Warum ich diesen Hedgefonds regelrecht hasse
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Fonds
vom 24. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Ach wissen Sie...bei manchen Hedgefonds, da frage ich mich ernsthaft, ob/wie sich die Manager morgens reinen Gewissens ihr Gesicht im Spiegel anschauen können.
Da ist die Frage, an welchem Tag Gott solche Hedgefonds geschaffen hat. Und ob er nicht an diesem Tag hätte ruhen können...
Ich habe durchaus einen konkreten Anlass für meinen gerechten Zorn (bezeichne ich jetzt einfach einmal so)!
Gelegentlich schaue ich, was mein geschätzter Kollege Greg Palast so recherchiert hat. Und gerade hat er zum von mir geliebten Thema und Kontinent Afrika recherchiert. Und Hedgefonds.
Es geht um den westafrikanischen Staat Liberia.
Muss wohl eine ganz üble Gegend da sein (hoffentlich „gewesen sein"). Ich erinnere mich an Reiseberichte von Peter Scholl-Latour und Ryszard Kapuściński, welche in drastischen Worten ihre Erlebnisse in diesem gescheiterten Staat schilderten. Bürgerkrieg, Blutdiamanten, geschundene Bevölkerung, eines der ärmsten Länder der Welt.
Dann Hoffnung: Ende des Bürgerkriegs, faire Wahlen, eine Frau - Ellen Johnson Sirleaf - wird Präsidentin. Sie geht gegen Korruption vor, ist offensichtlich durchaus Hoffnungsträgerin des Volkes. Liberia ist faktisch bankrott - hofft auf einen Neustart. Internationale Geberkonferenzen erlassen dem Land seine Auslandsschulden, was staatliche Forderungen betrifft. Liberia selbst macht das Angebot, eine (eher symbolische) Zahlung von 3 Cent je US-Dollar Schulden zu leisten.
Darauf einigen sich die Gläubiger mit Liberia.
Na, und dann ging dieser Hedgefonds hin, und trat an die Gläubiger heran. Die 3 Cent je ein Dollar Forderung geben wir euch auch, hier, cash. Und so kaufte der Hedgefonds die Forderungen auf, zu etwa 3% des Nominalwertes.
Und was machte dieser Hedgefonds dann?
Verklagte Liberia. Zur Zahlung von 100% des Nominalwertes der Schulden, die der Hedgefonds inzwischen aufgekauft hatte.
Es geht hier wohl um eine Klage zwischen 20 und 28 Millionen Dollar. (Gezahlt hat der Hedgefonds davon im Bereich 3%. Es geht also mithin um eine Verdreiundreißigfachung des Einsatzes).
Wenn internationale Gerichte der Klage stattgeben, müsste Liberia - eines der ärmsten Länder der Welt, wo es nun endlich einmal so etwas wie Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage gibt - dies an den Hedgefonds zahlen.
Soviel zum Thema smarte Hedgefonds-Manager.
*** Manchmal denke ich mir, dass eine aufgeklärte Diktatur wohlwollender, am Gemeinwohl orientierter Trader´s Daily-Mitglieder sowie eine mehr am Ius talionis orientierte, entschlossenere Gerichtsbarkeit, doch die bessere Staatsform wäre.
Mit entschlossenem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel