Wann wird endlich nachgedacht?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 24. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Auf den ersten Seiten der Zeitungen konnte man letzte Woche Bilder vom Anschlag in Istanbul sehen. Ich frage mich ... wann beginnen die Leute, sich zu fragen? Zu fragen, ob der amerikanische Krieg gegen den Terror überhaupt richtig gewonnen werden kann? Oder ob er überhaupt Sinn macht.
Denn vielleicht führt er nur zu mehr Problemen?
Und wenn die Leute über den amerikanischen Krieg gegen den Terror nachdenken, könnten sie dann nicht auch über das amerikanische Leistungsbilanzdefizit nachdenken? Und darüber, ob die Amerikaner jemals ihre Schulden zurückzahlen werden bzw. können? Und was das amerikanische Papiergeld überhaupt wert ist? Und was die Aktien und Anleihen, die die US-Regierung und die Unternehmen ausgegeben haben – in der gerade erwähnten Währung – wirklich wert sind?
Heute müssen sich besonders die Chinesen das fragen. Zusammen mit den Japanern sind sie die größten Käufer von US-Anleihen in der Welt. Die meisten ihrer Währungsreserven sind in Dollar. Und ihre größte Quelle von neuen Jobs, Fabriken, Gewinnen und Technologien ist der US-Markt. Die Chinesen haben sogar ihre Währung an den US-Dollar gebunden, um diese sehr wichtige Beziehung zu stabilisieren.
Aber Tag für Tag fällt der Dollar ... und mit ihm fällt der reale Wert der Milliarden Dollar-Reserven der Chinesen, die zum größten Teil in US-Staatsanleihen gehalten werden. Sie kaufen diese US-Schulden, um die Amerikaner mit Krediten versorgt zu lassen, damit die Amerikaner weiter einkaufen können. Aber die Chinesen müssen sich fragen, ob es das wirklich wert ist.
Der fallende Dollar tut den Chinesen doch nicht weh, könnte man argumentieren. Denn der Yuan und der Dollar sind ja in einem festen Verhältnis aneinander gebunden, und deshalb werden bei einem Rückgang des Dollarkurses die chinesischen Güter gegenüber dem Rest der Welt (ohne USA) sogar wettbewerbsfähiger. Aber jetzt plötzlich präsentiert die Bush-Administration etwas, das wie ein Relikt aus der sowjetischen Zentralplanungs-Ära anmutet: Eine Importbeschränkung für chinesische Textilien. Wenn man demnach ein Paar in China hergestellte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum freien Marktpreis verkaufen will, dann muss man sie ins Land schmuggeln.
Es gab schon einmal eine Zeit, in der der Protektionismus Hochkonjunktur hatte. Das kam im Zuge der Weltwirtschaftskrise, zu Beginn der 1930er. Die Folge war, dass Millionen Amerikaner in die Armut sanken. Nach dem sogenannten "Smoot-Hawley Act" (so benannt nach zwei US-amerikanischen Protektionisten) kollabierte der Welthandel ... und mit ihm die US-Wirtschaft. Besonders deutlich betroffen war natürlich auch die schon damals stark auf Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft.
Bald war jeder Vierte arbeitslos ... und der Aktienmarkt brauchte ein Vierteljahrhundert, um sich zu erholen.
"China erhöht die Zölle auf US-Güter", so kam es vor ein paar Tagen über die Reuters-Ticker, die Antwort auf die Bush-Pläne.
Da muss doch jemand nachdenken ...
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