Wann man auch weiterhin auf die Spekulationsblase setzen darf
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. Juni 2007 07:30 Uhr
ENL5454
*** Wann man auch weiterhin auf die weltweite Spekulationsblase setzen darf
Doch wir wollen nicht den Handlungsverlauf aus den Augen verlieren … und die Rolle, die wir dabei spielen.
Solange Sie nicht in der Lage sind, an die Beute, die hinter dieser Blase steckt, heranzukommen – indem Sie z.B. ihren eigenen Hedgefonds gründen – sind Sie besser dran, wenn Sie sich davon fern halten. Denn während es einige mögliche Gewinne geben mag, ist die Kehrseite doch, dass es ein hohes Risiko gibt, dass es in die andere Richtung geht. Es gibt schon heute einige sehr große Lecks in der amerikanischen Immobilienblase. Und Dutzende von Nadeln ragen überall hervor.
Die Märkte sind auf epischen Höchstwerten und das heißt normalerweise, dass sie mehr Probleme als Möglichkeiten bereithalten. Und die Investoren stecken ihr Geld – wenn sie schlau sind – nicht wirklich in teure Anlagen in der Hoffnung, dass ein noch größerer Idiot vorbeikommen wird. Ein professioneller Spekulant könnte das tun. Ein Milliardär könnte vielleicht einige vorsichtige Berechnungen anstellen ... und darauf setzen, dass die Blase noch zwei weitere Jahre wachsen wird. Er mag vielleicht einige Millionen in das wildgewordene Spiel stecken. Und wenn er verliert, dann hat das nur einen sehr geringen Einfluss auf seinen Lebensstandard. Wenn er gewinnt, dann ist er um einige weitere Millionen reicher. Seine Kinder werden in der Lage sein, ein College zu besuchen. Er wird immer noch in der Lage sein, in den Urlaub oder den Ruhestand zu gehen, wann immer er möchte.
Je mehr man hat, desto weniger ist jeder weitere Zuwachs wert. Und zu dem Zeitpunkt, an dem man mehr als einige Millionen Dollar hat, ist der Wert eines jeden zusätzlichen Dollars nur noch minimal. Sein Wert ist nur noch in einem sehr abstrakten Sinne erfassbar ... als eine Möglichkeit, den Überblick zu behalten. Bald schon ist der zusätzliche Dollar nur noch Spielgeld – man verwendet ihn dazu, eine These zu beweisen ... zu prahlen ... oder damit zu spielen.
Wenn Sie in dieser Situation sind, dann wollen Sie vielleicht eine Wette eingehen, dass diese Blase noch ein bisschen größer werden wird – warum auch nicht? Das bringt ein bisschen Schwung in die Sache. Und man hat Spaß.
Aber ich selber werde weiter mein Warnflagge hissen … und sparsam mit meinem Geld sein.
*** Lebenswerte Großstädte
Der International Herald Tribune hat gestern über die “Lebenswertesten Großstädte weltweit” berichtet. Ich war schockiert. Meine Heimatstadt Baltimore hat es nicht auf diese Liste geschafft. Genausowenig Philadelphia, New York oder San Franzisko. Um genau zu sein war Honolulu die einzige amerikanische Stadt, die es geschafft hat.
Die Leute, die diese Bewertungen vornehmen, hegen einen Groll gegen Autos … was ein echter Nachteil für die amerikanischen Städte ist. Die USA haben – das steht außer Frage – die besten Städte der Welt, aus der Sicht der Autos.
Ganz oben auf der Liste stand München … gefolgt von einer Reihe europäischer Städte. Unter den obersten zwanzig waren auch zwei Städte in Australien – Melbourne und Sydney ... und zwei in Kanada – Montreal und Vancouver.
Paris, in Frankreich, die Stadt von der ich mich momentan entfremdet habe, war auch aufgelistet – aber nicht an der Spitze.
Was macht eine Stadt lebenswert? Einige Dinge sind ganz offensichtlich. Man will sich keine Sorgen machen müssen, ob man vielleicht erschossen wird, wenn man durch die Gegend läuft. Man möchte die Möglichkeit haben, nette Restaurants zu besuchen. Man möchte Dinge um sich haben, die schön anzusehen sind. Und man braucht ein gewisses Maß an Annehmlichkeiten.
Die amerikanischen Städte stürzt ins Verderben, dass sie dazu neigen, gefährlich zu sein. Ich habe mir zu diesem Thema schon seit einer Weile keine Zahlen mehr angesehen, aber ich bin gerne bereit zu glauben, dass Baltimore gefährlicher ist als Genf. Amerikanische Städte sind auch nicht hübsch. Sie haben hübsche Stadtteile, aber wenn man zu irgendeinem Zeitpunkt aus dem Autofenster blickt, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man auf etwas hässliches blickt als dass man auf etwas hübsches blickt. In einer Stadt wie Paris wird man im Gegensatz dazu fast überall etwas zu sehen bekommen, was angenehm zu betrachten ist. Selbst in den schlechten Gegenden gibt es hübsche Gebäude. Selbst die Menschen sind attraktiver in europäischen Städten als in den Kleinstädten in den USA. Die Leute sagen mir, was für eine großartige Stadt New York City ist. Aber meiner Erfahrung nach ist es sehr selten, dass man in der Stadt etwas einnehmendes erblickt.
Und wenn es darum geht, was man isst, dann kann man in einer großen amerikanischen Stadt das beste und edelste Essen der Welt finden. Aber in einem normalen amerikanischen Restaurant von einer der Restaurantketten scheint das Augenmerk oft eher auf der Quantität als auf der Qualität zu liegen.
Es ist schwierig, allgemeine Urteile über die Infrastruktur zu geben. Schweizer Städte neigen dazu, sehr gut organisiert zu sein, dazu klein und effizient. Man kann in Zürich innerhalb weniger Minuten vom Flughafen im Zug und dann in der Innenstadt sein. In Paris sind die Verbindungen, wenn es keinen Verkehr gibt, auch sehr einfach. Doch während des Berufsverkehrs kann man schon mal mehrere Stunden im Verkehr festsitzen. London ist hingegen eine ausufernde Stadt. Die Flughäfen stehen oft an der Schwelle zur Vorhölle. Erst gestern wurden die Reisenden beispielsweise gewarnt, dass mit einem Zusammenbruch des Sicherheits- und Passkontrollsystems am Flughafen in diesem Sommer zu rechnen sei und damit auch mit langen Wartezeiten.