Warum der Weizenpreis schwächelt
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 19. Januar 2012, 12:00 Uhr
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Trader´s Daily-Leser Viktor R. schrieb mir:
"Können Sie auch über Weizen-Korn-Reis solches schreiben? Ganze Welt macht Unruhen, die Leute arbeiten nicht, Brot essen täglich, aber Weizen-Korn-Reis Preise wachsen nicht. Wo liegt Ursache?"
Meine Antwort:
Ganz so einfach ist es dann doch nicht. So kommt im Fall von Weizen und Mais ein Großteil des Angebots auf dem Weltmarkt aus den USA - und da arbeiten "die Leute" durchaus hart, und sehr effizient.
Und dann dies: In den USA haben die Farmer ihre Anbauflächen für Winterweizen stark erhöht (zu Lasten anderer Rohwaren). So wird derzeit in den USA auf so viel Anbaufläche wie seit drei Jahren nicht mehr Winterweizen angebaut.
Auch weltweit sind die Lager mit Weizen relativ voll, und für die laufende Saison ist ein Anstieg der Lagerbestände um 4% prognostiziert.
So ein Umfeld ist natürlich nicht gerade bullish für den Weizenpreis, um es einmal so auszudrücken.
Der Blick auf den Weizenpreis ist insofern für uns von der Trader´s Daily-Gemeinde auch keine Überraschung:
Der Weizenpreis in Chicago (CBOT) bewegte sich seit Anfang 2011 zwischen ca. 580 und ca. 800 Cents je Scheffel. Aktuell steht er bei gut 600 und damit ziemlich am unteren Rand dieser Preisspanne.
Mehr Potenzial könnte es dieses Jahr bei Mais geben. Treibende Kraft könnten kräftig steigende chinesische Mais-Importe sein. Laut US Grains Council sollen die von ca. 1,3 Mio. Tonnen in der vorigen Saison auf bis zu 9 Mio. Tonnen steigen.
Das läge erheblich über dem bisherigen Höchstwert von 4,3 Mio. Tonnen (die importierte China in den 1990ern nach einer besonders schlechten Ernte).
Wieder einmal also China, welches potenziell die Rohstoff-/Rohwarenpreise nach oben treibt. Wir werden sehen, denn bei Rohwaren und Rohstoffen sind es immer zwei Seiten, welche den Preis bestimmen: Angebot und Nachfrage.
Übrigens: Ich selber lehne es mittlerweile ab, Trades mit Basiswert Grundnahrungsmittel zu machen. Empfehle ich auch in meinem Börsendienst Der Rohstoff-Performer nicht mehr.
Denn Weizen und Mais sind ja nicht nur Spekulationsobjekte, sondern auch Grundnahrungsmittel. Und damit lebensnotwendig auch für Arme. Reis, Getreide, Mais. Nehmen wir Mais: Angefangen vom gerösteten Maiskolben hierzulande über aus Maismehl hergestellten „Milipap" im südlichen Afrika bis zu den mexikanischen Tortillas.
Und Sie können mir erzählen, was Sie wollen: Wer z.B. in einen Rohwaren-Fonds investiert, der "long only" ist, der treibt tendenziell die Preise nach oben. Auch wenn sich das später ausgleicht - für manche Arme kann auch schon ein temporärer Preisanstieg eine Verschärfung des Elends bedeuten. Bitte diesen Aspekt nicht ausblenden, wenn Sie auf Weizen, Mais und/oder Reis setzen möchten...
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gerhard Huber (19.01. 2012 13:14 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, dann sollten Sie damit (Basiswert Grundnahrungsmittel) auch keine Werbung machen, ich zitiere Michel Vaupels Rohstoff Strategie zeigt Ihnen, wie Sie mit Zertifikaten auf Öl, Mais, Gold und Weizen sichere Gewinne einfahren. Es grüßt Sie Gerhard Huber
Antworten - Kommentar von Eisner (19.01. 2012 13:37 Uhr):
Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Mais könnte man sich fragen, wodurch sie bedingt wird. Die Frage würde lauten, dass man aus Mais Biosprit (E10) herzustellen vorhat. Der so hergestellte Sprit kann man auch hier in Europa an Tanksäulen zapfen. Im Grunde ist es Einführung des Biosprites, die zur Verknappung auf der Angebotsseite bzw. zu höheren Preisen führt. Ansonsten wundere ich mich, warum in den USA die Anbaufläche für Winterweizen zu Lasten anderer Rohwaren stark erhöht werden soll? Hat man dafür eine logische Erklärung?
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