Warum die Benzinpreise stärker verloren haben als die Rohölpreise
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 08. September 2006 20:45 Uhr
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Das Ende des Sommers bringt in den USA auch ein Ende der Autofahrsaison („Driving Season“). Deshalb stehen die Benzinpreise zurzeit relativ stark unter Druck. Allerdings hat der starke Rückgang dann doch einige Marktteilnehmer überrascht. Seit ihrem Hoch Anfang August fielen die Benzinpreise in den USA nämlich um 25 % auf 1,65 USD je Gallone. Das Rohöl hat im gleichen Zeitraum nur rund 15 % verloren.
Die Differenz hat dazu geführt, dass die Raffinerien in den USA mittlerweile kein Geld mehr in der Verarbeitung von Rohöl zu herkömmlichen Bleifreibenzin verdienen können.
Die Umstellung der Raffinerien vom Treibstoffzusatz MTBE auf Ethanol hat demnach auch den Investmentmarkt für Benzin geändert. Der bislang gehandelte Future auf „Unleaded Gasoline“ der New Yorker Mercantile Exchange wird demnach durch den so genannten „Reformulated Gasoline Blendstock for Oxygen Blending“ ersetzt, welcher einen 10 % Ethanolanteil besitzt. Entsprechend müssen natürlich auch die Indexfonds reagieren und verkaufen ihr Bleifreibenzin „Unleaded Gas“ und kaufen stattdessen den Reformulated Gasoline Blendstock.
Eigentlich ist das nur eine „technische Angelegenheit“ doch der Markt hat offenbar eine Pressemeldung falsch eingeschätzt, die bereits am 29. Juni von Goldman Sachs herausgegeben wurde. Sie wissen ja Goldman Sachs hat die wichtigen GSCI-Indizes unter seiner Kontrolle, welche viele Fonds nutzen, um die Rohstoffe zu kaufen. Auf der Internetseite der Chicago Mercantile Exchange habe ich folgende Pressemitteilung gefunden:
„Goldman Sachs has determined that for the roll occurring in September 2006 (the“September Roll”) in relation to the GSCI futures contract expiring in October 2006, it
will roll the existing portion of the GSCI that is attributable to RB contract but will not roll any portion of the GSCI that is attributable to the HU contract into the RB contract.”
Das hört sich jetzt verdammt kompliziert an, bedeutet aber letztendlich nichts anderes, als das Goldman Sachs seine Positionen im Bleifreibenzin nicht komplett in den neuen Bleifreibenzin Kontrakt mit Ethanolzusatz investieren wird, sondern nur die bereits bestehenden Positionen. Dadurch entstand kurzfristig einen enormer Verkaufsdruck für das Benzin. In diesem Falle war natürlich auch der gesamte Benzinkomplex davon betroffen, da es den Autofahrern ja fast egal ist, welches Benzin sie tanken. Da Goldman Sachs sowohl Kontrakte im Oktober und November gekauft hat, ist jetzt die Hälfte dieser Anpassung vollzogen worden.
Für den Anleger bieten sich aufgrunddessen jedoch nur wenige Investmentchancen. Die Raffineriemargen werden zwar nicht dauerhaft bei Null bleiben, sondern wieder anziehen und dann steigen natürlich auch die Benzinpreise wieder stärker als das Rohöl. Aber das wird im Terminmarkt ja bereits erwatet.
So liegt Benzin per Lieferung im Januar 2007 mit 1,77 USD je Gallone bereits wieder über den aktuellen 1,66 USD/Gallone. Ein Barrel entspricht 42 Gallonen. Damit liegen die Raffineriemargen im Januar bei rund 6 USD, was für den Winter einen guten Wert darstellt. Per August 2007, also in der nächsten "Driving Season" werden bereits 2,06 USD je Gallone bezahlt, was einer Raffineriemarge von 14 USD je Barrel entspricht.
Allerdings wurden einige US-Raffinerieaktien in den letzten Wochen stark abgestraft, vielleicht sollten Sie dort nach Möglichkeiten Ausschau halten.
Viele Grüsse
Andreas Lambrou