Warum die IEA ein bullisches Signal aussendet
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. Juli 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
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Das Psycho-Signal
Überlegen wir einmal gemeinsam, welche Wirkung die IEA-Entscheidung eigentlich hat. Während wir also vor ein paar Wochen noch ganz träge die hohen US-Bestände angeschaut haben, kam ganz plötzlich (na ja, zugegeben, nicht ganz so plötzlich) die IEA vorbei und hat Alarm geschlagen. Wir verstehen, dass die staatlichen Reserven nach Notlagen wie Hurrikan Katrina angegriffen werden, aber jetzt?
Dachten wir denn nicht, es sei alles in Ordnung?! Offenbar ist das nicht der Fall! Ganz offensichtlich scheint uns die IEA mit ihrem Alarm-Signal auf fundamentale Probleme hinweisen zu wollen.
Welche könnten das sein?
Nun zum einen scheinen die Saudis Probleme zu haben (siehe erster Teil). Entweder ihre freien Kapazitäten sind zu gering, oder die Qualität ihres Öls lässt deutlicher zu wünschen übrig. Und ähnliches gilt offenbar auch für die Nicht-OPEC-Produzenten (die immerhin rund 57% zum weltweiten Angebot beitragen). Sehen wir es mal so: die IEA hätte doch auch einfach die OECD-Produzenten (die rund 21% zum weltweiten Angebot beitragen) nach einer Produktionserhöhung fragen können. Die haben aber ganz offensichtlich (ebenso wie andere Nicht-OPEC-Produzenten) keine freien Kapazitäten mehr.
Die IEA macht uns also freundlicherweise darauf aufmerksam, dass wir es (angesichts eines zu erwartenden stetigen Verbrauchswachstums, vor allem in China) bald mit Problemen auf der Angebotsseite zu tun bekommen, bzw. diese bereits vorhanden sind, aber angesichts des schleichenden Verbrauchs der Industrienationen noch verschleiert vor uns liegen. Tja, dann, was könnte wohl ein bullischeres Signal für den Markt sein, als das?! (sobald der Herr Markt das vollauf bemerkt...)
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Die Staatsreserven
Bislang haben die Staaten weniger als 60 Millionen Barrel aus ihren eisernen Vorräten abgegeben. Das ist noch nicht so viel. Doch von Seiten der IEA wurde schon angemerkt, dass man bei Bedarf durchaus nochmal (und vielleicht nochmal?) auf die Staatsreserven zurückgreifen würde.
Hmm...ich sag's mal so: alles was die Staaten jetzt (oder etwas später) herausgeben, müssen sie schließlich auch wieder ersetzen. N'est-ce pas?!
Oder um es anders zu sagen: die Staaten müssen ihre Reserven schließlich auch wieder auffüllen, was dann zusätzliche Nachfrage begründet und somit die Preise auch irgendwann zusätzlich unterstützen wird.
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Alternative Ölförderung
Und last but not least dürfen wir nicht vergessen, dass viele der konventionellen Lagerstätten ihr Peak bereits erreicht bzw. überschritten haben (wie beispielsweise unser geliebtes Brent-Feld, welches unserem Nordsee-Referenzöl erst den Namen gab), weshalb in den letzten Jahren immer stärker nach alternativen Lagerstätten gegriffen wird, wie Ölsandvorkommen, Vorkommen in Schiefergestein oder auch die Tiefsee-Förderung (mit der BP zugegeben ja nicht so viel Glück hatte).
Wir dürfen aber vor allem nicht vergessen, dass diese Alternativen Geld kosten, bzw. nur dann rentabel sind, wenn die Ölpreise zumindest über einem bestimmten Level notieren (ich rechne im Durchschnitt mit einem Ölpreis von 80 USD pro Barrel, ab dem die meisten alternativen Lagerstätten, durchschnittlich betrachtet, rentabel abbaubar sind).
Nehmen wir nun einmal (ganz übertrieben) an, die IEA würde die Welt mit Öl überfluten und den Preis auf 20 USD/Barrel drücken. Dann wären die meisten dieser alternativen Lagerstätten nicht mehr rentabel, würden vielleicht aufgegeben, weshalb es dann wieder am Angebot mangelt und der Preis schließlich erneut in die Höhe schießen würde. Das ist jetzt natürlich, wie gesagt, übertrieben ausgedrückt, doch es reicht schon, wenn die Ölpreise auf niedrigeren Levels rumdümpeln, unter denen die Margen der Produzenten leiden, weshalb Investitionen verpasst werden, um ein abgeschwächteres, ähnliches Szenario zu kreieren.
Na ja, sobald Herr Markt sich auch dessen bewusst wird, hat er erneut einen Grund, höhere Preise zu antizipieren...
So long liebe Leser...so viel einmal für heute zu meinen Überlegungen, die mich dazu führen, auch mittelfristig (langfristig sowieso) eher von hohen Ölpreisen auszugehen...nächste Woche werden wir uns dann noch ein paar Gedanken darüber machen, wie es mit dem Spread zwischen WTI und Brent weitergehen könnte...bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wolfgang Boeck (07.07. 2011 21:52 Uhr):
Hallo Frau Kraus, danke für die exzellente Analyse. Interessant: heute kam über meinen Ticker rein, dass die lybische Regierung (Ghaddaffi) mit russischen und chinesischen Firmen über die weitere Ausbeutung des lybischen Öls verhandelt. Mit Öl kann man also auch Schutzengel kaufen!
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