Warum der Sprit teurer wird und die Maispreise steigen
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 21. Februar 2011, 20:00 Uhr
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Im Nahen Osten rappelt es also weiter, was zusammen mit der wachsenden Teuerung in vielen Staaten und der im besten Falle als seltsam zu titulierenden Attitüden der Zentralbanken und Regierungen vieler Länder, zu einer gewissen Verunsicherung und auch steigenden Edelmetall- und Ölpreisen führt.
Doch an den steigenden Benzinpreisen in Deutschland ist nicht nur der Ölpreis schuld. Sondern der Umstand, dass wir weltweit immer mehr Ethanol in den Tank kippen oder kippen wollen. Natürlich wollen wir hier in Europa nichts in den Tank kippen, was in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht (müssen wir ja auch nicht, schließlich gibt es ja Palmöl, das nur in Konkurrenz zu den Regenwäldern steht...;-)), was mit ein Grund dafür sein könnte, dass wir hier in Europa noch nicht alle mit einer 10%igen Ethanol-Beimischung fahren.
Bislang taten das nur die Franzosen und seit kurzem auch wir Deutschen!
E10
Vielleicht gibt es an der Tankstelle ihres Vertrauens schon die Benzinsorte E10. Das ist Benzin mit 95 Oktan und einer Ethanol-Beimischung von 10%. Unsere gütigen Häuptlinge wollen dass wir klimaneutraler fahren und natürlich finden wir das gut.
Was wir aber nicht so gut finden ist, dass der neue Treibstoff bei einigen Fahrzeugen zu Schäden an Benzinleitungen und Dichtungen führen kann, oder im schlimmsten Falle auch zum Motorschaden durch die Ethanolkorrosion.
Und was wir ebenso nicht so toll finden ist, dass bei der Nutzung von E10 mit einem Mehrverbrauch zwischen 3-5% zu rechnen ist, gegenüber dem bisherigen E5.
Verwirrung und steigende Benzinpreise
Besonders beliebt ist das neue E10-Benzin eigentlich nicht (andererseits ist es auch noch nicht überall vorhanden, was sich aber bis Ende März geändert haben soll), denn obwohl laut offiziellen Schätzungen nur 10% der in Deutschland vorhandenen Kraftfahrzeuge E10 nicht vertragen können, geht man eben doch lieber auf Nummer Sicher. Wenn Sie allerdings wirklich auf Nummer Sicher gehen wollen, dann sollten Sie sich unbedingt eine der im Internet zugänglichen Listen mit Kraftfahrzeugen, die für E10 geeignet sind ansehen. Zum Beispiel hier beim ADAC.
Denn ignorieren können wir E10 auf Dauer leider nicht! Zum einen weil das bisherige E5 (also Benzin mit 95 Oktan und einer Ethanol-Beimischung von 5%, wie bislang) mittlerweile auch immer teurer wird [ebenso wie Diesel übrigens] (schließlich will man E10, das an sich, aufgrund der Herstellungskosten, ein klein wenig teurer sein muss, ja wettbewerbsfähiger machen und zum anderen hat man ja aktuell so eine schöne Begründung durch die steigenden Ölpreise), zum anderen aber auch weil E5 mit 95 Oktan über kurz oder lang wohl verschwinden wird. Der Mineralölkonzern Shell will jedenfalls bald kein 95er E5 mehr anbieten, weil man, so die Begründung, die vorhandenen Kapazitäten an Krafstofftanks ja für E10 benötigt.
Doch keine Angst: wenn Sie ein Auto fahren, dass kein E10 verträgt, können Sie natürlich auch weiterhin Benzin tanken, dass nur eine 5%ige Ethanolbeimischung aufweist. Allerdings dann nur noch das qualitativ höherwertige Benzin mit 98 Oktan. Und welch ein Zufall: 98er Benzin war ja schon immer teurer...
Fazit
Daraus lässt sich eigentlich nur ein Fazit ziehen: in Zukunft wird man in Deutschland also teurer Auto fahren. Denn entweder nutzt man 98er E5, das schon immer teurer war, oder Diesel, der nach Ansicht des ADAC schon jetzt überteuert angeboten wird, oder E10, das aufgrund der Herstellungskosten generell auch etwas teurer ist als das alte 95er E5 und mit dem der durchschnittliche Verbrauch um 3-5% steigen wird.
Hach ja, ist es nicht schön, wie die Politik es immer wieder schafft für steigende Preise zu sorgen...In den USA sind es übrigens die Maispreise, die durch die Decke gehen, seit man dort nun beschlossen hat, den Ethanolanteil sogar auf 15% zu erhöhen. Denn in den USA nimmt man, angesichts dessen, dass die USA der weltweit größte Maisproduzent sind, die Sache mit der Nahrungsmittelkonkurrenz nicht ganz so bierernst. Nur schade, dass jetzt die Endlagerbestände auf ein 15-Jahres-Tief sinken werden.
