Warum eine Jahresrendite von 14 % langfristig „gigantisch“ ist
Tom Firley in Investors Daily
vom 4. Mai 2011, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
sicherlich haben Sie an der Börse schon einmal Gewinne und Verluste realisiert. Mal waren es 12% Gewinn, mal sogar 30% und wenn Sie schon länger dabei sind, haben Sie bestimmt auch schon einmal 50% Gewinne mitgenommen oder sogar einen Verdoppler (also 100% Gewinn) geschafft. Vielleicht gehören Sie auch zu den Glücklichen, die schon weit mehr an prozentualen Gewinnen geschafft haben.
Zu den Gewinnen an der Börse gehören leider aber auch Verluste, früher oder später. Also haben Sie vermutlich auch schon mal 10% Verlust realisiert oder sind mit 20% oder 30% Verlust ausgestoppt worden. Das bedeutet ganz einfach:
Gewinne und Verluste gehören einfach zusammen. Nur redet man lieber über Gewinne als über Verluste. Das liegt in der Natur der Sache. Betrachten Sie die folgende Überlegung bitte mit dem nötigen Realismus und schalten Sie nicht ab, wenn Ihnen 14% Jahres-Rendite langweilig erscheinen. Denn:
Warum 14% durchschnittliche Jahresrendite gigantisch ist
Angenommen, ich würde Ihnen einen Börsendienst anbieten, der folgendes verspricht:
1.) Durchschnittliche Jahresrendite: 14%
Das bedeutet also, dass der Börsendienst Ihnen eine Performance wie eine sichere Langfristanlage bringt, die 14% Zinsen aufweist (die gibt es aber leider nicht...)
2.) Börsendienst existiert mindestens 20 Jahre
Gehen wir also einfach einmal davon aus, dass es das Börsengeschäft auch noch in 20 Jahren gibt...
Wieviel wäre Ihnen solch ein Börsendienst wert?
Gar nichts, 100, 300 oder gar 1.000 Euro im Jahr?
Ich möchte Sie nicht auf die Folter spannen. Solch ein Dienst wäre fast unbezahlbar. Wenn sich jetzt bei Ihnen die Fragezeichen auftürmen, dann schauen Sie einfach auf die Tabelle, die ich Ihnen im nächsten Beitrag mitgebracht habe. Dort sehen, was mit Ihrem Kapital mit einer jährlichen „Verzinsung" von 14% passiert. Hier die wichtigsten Eckdaten:
Am Anfang sieht das Ganze noch nicht so wahnsinnig „explosiv" aus. Nach 5 Jahren hätten Sie Ihr Kapital gerade einmal knapp verdoppelt. Aber nach 20 Jahren würde sich Ihr Kapital ver-dreizehn-fachen. Aus 50.000 Euro werden bei dieser Berechnung dann also 650.000 Euro. (Nebeninformation: Nach 26 Jahren hätte sich das Kapital ver-dreißig-facht...).
Auf was kommt es also an?
Auf die Nachhaltigkeit, die Kontinuität der Gewinne, schlussendlich die „Ausdauer" - sei es als Investor, Spekulant, Trader oder auch als Börsendienst.
Um ehrlich zu sein: Ich kenne sehr viele Börsendienste. Ich lese Börsendienste, die regelmäßig einen 100%er im Depot haben (dafür manchmal aber auch entsprechende Verluste...). Und ich kenne Börsendienste (übrigens aus dem Investor Verlag), die das Geld der Leser innerhalb von ein paar Jahren verfünffacht haben.
Aber ich kenne keinen Börsendienst, der über einen Zeitraum von 20 Jahren eine durchschnittliche Jahresperformance von („nur") 14% geschafft hat. Falls Sie einen kennen, geben Sie mir bitte Bescheid.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Eines ist klar: Wenn der Dax in einem Jahr um 20% steigt, ist es vermutlich keine großartige Kunst eine Aktien-Rendite von 14 Prozent zu erzielen. Anders sieht es sicherlich aus, wenn die Börsen - wie zum Beispiel während der Finanzkrise - um mehr als 40 Prozent einbrechen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Müller (04.05. 2011 19:09 Uhr):
Hallo Herr Firley, vorweg ich schätze Ihre Kommentare sehr. In dem Beispiel von heute muss ich Ihnen allerdings wiedersprechen , da die Kosten des Börsendienstes eine erhebliche Rolle spieln. Bei 50.000€ Grundkapital sind 1000€ Kosten anstelle von 14% Rendite nur noch 12 %. Ergibt einen Gewinn von ca. 450.000€ in 20 Jahren anstelle von ca. 665.000€ . Damit fast 1/3 weniger. Bei 10.000€ Grundkaital sogar nur noch 4 % Rendite und damit ca. 1/10 des Gewinns ohne Kosten. Rechnet man eine 3%ige Inflation noch ab, bleibt fast nichts übrig.
Antworten - Kommentar von Aladin (04.05. 2011 19:17 Uhr):
sehr guter und ehrlicher Beitrag. Ich frage mich nur ob der Verlag von ihnen Herrn Firley Sie noch lange Artikel schreiben lässt denn schließlich zählt der FID Verlag zu einem Verlag der schon lange sehr agressiv mit Traumrenditen wirbt. Ist das seriös?
Antworten - Kommentar von Diener (04.05. 2011 23:10 Uhr):
Das sehe ich genau so wie Müller. Mit kleineren Einstiegsbeträgen lohnt sich die Sache wegen der Kosten kaum. Das gilt aber sicherlich auch für andere Börsendienste. Als älterer Mensch rechnet man auch nicht auf eine Dauer von 30 Jahren. Legt man 15.000 Euro an und wartet 10 Jahre, so hat man eine Rendite von 9,23% p.a. und das Kapital etwas mehr als verdoppelt. Zu Zeiten von Niedrigzinsen sicher auch nicht schlecht, aber auch nicht der Wahnsinn.
Antworten - Kommentar von Hans Peter Holbach (05.05. 2011 01:53 Uhr):
Nicht 14 %, aber immerhin 13.74 % ist seit 20 Jahren der durchschnittliche jährliche Wertzuwachs beim Geldbrief-Musterdepot TOP TEN.
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