Warum das KGV für Börsenprognosen unzureichend ist
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 26. Juli 2007 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
oft wird von Analysten das so genannte KGV als wichtigstes Kriterium für die Bewertung von Unternehmen herangezogen. Der Grund weshalb das KGV so berühmt geworden ist hängt sicher mit seiner einfachen Berechenbarkeit zusammen. KGV einfach zu berechnen
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (engl. Price-Earnings-Ratio (PER) oder P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.
Also: KGV = Kurs der Aktie / Gewinn je Aktie
Bei einem relativ niedrigen KGV wird eine Aktie als günstig bewertet angesehen, bei einem relativ hohen KGV als ungünstig.
Das KGV ist schwierig zu interpretieren
Leider hat das KGV einen erheblichen Nachteil. Denn keiner sagen wie hoch das KGV eigentlich sein sollte. Sicher gibt es Bandbreiten an die Sie sich als Anleger halten können. KGVs von unter 10 sind generell als günstig und KGVs von über 25 als teuer anzusehen.Aber selbst wenn das KGV bei den meisten Unternehmen zwischen 5 und 35 liegt, so deckt unsere Annahme (KGV kleiner 10 = billig, KGV über 25 = teuer) doch nur einen kleinen Teil der Bewertungsspanne ab. Dazwischen liegt nur die Psychologie der Anleger. Eine Aktie kann also um den Faktor 2,5 steigen oder um 60 % fallen und das alles innerhalb der „fairen“ Bewertungsspanne.
Wichtiger als das KGV ist die Investmentstory
Sicher ist ein niedriges KGV nicht schlecht. Viel wichtiger, als diese Kennzahl ist allerdings ob das Unternehmen in der Lage ist in Zukunft zu wachsen. Ich mache Ihnen dies einmal an einem Beispiel einer meiner TOP-Empfehlungen im Tiger & Dragon deutlich. Als ich die Aktie des chinesischen Kohleförderers Shenhua Energy kurz nach dem Börsengang Mitte 2005 empfohlen habe, lag das damalige KGV bei rund 16. Zu teuer meinten damals die einschlägigen Börsenmedien und die meisten Analysten. Schliesslich gab es damals auch Kohleförderer in China mit einem KGV von unter 10. Wie zum Beispiel Yanzhou Coal. Doch dabei wurde vergessen, dass Shenhua Energy mit dem Geld aus dem Börsengang weiter wachsen wird und plant seine Kohleförderung zu verdoppeln. Alle diese Pläne standen bereits schwarz auf weiss auf dem Papier, trotzdem interessierte sich niemand für diese Aktie. Ich habe diese Aktie damals für 8 HKD empfohlen. Dann nachdem die Zahlen für das Gesamtjahr 2005. Der Gewinn stieg verglichen mit 2004 um 75 %. Der Grossteil des von mir erwarteten Gewinnanstiegs war also bereits mit der Zahlenveröffentlichung Anfang 2006 bekannt. Ich entschloss mich die Aktie mit rund 70 % Kursgewinn zu verkaufen und zwar bei etwa 14 HKD. Die günstigere Yanzhou Coal fiel im gleichen Zeitraum im Kurs sogar um 10 %.
Aber auch ich habe den psychologischen Einfluss auf die Kurse unterschätzt
Seither hat sich der Gewinn von Shenhua nur um 13 % erhöht. Heute schaue ich mir den Kurs an und dieser steht bei 31 HKD. Während der Gewinn also mehr oder weniger stagnierte, stieg die Aktie um weitere 120 %. Das KGV erhöhte sich also von 16 auf 31. Bei Yanzhou Coal stieg der Kurs um 180 % von 5 auf 14 HKD. Das KGV erhöhte sich von 10 auf 28.
Unkalkulierbare Einflussfaktoren
Sie sehen, dass selbst wenn Sie alles nur erdenkliche über ein Unternehmen wissen und den Gewinn relativ sicher voraussagen können, Sie werden dennoch eine Unbekannte namens Anlegerpsychologie haben. Wenn sich alle Anleger auf einen Sektor stürzen, dann können sich die Kurse schnell verdoppeln selbst wenn das Wachstum in dem Sektor nur durchschnittlich ist. Ich bin zwar überzeugt, dass die chinesischen Kohleunternehmen einen guten Gewinn machen werden. Wachstumsunternehmen sind sie aber dennoch nicht. Da auch China immer stärker auf Gasversorgung setzt. Aber das ist nun mal auch das Salz in der Suppe des Anlegers und deshalb wird es mir selbst nach jahrelanger Börsenerfahrung immer noch nicht langweilig. Heute wird Shenhua Energy übrigens von der Mehrzahl der Analysten zum Kauf empfohlen. Für mich hat die Aktie damit ihren Reiz verloren und ich suche deshalb nach neuen Unternehmen, die noch nicht von der Masse der Anleger entdeckt wurden.
Hier lesen Sie welche Aktien für mich aktuell ein Kauf sind
Darin finden Sie aber keinen Kohleförderer, denn diese halte ich aktuell für überbewertet. In der letzten Ausgabe des Tiger & Dragon habe ich deshalb lieber ein Gasunternehmen empfohlen. In 12 Monaten melde ich mich an dieser Stelle wieder und berichte Ihnen dann was aus den Empfehlungen geworden ist.