Warum der US-Dollar steigt
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 5. September 2008, 19:00 Uhr
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Es ist gerade erst ein paar Monate her. Als ich diesen April auf der Finanzmesse Invest in Stuttgart am hoffnungslos überfüllten Stand des Investor Verlags meinen Börsenvortrag zu den USA gehalten habe, konnte ich natürlich am Thema Währung nicht vorbeikommen: Wird der US-Dollar noch weiter fallen? Soll man weiter auf einen starken Euro setzen?
Eine Prognose ist schwierig. Denn sie hängt von sehr vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Verhalten der Notenbanken. Wenn die Zinsschere zugunsten des Euro-Raumes weiter auseinander geht, ist natürlich klar, dass der Euro steigen wird.
Es wundert aber, dass die Banken-Prognose für das Währungspaar Euro/US$ völlig widersprüchlich sind. Als ich im April meinen Vortrag auf der Invest hielt, war zum einen von 1,39 US$ die Rede, auf der anderen Seite aber von 1,80 US$. Schon bei 1,50 US$ und mehr noch 1,60 US$ hat die vor allem die exportlastige deutsche Wirtschaft gestöhnt.
Als ich im April aber den Chart mitgebracht habe, war mein Eindruck aber: Rein charttechnisch stößt der Euro an Grenzen. Bei 1,60 US$ wird die Luft dünn. Mein Fazit auf der Invest: Wir sich weiter gegen US-Dollar stellt, braucht gute Argumente und gute Nerven. Diese Einschätzung habe ich auf dem Emerging Markets Kongress im Juni in München noch einmal wiederholt.
In der Tat hat sich zumindest charttechnisch diese Einschätzung bestätigt: Die Luft bei 1,60 US$ war für den Euro in der Tat sehr dünn. Das wir aber jetzt einen rapiden Verfall des Euro sehen - bis auf 1,43 US$ - damit haben wohl die wenigsten gerechnet.
In der Tat können wir jetzt sogar von einem Trendbruch reden. Mindestens der mittelfristige, seit Ende 2007 intakte Aufwärtstrend ist jetzt nach unten durchbrochen worden. Die untere Begrenzungslinie des Aufwärtstrendkanals lag bei 1,47 US$. Charttechnisch hat der Euro jetzt ein Abwärtspotenzial bis etwa 1,40 US$, darunter bis 1,38 US$.