Warnschuss vor den Bug des DAX
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Dax 30
vom 18. August 2010, 13:00 Uhr
ENL5462
puh, das war knapp im DAX. Gestern konnte der Index so gerade eben seinen kurzfristigen Aufwärtstrend verteidigen. Die Marke von 6.050 Punkten gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Schauen wir uns heute auch unter Elliott-Wellen-Gesichtspunkten an, was passiert ist.
Doch zunächst noch ein Blick auf die aktuellsten Konjunkturdaten - und die haben es zum Teil in sich.
Zahlen zur Inflation in Deutschland - endgültige Werte
Die bisherigen Schätzung des Verbraucherpreisindex für Deutschland für Juli 2010 wurde leicht nach oben korrigiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, lag der Index im Juli 2010 um 1,2% höher als im Juli 2009. Im Juni 2010 hatte die Inflationsrate gemessen am Verbraucherpreisindex noch bei + 0,9% gelegen. Im Vergleich zum Vormonat Juni 2010 erhöhte sich der Verbraucherpreisindex um 0,3%.
Der Preisauftrieb hat sich damit im Juli 2010 wieder etwas verstärkt und erreichte den derzeitigen Höchststand im Jahr 2010 (Mai 2010: ebenfalls + 1,2%). Der für die Geldpolitik wichtige Schwellenwert von zwei Prozent wird im Juli 2010 jedoch weiterhin unterschritten.
Ohne Berücksichtigung der Energie und der saisonabhängigen Nahrungsmittel, die zusammen gut 10 Prozent der Ausgaben privater Haushalte umfassen, hätte die Inflationsrate im Juli 2010 bei 0,6% gelegen.
Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland lag im Juli 2010 um 1,2% höher als im Juli 2009. Im Vergleich zum Vormonat Juni 2010 stieg der Index um 0,3%.
Die Schätzung für den HVPI vom 28. Juli 2010 wurde damit bestätigt.
Der Index der Großhandelsverkaufspreise lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes im Juli 2010 um 5,3% über dem Stand von Juli 2009. Im Juni 2010 hatte die Jahresveränderungsrate + 5,1% und im Mai 2010 + 6,2% betragen. Im Vergleich zum Vormonat Juni gingen die Großhandelspreise im Juli 2010 um 0,3% zurück.
Keine aufregenden Zahlen. Hier hat sich nicht viel getan. Schauen wir weiter.
Auch Europa wächst stark
Wie Eurostat berichtete ist auch die europäische Wirtschaft stärker gewachsen. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich für die Eurozone ein Wachstum von 1,7% und für die EU27 ein BIP-Wachstum von ebenfalls 1,7%.
Die Daten von dieser Seite des Atlantiks sind wie gehabt durchweg positiv. Schauen wir also noch kurz über den großen Teich.
US-Daten bleiben schwach
Die Industrie im US-Bundesstaat New York hat im August an Fahrt gewonnen. Der Empire State Manufacturing Index (Index für das Verarbeitende Gewerbe) erhöhte sich im August leicht auf 7,10 Punkte von 5,08 Zählern im Juli, wie die New Yorker Federal Reserve am Montag mitteilte.
Mit Indexständen über Null zeigt sich zwar immer noch ein schwaches Wachstum, der Anstieg fällt damit aber geringer aus als von Experten erwartet.
Erstmals seit Juni 2009 notierte zudem der Teilindex für den Auftragseingang unter Null. Die Neuaufträge brachen von 10,1 Punkten im Vormonat auf minus 2,7 Punkte ein. Die Daten zu den Auftragseingängen zählen zu den Frühindikator und gelten auch als Frühindikator für die gesamte Industrie in den USA.
Das Barometer für die Aussichten für die kommenden sechs Monate fiel auf den niedrigsten Stand seit Juli 2009.
Nun ja, bisher lesen sich die Zahlen noch allesamt recht angenehm. Doch kaum hatte ich am Montag geschrieben, dass nach den jüngsten positiven Schätzungen zur aktuellen Wirtschaftsentwicklung ... mit einem Anstieg der Erwartungen zu rechnen" sei (gemeint ist der ZEW-Index) und Entweder die US-Daten können bald Erholungstendenzen vorweisen und die Wirtschaft hierzulande kann sich weiter stabil zeigen oder die deutsche Wirtschaft wird bald deutlich an Dynamik verlieren", schon bekommen wir den ersten Schuss vor den Bug:
Der erste Schuss vor den Bug des DAX
Wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte, sank das ZEW-Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten im August überraschend deutlich auf 14 Punkte von 21,2 Zählern im Vormonat. Es war bereits der vierte Rückgang in Folge. Das Barometer notiert damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Analysten hatten im Mittel mit einem leichten Rückgang auf 21,0 Punkte gerechnet.
Die Lage bewerteten die Investoren und Analysten dagegen wie in den vergangenen 15 Monaten besser. Dieses Barometer kletterte um 29,7 auf 44,3 Punkte. Kein Wunder bei der aktuellen Datenlage.
Keine Panik - nur erste Anzeichen
Im Prinzip ist damit noch nichts dramatisches passiert. Dennoch fühle ich mich nun natürlich in meinen Aussagen von Montag bestätigt. Und so kommentierte auch der Wirtschaftsweise und ZEW-Präsident Wolfgang Franz die neuesten Zahlen wie folgt: Auf Grund der deutschen Exportabhängigkeit geht das größte Risiko für die Konjunktur von einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung wichtiger Außenhandelspartner, wie etwa den anderen Euroländern und den USA, aus."
Konjunkturdaten im Fokus
Verstehen Sie jetzt, warum die Konjunkturdaten zuletzt einen so großen Anteil am WAVE Daily eingenommen haben? Sie könnten die Frage beantworten, in welche Richtung der DAX die Seitwärtsbewegung verlässt.
Schauen wir uns also nun im zweiten Teil an, wie der DAX zuletzt reagiert hat.
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