Wahlen im Irak ein Erfolg?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 31. Januar 2005 18:00 Uhr
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Die Wahlen im Irak sind ohne die befürchteten "großen Anschläge" vorübergegangen. Beachtlich ist, dass trotz der Drohungen, der Unsicherheiten, der Anschläge und dem Boykottaufruf der Sunniten eine Wahlbeteiligung von 60 % zu verzeichnen ist. Das muss als Erfolg gewertet werden.
Diesen Erfolg wird sich Bush natürlich auf seine Fahnen schreiben, allein schon, um den Soldaten vor Ort endlich einen "Sinn" für ihre Opfer zu geben. Von allen Kommentaren beschrieb die New York Times meiner Meinung nach die aktuelle Situation am treffendsten: Sie betonte zunächst weiterhin ihre Zweifel an der amerikanischen Strategie im Irak, dann stellte sie den Erfolg der Wahl heraus, um im dritten Schritt darauf hinzuweisen, dass nun noch viel politische Arbeit im Irak zu leisten sei.
Einige andere Kommentatoren werteten die Wahl im Irak als einen Erfolg gegen den Terrorismus. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn in den USA nun bald die Frage aufkäme, ob denn der Terrorismus, in der Form wie Bush ihn thematisiert, überhaupt noch existiere.
Wie ich es immer wieder betone, rechnen Sie an solchen Tagen nicht mit Anschlägen. Auch im Irak hat sich bei diesen Wahlen einmal mehr gezeigt, dass die Gefahr des Terrorismus durch eine hohes Aufgebot an Militär und Polizei eingedämmt werden kann.
Wenn die El-Kaida tatsächlich noch weitere Anschläge planen sollte, dann wird das zu einem Zeitpunkt passieren, an dem keiner damit rechnet – vielleicht sogar an einem Ort, den keiner erwartet. Diese Wahl als ein Zeichen für das Ende des Terrorismus zu verstehen, ist also wesentlich verfrüht.
Die Börsen reagierten heute auf zwei Dinge: Zunächst sank der Ölpreis, in dem mögliche Terroranschläge als Risikoprämie eingepreist waren. Allerdings wird auch der "Erfolg" sicherlich zu Kursgewinnen an den amerikanischen Börsen führen.
Auf der anderen Seite werden die amerikanischen Märkte noch durch die anstehende US-Zinsentscheidung belastet. Es wird Allgemein erwartet, dass die Fed am Mittwoch um 20.15 MEZ bekannt geben wird, die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,5 % anzuheben. Angesichts der schlechteren Konjunkturdaten seit der letzten Fed-Sitzung geht kaum ein Analyst davon aus, dass die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben werden. Die Inflation in den USA erfordert einen solchen Schritt zudem noch nicht. Vergessen Sie nicht, dass sich Zinsveränderungen erst allmählich auswirken, oft genug mit einer Verzögerung von sechs Monaten. Die Fed muss in der aktuellen Situation sehr vorsichtig agieren. Aus diesem Grund wird umso interessanter, was die Fed in ihrem Statement zu der Zinserhöhung verlautbaren lässt.
Erst danach sind die Märkte etwas "freier". Doch am Freitag stehen noch die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt an, bei denen insbesondere der Focus wieder einmal auf den "neu geschaffenen Stellen" liegt. Erwartet werden 185.000 bis 215.000 neue Arbeitsplätze, nach zuvor 157.000. Nach den sich deutlich verbessernden Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe rechne ich im Moment auch hier noch eher mit einer positiven Überraschung. Mit dieser Ansicht stehe ich natürlich nicht alleine da. Wenn also am Donnerstag die neuesten Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe nicht enttäuschen, könnte es im späteren Donnerstagshandel zu deutlichen Kurssteigerungen kommen.
Alles in allem stehen also die Chancen sehr gut, dass uns nach den deutlichen Verlusten, welche die amerikanischen Indizes seit Jahresanfang hinnehmen mussten, eine eher positive Woche bevorsteht.
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