Warum die Kurse bei guten Meldungen fallen
Investoren Wissen
vom 06. Dezember 2005 16:00 Uhr
ENL5454
Ich hoffe, Sie haben vergangene Woche den Beitrag meines Kollegen Mark Skousen zur "Weihnachtsrally" gelesen.
Mark zeigte dabei ganz deutlich, dass Aktien in den USA in den letzten beiden Monaten des Jahres meist stark zulegen können. Und tatsächlich war es auch in diesem Jahr wieder so. Bis "Thanksgiving" gingen die Kurse schön nach oben.
Aber halt! Bevor Sie jetzt einsteigen und hohe Kursgewinne im Dezember erwarten, sollten Sie kurz warten.
Es stellt sich nämlich die Frage ob wir den Rest der Weihnachtsrally in der letzten oder den letzten beiden Wochen des Jahres bekommen? Können Sie vielleicht etwas später deutlich günstiger einsteigen? Beides ist ziemlich wahrscheinlich.
Denn die Kurse dürften kurzfristig nicht mehr steigen.
Wenn der Markt den Zahlen nicht glaubt
Zuerst kam die Meldung, dass das Weihnachtsgeschäft in den USA super angelaufen sei.
Dabei erweckten die Kommentatoren in den Medien den Eindruck, dass im Falle eines guten Weihnachtsgeschäfts auch die Weihnachtsrally weiterlaufen würde.
Tatsächlich stiegen die Umsätze im Weihnachtsgeschäft gegenüber dem Vorjahr bisher um 22 %. Die Zeitungen jubelten. Und der S&P 500 Future stieg am Morgen nach Bekanntgabe der Zahlen.
Aber dann, als der Markt eröffnete, passierte etwas eigenartiges: Die Aktienkurse fielen wie ein Stein nach unten. Und noch schneller ging es mit den Aktien der Händler nach unten. Und dann kam noch ein enttäuschender Bericht über die Zahlen der Hauskäufe und so ging es noch weiter nach unten.
Dann kamen die Erklärungsversuche der Medienexperten. Die Aktien gingen runter, weil nur die Discounter wie Wal-Mart ein starkes Weihnachtsgeschäft gehabt hätten. Im restlichen Handel sei das Geschäft dagegen eher bescheiden verlaufen.
Aber Wal-Mart fiel genau so stark, wie die anderen Aktien der Branche.
Ich weiß auch nicht, warum die Aktien im Retailbereich nach den guten Zahlen so schwach waren. Aber ich bin clever genug auszusteigen, wenn es passiert.
Gute Nachrichten + negative Reaktionen = kurzfristiger Ärger
Folgendes Muster ereignet sich immer wieder an der Börse:
Es gibt eine wichtige Meldung mit einer eindeutigen positiven oder negativen Aussage.
Die Aktie oder der gesamte Markt fällt bei guten Meldungen und steigt bei schlechten Nachrichten.
Die Experten kommentieren die Reaktion des Marktes und tun so, als ob sie sie verstehen würden.
Die Aktie oder der breite Markt läuft weiter in die entgegengesetzte Richtung.
Die meisten Anleger wundern sich warum sie Geld verlieren, obwohl die Nachrichten doch Ihre Meinung bestätigen.
Wir sind aber keine durchschnittlichen Anleger. Wir hören zu, wenn uns der Markt etwas wichtiges zu sagen hat.
Wie können wir dieses Muster nutzen? Wir können entweder auf diese entgegengesetzte Bewegung aufspringen wenn sie stark genug ist. Oder wir steigen einfach nur aus, wenn wir investiert waren.
Das können Sie tun, wenn der Markt einer Nachricht nicht traut
1. Ist die Nachricht wirklich eindeutig? Es ist sehr wichtig zu verstehen, warum eine Nachricht ignoriert wird oder sogar eine Reaktion in die Gegenrichtung verursacht. Wir müssen sicher sein, dass eine Meldung keinen Haken hat.
Beispielsweise kann ein Unternehmen ständig gute Zahlen bringen, die sogar noch besser sind, als die Erwartungen. Aber wenn die Firma einen schlechteren Ausblick gibt, dann kann das zu fallenden Kursen führen.
Es gibt aber auch Nachrichten, die eindeutig sind. Der Hurrikan Katrina war ganz klar kurzfristig schlecht für die Ölversorgung der USA. Hier gab es keinen Hoffnungsschimmer. Genau so war es mit den Zahlen zum Weihnachtsgeschäft. Es gab keinen Haken an der Meldung. Trotzdem gingen die Aktien der Branche und der gesamte Markt nach unten.
2. Ist die Aktie oder der breite Markt überkauft, wenn die Meldung kommt? Damit können wir abschätzen, wie stark die Reaktion sein wird. Wenn die Aktie oder der Markt schon vorher stark gestiegen ist und neue Höchststände markiert hat, dann sollten gute Meldungen eigentlich dafür sorgen, dass es noch weiter nach oben geht.
Aber wenn die Kurse nach einer guten Meldung fallen, könnte das der Auslöser für eine Korrektur in einem überkauften Markt sein.
Genau so war es bei Hurrikan Katrina. Öl war schon extrem gestiegen. Die Katastrophe brachte dann einen Wendepunkt bei den Ölpreisen und einen deutliche Kursrückgang.
An der Börse gingen die Kurse in den 6 Wochen vor "Thanksgiving" nach oben. Sie markierten ein 4 Jahreshoch. Dann kamen gute Zahlen vom Handel. Die Kurse gingen danach sogar leicht hoch, dann kam aber der Kursrückgang. Das war für mich ein ganz eindeutiges Zeichen dafür, dass wir eine Korrektur bekommen. Und so kam es dann auch.
Wie man auf eine Weihnachtsrally setzt
Im Moment sind wir an einem Punkt, von dem aus die Aktien wahrscheinlich weiter nach unten gehen werden. Einsteigen ist jetzt wahrscheinlich nicht das Beste, was Sie machen können. Wenn Sie im Moment nicht an die Fortsetzung der Weihnachtrally glauben, können Sie folgendes machen.
Alternative 1: Lassen Sie die Korrektur laufen. Bei Kursrückschlägen haben Sie eine gute Möglichkeit, günstigere Einstandspreise zu bekommen. Die Korrektur ist sehr wahrscheinlich vorbei, wenn wir einen Schlusskurs haben, der über dem höchsten Punktestand der letzten beiden Handelstage liegt.
Alternative 2: Warten Sie auf neue Höchststände. Warten Sie darauf, dass der Markt über dem alten Hoch bei 1170,64 beim S&P 500 schließt. Dann können Sie mit der Bestätigung einsteigen, dass sich die alte Aufwärtsbewegung wieder fortsetzt.
Aber was, wenn wir keine neuen Hochs mehr sehen? Dann haben Sie sich eine Menge Geld gespart weil Sie nicht eingestiegen sind.
Chart der Woche
Chart der Woche – Retail Holder
Nach einem dreifachen Tief Ende Oktober ist die Aktie von Retail Holder (AMEX: RTH) in einem Aufwärtstrend. Kurzfristig gab es jetzt aber einen Kursrückgang. Die Aktie liegt derzeit bei ihrem gleitenden Durchschnitt von 20 Tagen.
Viele Chartanalysten kaufen bei einem Rückgang auf diese Marke. Wenn Sie glauben, dass die Zahlen zum Weihnachtsgeschäft den Aktien der Branche doch noch helfen werden, können Sie an diesem Punkt gut auf einen Anstieg der Aktie setzen. Mehr zum Thema gleitende Durchschnitte finden Sie unter: