Wall Street: Befreiungsschlag oder Strohfeuer?
Tom Firley in Investors Daily
vom 5. Juni 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Fluch der Technik: Da animiere ich Sie, einen Kommentar oder eine Frage zu meinem gestrigen Beitrag zu hinterlassen, dann funktioniert die Verlinkung nicht…
Hier also geht es zum gestrigen Beitrag: Charttechnik: linear contra logarithmisch
Zur Börse:
Heute morgen schrieb ich es bereits im Investor´s Daily Update: Ben Bernanke sieht Inflationsgefahren… In einer Rede wies er darauf hin, dass „wir sehr aufmerksam Folgen der Dollar-Schwankungen auf die Inflation beobachten werden."
Eine historische Aussage, denn normalerweise ist es dem US-Finanzminister (derzeit Henry Paulson) vorbehalten, sich über die Dollar-Stärken und -Schwächen auszulassen. Laut Martin Barnes, Herausgeber des "Bank Credit Analyst", hat sich die FED seit 1987 nicht öffentlich zum Dollar-Kurs geäußert.
Some Inflation risks remain
Im Zuge der letzten, teils massiven einzelnen US-Zinssenkungen von insgesamt 5,25 auf aktuell 2% wies er in seinen Zinssenkungs-begründenden Reden immer wieder darauf hin, dass „some inflation risks remain" bzw. „...may remain" (Inflationsrisiken bestehen weiterhin). Allerdings ist dieser Spruch zu einer Floskel geworden, wie fast alle Sätze, die nach einer Fed-Entscheidung im Kurz-Statement veröffentlicht werden.
Ja, und dann, nachdem der US-Dollar im Laufe der Jahre gegenüber den anderen Hauptwährungen dieser Welt im Schnitt über 35% verloren hat, da fiel es auch Ben auf: Der Dollar wird weniger wert, das könnte was mit den Zinsen zu tun haben... oder doch mit der Inflation?
FED: Zinserhöhung voraus
Die Zins-Schere zwischen USA (2%) und Euroland (4%) wird sich früher oder später zumindest annähern müssen. Und da die EZB (Europäische Zentralbank) keine Veranlassung für eine Zinssenkung sieht - die EZB hat die Zinsen in der heutigen Ratssitzung bei 4% belassen - wird wohl demnächst wohl wieder die FED etwas lauter über Zinserhöhungen nachdenken.
Übrigens hat EZB-Präsident Jean Claude Trichet heute sogar durchklingen lassen, dass durchaus eine Zinserhöhung im Euroland bei der nächsten Sitzung möglich sei...
Unentschlossene Wall Street
Im Dow Jones Industrial (so wie im marktbreiten US-Index S& P 500) hat sich mit dem gestrigen Kursverlauf ein so genanntes Doji gebildet, genau in der Mitte der im nächsten Chart gekennzeichneten oberen und unteren Begrenzung. Ein Doji ist ein Candlestick (also eine Kerze) die so gut wíe keinen „Körper“ besitzt. Das bedeutet, dass Eröffnungs- und Schlusskurs fast auf derselben Höhe liegen. Und dies wiederum deutet auf die entschiedene Unentschlossenheit im Markt hin.
Und genau diese Unentschlossenheit „muss“ bald aufgelöst werden. Und je länger diese Unentschlossenheit verharrt, umso heftiger wird der Ausschlag in die eine oder andere Richtung ausfallen. Day-Tradern wird es aufgefallen sein: Es herrscht eine enorme Anspannung im Markt. Wieder aufkeimende Finanzkrisen-Sorgen sorgen (welch Wortspiel…) für noch zittrigere Hände. Ein Beispiel:
Heute um 14.30 Uhr (in den USA 8.30 Uhr) wurde die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bekannt gegeben. Die Zahl der US-Erstanträge ist auf 357.000 gefallen, erwartet wurde ein Anstieg auf etwa 370.000 Anträge. Diese eher positive Nachricht – die auf eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt hindeutet - sorgte (unter anderem) im Dow Jones-Future erst einmal für einen sehr schnellen 50-Punkte-Schub nach oben. Eine halbe Stunde später lag der Dow-Jones-Future dann wieder 60 Punkte tiefer…
Dann kurz nach der Wall Street-Eröffnung schießt der Dow im Schnellwaschgang wieder 100 Punkte nach oben (von 12.388 auf 12.480 Punkte), korrigierte kurz und konnte danach die 12.500er Marke überwinden. Jetzt muss er sich nur dort halten, das wäre doch mal ein Lichtblick…
Aber wie gesagt: Wenn Sie bereits erste Positionen in Blue Chips (aus Dax oder Dow) eingegangen sind, würde ich kein Stück aus der Hand geben. Ein Aufstocken der Position bietet sich noch nicht an.
Morgen schauen wir uns einmal Deutschlands zweite Reihe, nämlich MDax-Werte an. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich eine K+S-Aktie seit Jahresanfang bereits verdoppelt hat? Der beste Dax-Wert (Thyssen) bringt es im selben Zeitraum auf gerade einmal 13 %...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Die K + S-Aktie hatte ich übrigens am 10. Januar meinen Lesern als charttechnisch sehr interessant ans Herz gelegt. Interessierte Leser, die das ähnlich sahen, liegen damit heute etwa 91 % vorne… Ein Börsenbrief aus dem Investor Verlag hat mit einem K + S-Scheinchen für die Leser sogar bislang 953% Gewinn erzielt. Wenn Sie wissen wollen, welcher Dienst das ist, klicken Sie hier: Das Original
