Warum die Rally weitergeht
Investors Daily
vom 17. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Warum die Rally an den US-Börsen im Wesentlichen weitergeht:
1) Bekannte Hightech-Aktien bringen nachbörslich "positive Unternehmensergebnisse, die über den Erwartungen lagen"; 2) Die hochbewerteten Hightech-Aktien schießen dann nachbörslich nach oben, was zu einem "bullishen Ton" für den folgenden Tag führt; 3) Bei CNBC redet Maria Bartiromo den ganzen Abend lang atemlos über die positiven Ergebnisüberraschungen der Hightechs; 4) Die Aktieninvestoren der Nation gehen mit dem Wissen zu Bett, dass der Bullenmarkt bei den Aktien am nächsten Morgen weitergehen wird; 5) Wenn dann der Aktienmarkt am nächsten Morgen eröffnet, gibt es eine neue Flut von Kaufordern für Hightech-Aktien ... und, voilà, ein neuer positiver Handelstag ist geboren.
So war das zum Beispiel, als Intel diese Woche ein über den Erwartungen liegendes Ergebnis und einen verbesserten Ausblick präsentiert hatte. Am nächsten Morgen sprang der Kurs der Intel-Aktie unmittelbar nach Handelseröffnung um mehr als 5 % nach oben.
Die Bullen müssen noch nicht verzweifeln. IBM hat mit seinem Quartalsergebnis nicht nur die Erwartungen übertroffen, sondern auch überraschende Pläne für 2004 angekündigt. Die Gesellschaft hat mitgeteilt, dass sie hofft, im nächsten Jahr 10.000 neue Leute einzustellen.
Dennoch fiel der Aktienkurs von IBM nachbörslich zurück. Das bringt die sehr wichtige Frage auf: Ist eine starke wirtschaftliche Erholung beim Aktienmarkt schon eingepreist? Es stimmt, dass die Wirtschaft in den USA wieder Lebenszeichen von sich gibt. Aber es stimmt auch, dass die Aktien nicht billig sind. Ist es nicht möglich, dass die hoch bewerteten Aktienkurse bereits mehr als ausreichend die aktuelle wirtschaftliche Realität widerspiegeln?
Die Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung sind fast so zahlreich wie die Zeichen für eine Übertreibung der Aktieninvestoren. Hier in New York ist der Empire State Index (der Auskunft über die Lage der regionalen Produzenten gibt) im Oktober auf 33,7 Punkte geschossen, nach 18,4 Zählern im September. An der Wall Street steigen die Zinsen – auch das ein Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung. Die Rendite der 10jährigen US-Anleihen ist auf 4,38 % gestiegen, das ist so hoch wie seit Anfang September nicht mehr.
Aber sind die positiven Fakten in den Aktienkursen nicht längst drin? Schreit ein Nasdaq-Composite, der ein durchschnittliches KGV von 50 hat, nicht schon längst sehr laut "Erholung!"?
Der Nasdaq Composite schreit nicht nur "Erholung", sondern "nachhaltige Erholung". Und her ist der Punkt, wo ich die Sache anders einschätze. Denken Sie z.B. einmal darüber nach, dass der Zuwachs bei den Konsumentenausgaben nur eine einmalige Sache – dank den Steuersenkungen von George W. Bush – sein könnte. Die Einzelhandelsumsätze, die im August geboomt hatten, sind im September wieder zurückgegangen, laut den jüngsten Zahlen vom Commerce Department.
Bedenken Sie auch, dass der amerikanische Finanzsektor in seine eigene private Rezession rutscht, dank den steigenden Zinssätzen. Die Finanzindustrie war einer der wenigen Wirtschaftszweige, in dem noch nach dem Jahr 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden waren – während in der Industrie 2,6 Millionen Jobs abgebaut wurden. Aber jetzt beginnen auch die Finanz-Jobs zu verschwinden, während in anderen Industriezweigen ein oder zwei neue Jobs geschaffen werden.
Leider könnten die Jobverluste in der Finanzindustrie größer sein als die Jobgewinne in anderen Sektoren, wie z.B. bei IBM. Mit anderen Worten: Die "Erholung ohne neue Arbeitsplätze" könnte noch etwas so weitergehen.
Und bedenken Sie bitte auch, dass die Finanzgesellschaften nicht die einzigen amerikanischen Gesellschaften sind, die gegenüber steigenden Zinssätzen verletzlich sind. Ich habe mehrfach im Investor's Daily darauf hingewiesen, dass auch versteckte Finanzgesellschaften wie General Motors (GM) verletzlich sind.
Dieser riesige Autobauer hat vorgestern einen Gewinn von 425 Millionen Dollar für das dritte Quartal ausgewiesen. Aber der Autobereich hat dazu nur 34 Millionen Dollar beigetragen – nach 368 Millionen Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Es waren die Finanzabteilungen von GM, besonders die Hypothekenvergabe, die den größten Teil der GM-Gewinne ausmachten. Ja, Sie haben richtig gelesen: GM verdient sein Geld hauptsächlich mit der Hypothekenvergabe! Und da spricht man von einem "Autokonzern"?
Der hoch bewertete US-Aktienmarkt könnte auf das Trauma von steigenden Zinssätzen schlecht vorbereitet sein ... ich werde Sie auf dem Laufenden halten.
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