Warum ich Herrn Soros kritisch sehe...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 23. Februar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ich hoffe, Sie hatten ein angenehmes Wochenende.
Bevor ich zur heutigen Ausgabe komme, möchte ich einfach einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei all denen von Ihnen herzlichst zu bedanken, die bisher Zitat- und Sprucheinsendungen an mich vorgenommen haben. Viele Ihrer Sprüche sind nicht nur interessant, sondern haben mich teilweise auch sehr zum Nachdenken gebracht. Ich freue mich daher über Ihre rege Teilnahme und hoffe natürlich, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Meinen besten Dank also an alle von Ihnen!
Nun jedoch zur aktuellen Ausgabe:
Warum ich George Soros kritisch sehe...
Wie Sie lesen, werde ich heute George Soros u. a. aufgrund seiner Äußerungen vom Wochenende etwas kritisieren. Dass es sich bei Herrn Soros um einen sehr guten und erfolgreichen Investor handelt, steht sicherlich außer Frage und für seine Performance gebührt ihm professioneller Respekt.
Auch ist mir klar, dass George Soros hier in der BRD wohl bei einigen Menschen sehr beliebt ist, da er sich oftmals kritisch gegenüber dem alten US Präsidenten George W. Bush junior geäußert hatte und eine Reihe politischer Bewegungen in verschiedenen Ländern maßgeblich mitfinanziert...
Darüber hinaus setzt sich Herr Soros gerne als Prototyp eines Philantrophen in Szene. Ich möchte auf diese Punkte hier nicht näher eingehen, sondern lediglich darauf verweisen, dass es hinreichend bekannt sein dürfte, dass kein Mensch Milliardär wird, indem er stets seinen Mitmenschen vor sich selbst stellt oder nicht ganz klar einer knallharten und kalkulierenden Agenda emotionslos folgt, wie Herr Soros das gerne von sich glauben machen möchte...
Über all diese Dinge würde ich ja noch hinwegsehen, wenn ich nicht gestern Äußerungen von Herrn Soros hätte lesen müssen, welche m.E. so nicht stehengelassen werden sollten:
Hier ein Beispiel (von vielen) in Form eines Zitats aus einem Bloomberg-Artikel, welchen ich las:
Billionaire investor George Soros said the current economic crisis has its roots in the financial deregulation of the 1980s and marks the end of a free-market model that has since dominated capitalist countries.
Herr Soros möchte also mehr Regulierung und denkt hier liegt der alleinige Fehler... Hier muss ich mich doch wirklich fragen, ob er dies tatsächlich ernst meint.
Zunächst einmal kam Herr Soros in nahezu allen finanziellen Krisen der Vergangenheit mit ähnlicher Negativ-Rhetorik an die Presse... In den 1980ern, in den 1990ern, sogar in den 2000ern. Zu glauben, ein derart erfolgreicher, kalkulierender Hedgefondsmanager hätte kein Interesse daran, die öffentliche Meinung zu manipulieren, dürfte wohl auch dem letzten Zweifler seit Soros Attacke gegen das britische Pfund als ziemlich naiv erscheinen.
Vielleicht glaubt Herr Soros ja tatsächlich an das, was er sagt, doch ich kaufe ihm das nicht ab. Ein Mann in seiner Position dürfte die überzeugenden Arbeiten kennen, die z.B. von Ökonomen der österreichischen Schule veröffentlicht wurden, welche die Rolle und vor allem die Schuld von Zentralbanken im aktuellen wirtschaftlichen Geschehen aufzeigen.
Selbst wenn ihn jedoch diese Arbeiten nicht überzeugen würden...
Soros spricht von einem Modell der freien Märkte, welches angeblich nun vorüber sei. Ihm ist also nicht klar, dass wir keine freien Märkte haben, wenn Zentralbanken die wichtigste Größe einer Wirtschaft, nämlich den Preis des Geldes, planwirtschaftlich festlegen? Wer's glaubt...
Ich möchte mich hier nicht öffentlich in Spekulationen ergehen, was die Hintergründe solcher Aussagen seitens Herrn Soros sind.
Doch sollten Sie Aussagen von Finanzgrößen, welche Sie im Fernsehen oder in den Medien sehen, stets kritisch betrachten. In den wenigsten Fällen geht es darum, Ihnen zu helfen und je mächtiger die Personen (die sich ja selbst auch gerne im eigenen Größenwahn als die "Masters of the Universe" bezeichnen) sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine eigene Agenda verfolgt wird bzw. die Welt nur als eine Ansammlung Schachfiguren gesehen wird, die es entsprechend zu verrücken gilt.
Um Hilfe für den "kleinen Mann" geht es wohl auch nicht bei Herrn Soros und seinen Statements, wenn er das Ende der freien Märkte proklamiert bzw. einen Mangel an Regulierung für die Krise verantwortlich macht.
Auf mich wirken solche Aussagen wie eine Suggestion, dass es sich gar nicht lohne, für den Erhalt des Kapitalismus zu kämpfen. Hier muss ich Herrn Soros entschieden widersprechen.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
In diesem Sinne... Seien Sie kritisch und wach gegenüber dem, was man Ihnen in den Medien vorsetzt. Nicht nur im Finanzbereich...
Beste Grüße
Alexander Hahn