Warten auf die EZB-Entscheidung: EUR unter Druck
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 1. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
man möchte den Teufel ja nicht an die Wand malen, aber aktuell ist die Stimmung der Marktteilnehmer wieder deutlich vom leichten Optimismus abgerückt. Das ewige Rumgerede der G-20 hilft offenbar ebenso wenig wie die neusten Bloomberg-Berichte, dass US-Präsident Obama möglicherweise eine Insolvenz für General Motors nicht unbedingt für den falschen Weg hält.
Weiterhin schwache Wirtschaftsdaten - wieder einmal fast rund um den Planeten - (Australien: Einzelhandelsumsätze - 2% im Februar; Japan: Tankan-Bericht - 58 Punkte (das schlechteste Ergebnis seit 1974); USA: Chicago-PMI fällt im März auf 31,4 von 34,2 im Vormonat (das schwächste Ergebnis seit 1980)) tragen wieder einmal zum schwindenden Risikoappetit bei.
Und der Markt reagiert, wie er es mittlerweile gewohnt ist zu reagieren, wenn er seinen Optimismus in Bezug auf die Konjunkturaussichten verliert: er bekommt Angst und kauft USD und JPY, vor EUR dagegen nimmt er sich in Acht.
Wirtschaftsdaten der Euro-Zone tragen allerdings auch nicht zur Verbesserung der Stimmung bei
Natürlich sieht es auch in der Eurozonen-Wirtschaft nicht viel besser aus als im Rest der Welt:
Die deutschen Einzelhandelsumsätze zeigen einen Rückgang um 0,2 % im Februar gegenüber dem Vormonat auf. Enttäuschend! Der Konsens hatte zuvor ein Wachstum um 0,3 % erwartet.
Heute stehen zudem die neusten Statistiken zur Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone zur Veröffentlichung an. Der Konsens erwartet einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 8,3 % im Februar, das höchste Ergebnis seit 2006.
Warten auf die EZB-Entscheidung
Der Druck auf die eher zurückhaltenden Europäer erhöht sich. Und nicht nur auf die europäischen Politiker (Japans Premier Aso nutzte die Gelegenheit des G-20-Treffens um gezielt Deutschlands Widerwillen gegen eine weitere Ausweitung von Stimulierungsmaßnahmen zu kritisieren). [Überhaupt sind die Europäer aktuell gezwungen ihre Anti-Haltung gegenüber massiven Deficit Spendings, wie sie ihre Kollegen vertreten, zu verteidigen.]
Aber auch die EZB, die bislang ebenfalls nicht viel von den massiven Quantitative Easing Maßnahmen der Kollegen hält, steht nun stärker unter Druck.
Und so erhöhen sich die Wetten darauf, dass die EZB bei ihrem morgigen Treffen zumindest gezwungen sein wird den Leitzins weiter abzusenken. Der Konsens geht aktuell von einer Senkung um 50 Basispunkte aus.
Aber selbst damit könnte es am Ende nicht getan sein. Es wird immer deutlicher, dass die Erwartungen verstärkt dahingehen, dass auch die EZB schließlich - für diese eher konservative Zentralbank - unkonventionelle Maßnahmen ergreifen wird.
So steht natürlich EUR/USD wieder massiv unter Druck und fiel von seinen Hochs bei über 1,36 in der vergangenen Woche bis auf unter 1,3128 am Montag. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3234. Sollte EUR/USD unter die bedeutsamen Unterstützungsmarken bei 1,2948 und 1,2761 fallen, könnte dies auf einen stärkeren Abwärtstrend hindeuten. Umgekehrt: sollte EUR/USD allerdings den Fibonacci-Widerstand bei 1,3352 wieder nach oben durchbrechen können, könnte dies darauf hindeuten, dass es sich aktuell nur um eine Konsolidierung im mittelfristigen Aufwärtstrend in Richtung der 1,4187 handelt.
Quelle: CFX-Broker
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