Wall Street – Die Zahl der Aktien mit neuen Tiefs: Null!
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 28. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Manchmal ist der naheliegendste Trade auch der profitabelste ... (solange, bis er das nicht mehr ist). Die amerikanischen Aktienkurse steigen fast jeden Tag – also was wäre da offensichtlicher, als mehr von diesen Papieren zu kaufen, bevor sie morgen weiter steigen?
Das "dumme Geld", das das Offensichtliche bemerkt, tut auch das Offensichtliche: Es kauft Aktien. Natürlich ärgert sich das "smarte Geld", wenn das "dumme Geld" Tag für Tag seine Gewinne vergrößert. Aber manchmal ist das einfach so ... manchmal prosperiert das dumme Geld, egal wie sehr das die hyper-analytischen Dauer-Bären ärgern mag.
Deshalb wird das "dumme Geld" derzeit immer mehr. Und das "smarte Geld" wird relativ immer weniger. Gelegentlich, und zwar während den verrücktesten Phasen des Aktienmarktes, können Teile des "smarten Geldes" verzweifelt werden und überlaufen.
Heute steigen die Aktien ... und sie steigen und steigen, egal, wie viele neue Fans sie auf diesem Weg gewinnen. Egal, auch wenn die Stimmungsindikatoren überhitzt sind – je mehr Investoren Aktien lieben, desto stärker steigen diese. Die Liebe der Kleinanleger zu den Aktien war bis jetzt ausreichend dafür, dass die größeren Aktienindizes auf neue Multi-Monats-Hochs getrieben wurden. Sowohl Dow Jones als auch Nasdaq befinden sich in unmittelbarer Nähe ihrer 2,5 Jahres-Hochs.
Da kann der Dollar wirklich nicht mithalten. Und auch der Enthusiasmus für US-Anleihen und Gold hat zuletzt einen Dämpfer erhalten: Die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen stieg von 4,07 % auf 4,13 % zu Wochenbeginn, und der Goldpreis muss erst noch beweisen, dass das Wiedererreichen der Marke von 410 Dollar das Ende der Konsolidierung eingeläutet hat.
Doch zurück zum Aktienmarkt. Wie leidenschaftlich lieben die Kleinanleger derzeit die Aktien? Optionshändler Jay Shartsis kann zumindest eine Teilantwort geben.
"Nun, die Liste der Aktien mit neuen Tiefstkursen an der NYSE (New Yorker Börse) fiel letzten Freitag auf absolut Null. Natürlich befanden sich auf dieser Liste in den letzten 6 Monaten ohnehin so gut wie keine Titel."
"Ich sehe mir den Chart der neuen 10-Tages-Hochs an und vergleiche den mit dem Chart der neuen Tiefs, sowohl von der NYSE als auch von der Nasdaq, und vergleiche diese Daten zurück bis 1992", so Shartsis weiter. "Was wirklich bemerkenswert an diesem Chart ist, ist die Tatsache, dass es in den 1990ern immer eine ordentliche Zahl an Aktien gab, die auf neuen Tiefs notierten. Selbst nach 1995, als die Spekulationsblase auf ihren Höhepunkt zustrebte, gab es auf 10-Tages-Basis immer ein paar Hundert Tiefs. Einige scharfe Korrekturen ließen diesen Wert zeitweise sogar auf über 3.000 steigen. Jetzt sind wir bei Null! Wie lange kann das so weitergehen?"
Und die US-Kleinanleger wollen lieber Aktienfonds als direkt Aktien kaufen. Die Vanguard Group, Amerikas zweitgrößte Investmentfonds-Gruppe, musste Hunderte Leute einstellen, um die Anrufe von Kunden bewältigen zu können. Die explodierende Zahl der Anrufe hat dazu geführt, dass die Kunden von Vanguard momentan bei einem Anruf durchschnittlich 6,7 Minuten in der Leitung warten müssen – so zumindest die Bostoner Research-Firma Dalbar Inc. Der Durchschnitt bei Fondsgesellschaften liegt bei 58 Sekunden ...
Aber wenn man wirklich drüber nachdenkt – sind 6,7 Minuten wirklich zu lange, wenn es darum geht, auf ein professionelles Vermögensmanagement zu warten?