Verstehen Sie mich aber nicht falsch: ich habe generell nichts gegen Biokraftstoffe. Schließlich muss man sich ja mal für die mittelferne Zukunft rüsten. Allerdings, so wie die Sache bislang immer noch gehandhabt wird, habe ich nach wie vor ein Problem mit der Umsetzung. Da können wir hier so viel CO2 einsparen wie wir wollen, wenn dafür Regenwälder abgeholzt werden und unsere Nahrungsmittel im Tank landen bzw. ebenfalls immer weiter verteuert werden, dann drängt sich mir bestenfalls der Gedanke "farcehafte Begründung" und schlimmstenfalls "üble Fehlentscheidungen" auf. Vielleicht sollten wir mit der ganz großen Ethanol-Beimischung auch lieber einfach noch warten, bis wir wirklich genug von dem Zeug aus Abfall, Unkraut und Algen produzieren können.
So long liebe Leser....ich hätte ansonsten noch einen anderen Tipp: ziehen Sie ins Grenzgebiet zu einem Land, das voraussichtlich noch länger auf einen höheren Ethanol-Anteil verzichten wird...ich muss zugeben, dass ich es in diesem Punkt ein wenig einfacher habe, da ich in der Lage bin, hauptsächlich in der Schweiz zu tanken...dort gibt es zwar auch ein E5-Benzin, aber der schweizerische TCS (sozusagen der Schweizer ADAC) hält es für unwahrscheinlich, dass der Anteil sehr bald angehoben werden könnte...und zwar aus einem einfachen Grund: da die Schweizer per Gesetz nur ökologisch und sozial verträgliches Ethanol in den Tank kippen dürfen, andere Länder, wie Deutschland und Frankreich, aber schon den größten Teil des nach diesen Prinzipien vorhandenen Angebots aufsaugen (und noch mehr), geht man davon aus, dass man schlichtweg nichts ökologisch und sozial Verträgliches mehr kriegen wird...ich sage Ihnen was: in dem Falle halte ich es auf jeden Fall mit den Schweizern: anstatt vorschnell alles zusammen zu panschen, lieber mal abwarten und ein Käse-Fondue essen....;-)....liebe Grüße und bis morgen...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Friedrich (21.02. 2011 21:11 Uhr):
Liebe Frau Kraus, ganz so einfach ist die Geschichte mit dem Ethanol-Zusatz im Benzin nicht. Wie Sie sicher wissen, gibt es die Südzucker-Tochter Cropenergies, die aus Zuckerrohr Ethanol herstellt, also keine Urwälder abholzen lässt. Daneben ist die Südchemie gerade dabei, ein patentiertes Verfahren umzusetzen, um aus Stroh Ethanol zu erzeugen. Die EU erlaubt ab 2012 nur noch Biokraftstoff-Einfuhren, die bei Anbau und Verarbeitung ökologischen Kriterien entsprechen. Der Umsturz in Nahost wird uns wohl schneller als gedacht dazu zwingen, vom Erdöl wegzukommen. Dazu gehört auch, die umweltschädlichen Altfahrzeuge gegen spritsparende auszutauschen.
Antworten - Kommentar von Rolf Faber (21.02. 2011 21:50 Uhr):
Sehr geehrte Frau Kraus, Sie sollten aber etwas gegen Biokraftstoffe haben, hier in der "dritten" Welt explodieren die Lebensmittelpreise und schon macht sich der Hunger breit und das bei Bauern, die sich in der Regel selbst ernaehren konnten - jetzt hat man grosse Teile ihres Landes konfiziert um Palmoel fuer Biokraftstoff herzustellen. Hoeren Sie nicht auf den CO2-Schwindel der Politiker und gekauften "Wissenschaftler", informieren Sie sich bitte mal bei den wirklichen Fachleuten. Mit freundlichen Gruessen, Rolf Faber
Antworten - Kommentar von Gerhard Kaup (21.02. 2011 22:12 Uhr):
Liebe Frau Kraus, Ihren süffisanten Beitrag zum Thema E5/E10 finde ich sehr treffend. Wenn ich bei der Gelegenheit erfahre, dass der Mehrverbrauch bei E10 gegenüber E5 zwischen 3 und 5% liegt, fasse ich mich an den Kopf. Gehen wir vom ungünstigeren Wert aus, bedeutet es ja wohl, dass die zusätzlichen 5% Ethanol keine Ersparnis an fossilen Energieträgern bringen, sie werden nur zusätzlich verbrannt. Bei nur 3% Mehrverbrauch stehen der zusätzlichen Biospritbeimischung von 5% lediglich 2% Ersparnis an Benzin aus fossiler Energie gegenüber. Welch ein Irrsinn! Und dafür nehmen wir die weltweite Verteuerung der Lebensmittel und Verschärfung des Klimawandels durch Abholzung der Regenwälder in Kauf. Oder steckt vielleicht ein System dahinter, das zu zusätzlichen Steuereinnahmen führt oder die Subventionen für die Landwirtschaft reduzieren hilft oder als Entwicklungshilfe für Malaysia dienen soll? LG Gerhard Kaup
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