Warum an der Börse gute Nachrichten oft negative Folgen haben
Von Dr. Mark Skousen in Investoren Wissen
vom 09. Februar 2006 16:00 Uhr
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Vor einer Woche brachte die Regierung schlechte Nachrichten von der US-Wirtschaft: Das Bruttosozialprodukts stieg im vierten Quartal 2005 nur noch um 1,1 %. Trotzdem stieg der Dow Jones nach der Meldung fast um 100 Punkte. Bei Anleihen gab es eine kleine Rally.
Gute Daten, fallende Kurse
Vergangenen Freitag meldete die Regierung dagegen gute Zahlen: Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,7 % – der niedrigste Stand seit 4 Jahren. Und obendrein stiegen auch noch die Reallöhne. Erstaunlicherweise fiel der Dow danach um 59 Punkte. Auch Anleihen notieren schwächer.
Was ist los? Warum sind gute Wirtschaftsmeldungen schlecht für die Wall Street – und umgekehrt?
Einige Experten schieben die Schuld auf die Besitzer von Anleihen. "Die US-Wirtschaft wird vom Anleihenmarkt regiert", schrieb Louise Uchitell in der New York Times. Anleihen und Aktien steigen, wenn die Wirtschaft schwächelt und sie fallen, wenn das Wirtschaftswachstum zunimmt.
Noch eine Rezession ist sicher nicht gut für das Land. Aber es ist gut für die Besitzer von Anleihen. Denn dann fallen zwar die Zinsen, dafür steigen aber die Kurse der Anleihen.
Aber die Zusammenhänge sind etwas komplizierter
In der Vergangenheit passierte es oft, dass bei starkem Wirtschaftswachstum auch die Aktien kräftig stiegen. Klassische Beispiele dafür sind die 20er Jahre, die 50er und die 80er Jahre. Unter Reagan stiegen Aktien und Anleihen wegen des höheren Wachstums und wegen fallender Arbeitslosigkeit.
Grundsätzlich sollte die Börse bei einem starken Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation zulegen.
Inflation – da liegt der Haken!
In Fällen, in denen eine steigende Inflation eine Gefahr für das Wachstum ist, werden Analysten bei hohem Wirtschaftswachstum und guten Arbeitsmarktzahlen vorsichtig. Sie haben Angst, dass sich hier die Inflation weiter verstärken könnte. Sie befürchten, dass eine expansive Geldpolitik eine zu hohe Staatsverschuldung und diese nur einen künstlichen Aufschwung bringen könnte.
Die Analysten glauben, dass es bei Inflation keine nachhaltige Zunahme an Arbeitsplätzen und kein hohes Wirtschaftswachstum geben kann. Aktien fallen, weil alle glauben, dass die Notenbank die geldpolitischen Zügel anziehen wird.
Geht das Wirtschaftswachstum dagegen zurück, dann denken alle, dass die Notenbank die Geldpolitik lockern wird. Eine Folge davon sind stark steigende Aktienkurse.
Die Notenbank beeinflusst die Aktienkurse
Die entscheidende Rolle ist also, ob die Notenbank eine lockere oder restriktive Geldpolitik betreibt.
Anders ausgedrückt: Nicht die Besitzer von Anleihen beeinflussen die Wall Street, sondern die Fed.
Ist Inflation eine berechtigte Angst an der Wall Street?
Charles R. Nelson, ein Professor an der Universität von Washington, hat die Auswirkungen der Inflation auf die Börse untersucht. Er sagt: "Wenn die Verbraucherpreise steigen, sollten Sie keine Aktien kaufen. Wenn die Preise aber fallen, sollten Sie einsteigen."
Sehen wir uns den Verbraucherpreisindex CPI seit 2000 an.
Wie Sie erkennen können, fielen die Verbraucherpreise seither in jedem Jahr außer in 2005. Aber jetzt fangen sie an zu steigen. Solange Inflation eine Bedrohung ist, sollten Sie mit Aktieninvestments in den USA vorsichtig sein. Sie legen Ihr Geld dann besser in Rohstoffen oder Aktien im Ausland an. Aber wenn es klar wird, dass die Inflation zurückgeht, dürfte die Börse stark zulegen.
Ich werde Sie auf dem Laufenden darüber halten, ob wir fallende Inflationsraten erwarten können oder nicht.