Wann endet "für immer"?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 24. September 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wann endet "für immer", liebe(r) Leser(in)?
Gestern sagte ich "der Dollar wird fallen" ... und er fiel.
"Yen steigt nach G7", so beschrieb Reuters dieses Ereignis. Ein "Erwachen Asiens" war die Phrase, die die Financial Times nutzte.
Und sogar hier in Europa scheinen die Leute ihre Augen zu reiben und den Sommerschlaf zu vertreiben. Auch der Euro stieg, damit ist die jüngste Erholung des Dollar beendet.
Was wird als Nächstes passieren?
"Eine ordentliche Abwertung für den Dollar", ist das, was die Welt erhofft. Ein niedrigerer Dollar würde die amerikanische Schuldenlast erleichtern ... er würde das US-Handelsbilanzdefizit verringern ... er würde den amerikanischen Produzenten im globalen Handel einen kleinen Schub geben. Aber das Hoffen allein führt noch nicht dazu, dass es auch so kommen wird.
"Die Geschichte sagt uns, dass der US-Dollar seinen Abwärtstrend gerade erst begonnen hat", erklärt Stephen Roach. "Auf handelsgewichteter Basis ist der Dollar (real) seit seinen Höchstständen zu Anfang 2001 um rund 8 % gefallen. Bei einer vollständigen Bereinigung des US-Handelsbilanzdefizits kann man einen Rückgang erwarten, der dreimal so groß ist – nicht so unterschiedlich von der 30 %igen Abwertung des Dollar, die in den späten 1980ern eintrat, als das Ungleichgewicht in der Handelsbilanz deutlich geringer war. Am Ende hat die Welt keine andere Wahl, als einen schwächeren Dollar zu akzeptieren."
Mir fällt auf, dass der letzte ernste Rückgang des Dollarkurses in eine Zeit fiel, in der Alan Greenspan noch nicht Fed-Vorsitzender war und die USA noch ein Netto-Gläubiger waren. Bis in die Mitte der 1980er wurde den USA mehr geschuldet, als die USA dem Rest der Welt schuldeten. Heute sind die Amerikaner gegenüber dem Rest der Welt mit rund 3 Billionen Dollar verschuldet, und jeden Tag wächst diese Last um 1,7 Mrd. Dollar.
Aber was dachten sich die Investoren? Dachten Sie, dass das Finanzsystem der Welt für immer aus dem Ruder laufen könnte? Die asiatische Handelsbilanz mit den USA läuft immer mehr aus dem Ruder ... zum Beispiel wachsen die chinesischen Exporte um fast 40 % pro Jahr. In Asien türmen sich die Dollarreserven. Bereits jetzt werden sie auf 1 Billion geschätzt, und sie steigen um 20 % pro Jahr.
Währenddessen hat in den USA die verführerische Stimme der Schulden Millionen Amerikaner dazu geführt, sich selbst zu ruinieren. Seit 1975 ist z.B. die Zahl der persönlichen Pleiten um 400 % gestiegen.
Aber dieses System war doch auf die Ewigkeit angelegt, oder nicht? Das System des Dollarstandards – das den Amerikanern erlaubte, Geld auszugeben, das sie nicht hatten – funktionierte so gut; die Leute sahen keinen Grund, warum es jemals enden sollte. Warum sonst verschuldeten sich die Konsumenten immer weiter ... obwohl sogar die Arbeitslosigkeit stieg? Warum sonst liehen sie der US-Regierung für 10 Jahre und länger Geld, für inflationsbereingt fast gar keine Zinsen? Sie mussten alle denken, dass nichts schief laufen konnte. Oder warum kauften sie Aktien mit einem KGV von 50 – doch wohl nur in der Annahme, dass Aktien immer steigen?
"Der Weg, auf den uns die Fed und die Zentralbanken der Welt geführt haben, ist der Weg in den Bankrott, und ich meine damit besonders den Bankrott der Währung", schrieb Richard Russell am Montag. "Man kann nicht ein Haushaltsdefizit von einer halben Billion (!) Dollar und ein Handelsbilanzdefizit von einer halben Billion (!) Dollar und gleichzeitig eine stabile Währung haben. Das ist nicht möglich. Der Weg, auf dem wir gehen, hat den Dollar auf den Weg einer stetigen Ermattung oder eines sofortigen Kollaps gebracht."
Die Dinge laufen von Zeit zu Zeit aus dem Ruder. Oft laufen sie so lange aus dem Ruder, dass die Leute denken, dieser Trend sei ewig. Aber die Dinge laufen niemals für ewig aus dem Ruder.
Denn andernfalls wäre "aus dem Ruder gelaufen" normal, und normal wäre "aus dem Ruder gelaufen". Irgendwann – auf die eine oder die andere Weise – werden die Dinge wieder "normal".
Wir mögen zwar noch nicht zum Ende der Welt gekommen sein, liebe(r) Leser(in), aber zumindest scheinen wir dem "Ende des für immer" nahe zu kommen.
Jetzt zu Eric, nach New York: