Warnsignal oder Fehlsignal?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 17. Juli 2007 18:00 Uhr
ENL5454
Und dann wird man wieder daran erinnert, dass Sommer ist. Nein, nicht nur, weil doch mal endlich die Sonne scheint und die Temperaturen auch nachts zweistellig bleiben, nein, es liegt an den Fehlsignalen.
Ich weiß bis heute nicht genau, woran es wirklich liegt. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass das Handelsvolumen in den Sommermonaten stark abnimmt. Wir kennen den Effekt bei kleineren, umsatzschwachen Aktien. Hier sinkt die Eintrittswahrscheinlichkeit von charttechnischen Formationen erheblich. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass weniger große Spieler im Markt sind, weil sie alle im Mai verkauft haben oder sich in den Sommermonaten zurück halten.
Festzuhalten bleibt, die Sommermonate sind aus charttechnischer Sicht prädestiniert für Fehlsignale. Aus diesem Grund muss man im Juli und August immer sehr vorsichtig bei den Interpretationen und Analysen sein.
Ich schreibe das natürlich nicht ohne Grund.
Dax mit einem klaren False Break – ein Verkaufsignal?
Denn der DAX hat am Freitag einen klassischen „False Break“, einen falschen Ausbruch hingelegt. Solche falschen Ausbrüche nach oben, sind sehr oft ein Hinweis auf nachhaltig fallende Kurse!
Der DAX hat sich nun über einem Monat unterhalb der 8125er aufgehalten. Damit wurde diese Zone zwischen 8100 und 8125 Punkten zu einer wichtigen Widerstandszone. Diese Zone wurde am Freitag kurz nach oben verlassen. Allerdings konnte dieser Ausbruch, der gleichzeitig auch ein Ausbruch über das Allzeithoch war, nicht nachhaltig bestätigt werden. Es bildete sich an dieser wichtigen Marke ein so genanntes Doji, eine Kerze, die wie ein Kreuz aussieht. Solche Kerzen bilden sich häufig an wichtigen charttechnischen Marken und sind dann oft ein Zeichen für eine kurz- bis mittelfristige Trendumkehr.
Am Montag, also gestern, bildete sich erneut ein solches Doji. Dieses Mal wurde das Hoch dieser Kerze genau an der 8125 er Marke ausgebildet. Ein zusätzlich bearisher Hinweis.
Auch diese beiden Dojis müssen als eindeutiges Warnsignal verstanden werden, insbesondere da heute die Tiefs dieser beiden Kerzen nach unten aufgelöst wurden. Ein weiterer Hinweis auf ein vorläufiges Hoch ist, dass vor dem ersten der beiden Dojis ein kleines Aufwärtsgap ausgebildet wurde.
Allen Warnglocken zum Trotz!
Würden wir uns nicht in den Sommermonaten befinden, würden nun alle, und ich meine damit wirklich alle, Warnglocken laut schrillen. Aber so bin ich mir noch nicht sicher, dass es sich nicht um ein klassisches Fehlsignal handelt.
Zudem gibt es auch noch einige bullishe Hinweise. Sie sehen, hier schwarz markiert, dass es in den letzten drei Monaten zu immer höheren Tiefs gekommen ist. Das ist ein Zeichen dafür, dass Anleger bis jetzt noch immer wieder bereit sind, zu wesentlich höheren Kursen einzusteigen.
Natürlich schwächt sich auf der anderen Seite die Aufwärtsdynamik der Hochs ab. Das liegt aber daran, dass das Allzeithoch bei 8136 Punkten die Kurse nach oben deckelt. (hier von einer bearishen Verjüngung zu reden, wäre ein Fehler)
Fazit
Angesichts der Tatsache, dass wir uns in den Sommermonaten befinden, und dass wir immer noch deutlich bullishe Signale haben, sollten wir diese eindeutig bearishen Signale nicht überbewerten. Auf der anderen Seite sollten wir aber gewarnt sein, insbesondere auch, weil der Dax auch eine deutliche Underperformance zu den US-Indizes aufweist! Es muss unbedingt bald zu einem Ausbruch nach oben kommen, ansonsten wird es sehr kritisch!
Ein erstes bearishes Signal wäre es, wenn das letzte Tief bei 7800 Punkten unterschritten wird. Noch kritischer wird es natürlich unter der 7750er Marke. Wenn auch noch die 7500er Marke nach unten verlassen würde, müssten wir uns nachhaltigere Sorgen um einen schärferen Einbruch machen!
Sollte sich also dieses Hoch vom Freitag bestätigen, dann wäre es schon eine Ironie des Schicksals. Denn dann hätte der DAX sein vorläufiges Hoch an einem Freitag den 13. ausgebildet...
Kein nachhaltiges Top - ZEW-Index zu schlecht
Heute wurde der neue ZEW-Index veröffentlicht. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im Juli um 9,9 Punkte auf 10,4 Punkte gesunken. Damit bleibt der ZEW-Index unter seinem historischen Mittelwert, der zurzeit 32,8 Punkte beträgt.
Wie Sie wissen, neige ich dazu, diesen Index als Kontraindikator für die Börse anzusehen, allerdings hauptsächlich dann, wenn sich hier extreme Werte zeigen.
Interessant ist, dass offensichtlich die befragten 306 Analysten und institutionelle Anleger ebenfalls wie wir hier im Investor's Daily davon ausgehen, dass die deutsche Wirtschaft mit einer etwas nachlassende Dynamik in das Jahr 2008 starten wird. Begründet wird das mit einem steigenden Ölpreis und steigenden Zinsen. Normalerweise müsste der Markt darauf mit zuvor schwächeren Kursen reagieren.
Dieses Ergebnis des ZEW-Index ist für mich ein Beweis dafür, dass immer noch sehr viel Skepsis im Markt vorhanden ist. Selten, nur ganz selten, bildet sich ein nachhaltiges Top aus, wenn derart viel Skepsis zu erkennen ist.
Aber diese meines Erachtens berechtigte Skepsis kann dazu führen, dass der DAX, wie von mir erwartet, bis zum Ende des Jahres in eine Seitwärtsbewegung übergehen wird. Wobei ich nach wie vor einen Ausbruch nach oben für möglich halte, der den DAX sogar bis an die 9000 Punktemarke treiben kann.
Seitwärtsbewegung wahrscheinlich
Die Seitwärtsbewegung ist deswegen wahrscheinlich, weil auf der einen Seite sehr viel Skepsis da ist und auf der anderen Seite sich kaum jemand vorstellen kann, dass es wirklich zu einem nachhaltigen Einbruch kommen wird. Das bedeutet: Auf der einen Seite ist der Markt nach oben etwas gedeckelt, da viele erfahrene Anleger zu diesen hohen Kursen nicht mehr massiv in den Markt gehen werden. Zum anderen ist der Markt nach unten gestützt, weil viele noch darauf warten, einzusteigen. Wenn es also keine äußeren Einflüsse (US-Markt) geben würde, wäre die logische Konsequenz eine längere Seitwärtsbewegung.
Ich gehe - auch aufgrund der aktuell verbreiteten Skepsis - weiterhin davon aus, dass die wirklichen Hochs, welche die seit 2003 geltenden Trends für mehrere Jahre beenden nicht jetzt, sondern erst Ende 2008 ausgebildet werden.
Viele Grüße
Ihre
Jochen Steffens

