Warten auf die Entscheidung des US-Kongresses – Devisenmärkte nervös
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 1. Oktober 2008, 11:00 Uhr
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Liebe Leser,
ja, ja, wie sagt man doch so schön: wer nicht hören will muss fühlen! Und so musst der US-Kongress das Resultat seiner Entscheidung ebenso schmerzlich fühlen. Eine Woche lang hatten sich die Märkte zwar erschöpft und nervös, aber dennoch hoffnungsvoll verhalten. Nur wenige hatten ernsthaft in Erwägung gezogen, die Gesetzesvorlage zu TARP werde den Kongress nicht passieren. Zu wichtig ist die Angelegenheit, als dass die US-Politiker den Ernst der Lage nicht verstanden hätten - so die weitläufige Meinung.
Tatsächlich kam es anders. Viele der Abgeordneten hatten den Plan schlichtweg als Rettungsaktion angeschlagener Banken abgetan und ihn dann mit einem Triumphgefühl gegenüber den Wall-Street-Snobs abgelehnt. Was diesen Volksvertretern scheinbar nicht klar war, ist dass es bei TARP um mehr geht als nur um ein paar schlecht wirtschaftende Banken. Tatsächlich war und ist TARP der Hoffungsschimmer der dem Finanzsystem seine Stabilität zurückgeben soll.
Und so bekamen die Politiker just nach ihrer Entscheidung die Quittung präsentiert: die US-Leitindizes rauschten in den Keller. Über eine Milliarde USD an Anlagekapital wurde dabei verbrannt. Dies als Ergebnis, weil 700 Milliarden den Volksvertretern zu viel waren.
Doch der Denkzettel könnte gewirkt haben - so zumindest die allgemeine Hoffnung. Der US-Senat will noch heute über eine verbesserte Version von TARP abstimmen, auf dass schlussendlich der nun hoffentlich aufgewachte Gesamt-Kongress ebenfalls so rasch wie möglich ein weiteres Mal abstimmen wird (mit zu erhoffendem positiven Ergebnis).
Doch zurück zu den Finanzmärkten...die spielen nach wie vor russisches Roulette. Der Interbankenmarkt liegt weiterhin fast brach und wird durch die Zentralbanken ersetzt. Libor ist mittlerweile auf ein Rekordhoch bei 6,88 % gestiegen.
Und heute könnte nun auch deutlich werden, wovor die Verfechter von TARP gewarnt hatten und was ein Großteil der US-Politiker bis dato offenbar nicht verstanden hat: der Interbankenmarkt ist keine abgehobene Sache die niemand anderen etwas angeht. Wenn die Kreditvergabe der Banken untereinander nicht mehr funktioniert, dann hat das am Ende Auswirkungen auf die reale Volkswirtschaft. Denn dann können auch keine Kredite mehr an Unternehmen oder Verbraucher ausgegeben werden.
Für heute stehen einige US-Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung an. Man erwartet einen deutlichen Rückgang in der Produktion, denn die Absätze fallen, da die Konsumenten im Inland weniger Geld ausgeben. Bislang konnte sich die US-Wirtschaft noch aufgrund der Exporte knapp über Wasser halten, doch die Finanzkrise ist mittlerweile auch im Absatzmarkt Europa angekommen. Hinzu kommt die Prognose für etwa 50.000 neue Arbeitslose in den USA.
Im Hinblick darauf erwarte ich weiteren Druck auf USD/JPY bis in Richtung der 105,84. Das Stimmungsbarometer hat im Übrigen die letzten beiden Tage perfekt widergespiegelt. Nach der Kongress-Entscheidung fiel USD/JPY am Montag bis auf 103,68. Hernach folgten neue Hoffnungen auf eine erneute Kongressentscheidung nachdem der Markt dem Kongress seinen Denkzettel verpasst hatte und USD/JPY begann wieder eine erneute Erholung. Gegenwärtig notiert USD/JPY bei 106,19.
EUR/USD der von seinem Hoch am Montag bei 1,4579 in der Folge rasch abfiel und gestern ein Tief bei 1,4030 erreichte (die Finanzkrise ist in Europa angekommen) bewegt sich gegenwärtig in einer Range zwischen 1,4090 und 1,4150 bei gegenwärtig 1,4135. Weitere positive Signale aus Europa wie aus Irland, wo die Regierung sich mittlerweile unbedingt hinter die Banken gestellt hat könnten EUR/USD kurzfristig weitere Unterstützung bieten, bis in Richtung der 1,4215.