Warum der US-Finanzminister ausgelacht wurde
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 2. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Haben Sie das eigentlich mitbekommen?
Letzten Monat war der US-Finanzminister Timothy Geithner in China.
Seine Mission offensichtlich: „Die Chinesen" davon überzeugen, dass sie auch weiterhin US-Staatsanleihen kaufen. Schließlich können die USA ihr gewaltiges Haushaltsdefizit nicht durch Ersparnisse der eigenen Bürger finanzieren (sprich: Staatsanleihen an eigene Bürger verkaufen).
Grund: Die Amerikaner sparen dafür viel zu wenig. Da erzähle ich Ihnen nichts Neues. Im Durchschnitt ist „der Amerikaner als solcher" froh, wenn er seine Kreditkartenschulden etwas abbauen kann. Massive Käufe von US-Staatsanleihen sind da kein Thema.
Anders China. Monat für Monat wächst der Staatsschatz Chinas (genauer: Die Fremdwährungsreserven) um weitere Milliarden Dollar. Inzwischen sind es insgesamt mindestens geschätzte 2 Billionen Dollar.
2.000.000.000.000 Dollar.
Und die Chinesen kauften in der Vergangenheit unter anderem US-Staatsanleihen mit diesem Geld.
(Inzwischen kaufen sie außerdem ganze Firmen von diesem Geld, und legen strategische Rohstoff-Lager an. Würde ich auch so machen, wenn ich „China" wäre.)
Wie auch immer: Jedenfalls ist China eine Adresse, die weiter fleißig neue US-Staatsanleihen kaufen könnte. Und bis jetzt auch noch tut, selbst wenn sich die chinesische Führung reservierter gibt.
*** Nun also diesen Monat die Reise von US-Finanzminister Geithner nach China.
Klar, was er dort verlautbaren ließ: Der Dollar sei eine starke Währung, China müsse sich keine Sorge um seine Anlagen z.B. in US-Staatsanleihen machen.
Von offizieller Seite kein Widerspruch, man ist ja höflich.
Doch was war das?
Als der US-Finanzminister vor chinesischen Studenten sprach und dort einen auf Norbert Blüm machte...
....also US-Staatsanleihen, welche von Chinesen gekauft worden waren, als „very safe" - sehr sicher - bezeichnete...
...da brach unter den Studenten lautes Gelächter aus.
Geithner wurde wegen dieser Aussage ausgelacht! Und das von ansonsten höflichen Chinesen, welche auch einen Gast das Gesicht wahren lassen!
Ich finde das bezeichnend. Wenn das die Reaktion von chinesischen Studenten ist - dann dürfte die Einschätzung der chinesischen Führung ähnlich sein. Sie kauft wohl nur deshalb weiterhin US-Staatsanleihen, weil sie derzeit nicht möchte, dass ihr wichtigster Käufer chinesischer Waren ausfällt.
Erinnert mich an einen Ladenbesitzer, der seinen besten Kunden immer weiter anschreiben lässt. Damit dieser weiter bei ihm einkauft. Allerdings auf Kredit. Ob der Ladenbesitzer sein Geld jemals wieder sehen wird?
Oder, im Fall der Chinesen ist die Frage eher: Was für Dollar werden sie zurückerhalten? Eventuell welche, die viel weniger wert sind, weil eine Inflation sie zerfressen hat?
Ich würde jedenfalls da auch lieber ganze Unternehmen kaufen und strategische Rohstoff-Lager anlegen, als US-Staatsanleihen kaufen.
*** Und was für China gilt, gilt auch für die Trader´s Daily-Gemeinde: Keine US-Staatsanleihen kaufen. Und denken Sie nicht, die seien „sicher". (Selbst eine angeblich konservative Anleihe wie eine 30jährige US-Staatsanleihe ist von über 140 Dollar im Dezember auf aktuell 112 gefallen.)
Lieber ebenfalls - wie China - auf Rohstoffe und Unternehmen setzen. Bei Unternehmen = Aktien halte ich es allerdings so: „Märkte statt Einzeltitel", also lieber z.B. ein Bonus-Zertifikat auf einen schönen Index als einzelne Aktien. Wenn Sie höheres Risiko möchten, dann nehmen Sie ein Hebel-Zertifikat auf diesen Index. Und wer mag, kauft natürlich auch Staatsanleihen, dann aber europäische. Keine amerikanischen. Und Edelmetalle lege ich Ihnen ans Herz (in Form von ETFs, Zertifikaten, Anlagemünzen).
Dies sprach:
Ihr
Michael Vaupel