Warum Herr L. unbedingt will, dass Taipan diese Aktie empfiehlt
Profit Radar
vom 15. Dezember 2006 19:00 Uhr
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Leider gehören diese Leser dann auch häufig zu denjenigen , die sich häufig von kostenlosen Pusher-Mails blenden lassen. Diese Woche hatte ich das Vergnügen selbst mit einem solchen Pusher zu sprechen. Diese wenden sich mittlerweile gezielt an Börsenredaktionen, um diese dazu zu bewegen, ihre zweifelhaften Werte zu empfehlen. Herr L. wollte mir einen Wert dringend ans Herz legen – einen Micro Cap aus dem Verteidigungsbereich mit einer Mini-Börsenbewertung von 45 Mio. US$ und 16 Mitarbeitern.
Ich fragte Herrn L., was er denn für ein Interesse daran hätte, mir diesen Wert zu empfehlen. Er könne sich vorstellen, dass dieser Wert für Taipan-Leser sehr spannend sei. Auf meinen Einwand hin, dass viele solcher ungebetenen Empfehlungen häufig auf Finanzdienstleister zurück gehen, die im Auftrag dieser US-Minifirmen die Aktie dann in Deutschland bekannt machen sollen und in der Regel schon vorgekauft haben, reagierte Herr L. nicht. Vielmehr bot er mir weiteres Informationsmaterial und ein direktes Gespräch mit dem CEO dieser Firma an.
Ich lehnte ab. Denn wir haben über unsere Kontakte in den USA sowie eigene umfangreiche Datenbanken ausreichend Möglichkeiten, die Qualität eines Unternehmens zu überprüfen. Herr L. lies aber nicht locker und argumentiere: „Seit einigen Tagen steigt auffällig das Handelsvolumen. Und der Kurs steigt immer weiter an.“ Ich sollte mir deshalb unbedingt das Unternehmen für die nächste Taipan-Ausgabe anschauen. Nun, wie die Taipan-Leser wissen, steht die aktuelle Taipan-Ausgabe jetzt zum Download bereit. Und: Den von Herrn L. so dringend empfohlenen Wert werden unsere Taipan-Leser darin nicht finden. Als ich mit Herrn L. telefonierte, stand der Aktienkurs bei 4,05 US$. Jetzt ist er urplötzlich auf 2,70 US$ abgesackt.
War das die große Meldung, auf die Herr L. gewartet hat? Das Mini-Unternehmen hat Quartalszahlen gemeldet. Der Micro Cap hat es geschafft, einen Profit von 745.000 US$ zu erzielen, nachdem im Vorjahresquartal zuvor noch einen Verlust von 3,5 Mio. US$ ausgewiesen wurde. Eine tolle Leistung, oder nicht? Zuvor hatte das Unternehmen in einer Pressemitteilung von einem „signifikanten Umsatzanstieg und einem substanziellen Gewinne“ gesprochen, der im nächsten Quartal erzielt werden würde. Nun, warum hat dann die Börse mit einem Absturz von 4,05 US$ auf 2,70 US$ reagiert? Wenn man die Pressemitteilung genauer nachliest, findet man die Antwort: Das Unternehmen hat nicht etwa toll gewirtschaftet, sondern hat im Wert von 2 Mio. US$ bereits abgeschriebenes Inventar verkauft. Herr L., so etwas nenne ich schlicht unseriös. Komischerweise war der CEO dieses windigen Unternehmens nach einer Meldung des Wall Street Journals für einen Kommentar nicht erreichbar. Ich hoffe, Herr L. hat fleißig vorgekauft, denn dann weiß er, wie es ist, wenn man gutgläubige Anleger in windige Unternehmen schickt, die dann wie eine Seifenblase zerplatzen.
Jetzt werden Sie verstehen, warum ich auf derartige Pusher-Mails- und Anrufe nie zum Anlass nehmen, entsprechende Empfehlungen für unsere Leser auszusprechen.
Gute Kurse und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Volkmar Michler