufreibend. Aber viel schlimmer: sie dauern oft viel länger, als alle immer denken. Doch dann verliert Ihr Put an Zeitwert und Sie erleiden massive Verluste – aber ohne, dass Sie Gewinne in den Long-Positionen machen. Denn die Börse läuft ja seitwärts.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi